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Wissenschaftler stellen Wirksamkeit von Tamiflu in Frage

Jahrelang hat ein Forschergremium mit der Pharmafirma Roche darum gerungen, die Forschungsresultate zur Wirksamkeit des Grippemittels Tamiflu öffentlich zu machen. Nun kommen die Wissenschaftler zum Schluss: Seine Wirkung sei höchstens bescheiden.

Tamiflu verkürze bei Erwachsenen die Dauer von Grippesymptomen um lediglich 16 Stunden, schrieben die Wissenschaftler am Donnerstag in der britischen Medizinzeitschrift "British Medical Journal" (BMJ) gemäss Berichten des "Tages-Anzeigers" und der "Neuen Zürcher Zeitung". Die Resultate gäben Anlass, die Einlagerung des Medikaments durch Regierungen zu hinterfragen.

Auch die Schweizer Regierung hat im Zuge des Schweinegrippe-Ausbruchs von 2009 Tamiflu eingelagert. Roche widersprach den Ergebnissen in einer Stellungnahme im BMJ. Die Wirkstoffe der Grippemittel seien "eine essenzielle Behandlungsoption für Patienten mit Grippe". Die Firma hinterfragt im Gegenzug die Methodik der Wissenschaftler.

Streit um Studiendaten

Hinter dem Bericht steht ein weltweites Netzwerk von Wissenschaftlern, sowie ein viereinhalb Jahre dauernder Kampf um Offenlegung der Studiendaten zu zwei Grippemitteln, Tamiflu von Roche und Relenza von GlaxoSmithKline. Die Cochrane Collaboration ist ein unabhängiges Forschergremium, das mit systematischen Übersichtsstudien die Wirksamkeit von medizinischen Therapien bewertet.

Jahrelang hatte sich Roche unter Berufung auf das Geschäftsgeheimnis geweigert, die Daten öffentlich zu machen. Doch im September 2013 stellte die Firma dann doch die letzten Studien zu Tamiflu zur Verfügung. In der Folge werteten die Wissenschaftler 20 Studien zu Tamiflu und 26 zu Relenza mit insgesamt 24'000 Teilnehmern aus.

Das Ergebnis: Die Grippesymptome dauerten mit Tamiflu bei Erwachsenen nur 6,3 statt 7 Tage, bei anderweitig gesunden Kindern verkürzten sie sich um einen Tag. Die Forscher fanden keinen Hinweis darauf, dass das Medikament die Zahl von Spitaleinweisungen oder von ernsthaften Komplikationen wie Lungenentzündung reduziert.

Dafür fanden sie einen deutlichen Anstieg von Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen sowie ein erhöhtes Risiko für psychische Probleme, Nierenprobleme und Kopfschmerzen, wie es in einer Mitteilung des BMJ heisst.

(sda)

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