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WM Heute

Belgien hat bisher das Punktemaximum eingefahren. Fussballerisch liegen die «Roten Teufel» aber unter den Erwartungen. Für die Fortsetzung des Turniers schulden sie einiges. Ob sie es je zeigen können, hängt von Trainer Marc Wilmots ab.

«Rote Teufel» spielen bewusst nicht mit dem Feuer

Die Mannschaft von Marc Wilmots hat eigentlich bereits das erreicht, was vielen Nationaltrainern vorschwebt: Nach zwei von drei Gruppenspielen steht die Qualifikation für die Achtelfinals schon fest.

Die Belgier haben einige brillante Fussballer in ihren Reihen, um nicht zu sagen Virtuosen. Dennoch hat die Mannschaft bis anhin den Pragmatismus und die Effizienz dem schönen Fussball vorgezogen.

Marc Wilmots verteidigt und begründet: «Um in einem solchen Turnier weiterzukommen, muss man nicht immer sehr gut aussehen. Man muss vor allem effizient sein. Alles andere ist völlig unwichtig.» In den Interviews nach dem spät herausgeholten 1:0-Sieg gegen Russland bestätigten mehrere Spieler, dass die Mannschaft in erster Linie dar­auf ausgegangen sei, nicht zu verlieren.

Daniel van Buyten, der Innenverteidiger von Bayern München, sagte: «Wir wollten den Russen keinen Raum geben. Und unsere Organisation auf dem Platz war perfekt.»

Wilmots’ Leinenzwang

Es scheint die kühlen Belgier kaltzulassen, dass sich die 73 000 Zuschauer im Maracanã in Rio de Janeiro während 85 Minuten langweilten, bis das Supertalent Eden Hazard endlich ein paar Mal Aussergewöhnliches zeigte. Aber diese wenigen Minuten, in denen das 1:0 den 19-jährigen Joker Divock Origi zum bisher jüngsten Torschützen dieser WM machte, konnten die vorangegangene biedere Darbietung und die Pfiffe von den Rängen nicht vergessen machen.

«Es war ein intensiver Match, ein ziemlich taktischer und sicher nicht der schönste», sagte Marc Wilmots. «Einige unserer Spieler hatten nach 70 Minuten Krämpfe, das sagt doch genug.»

Wilmots hatte es den Verteidigern auf den Aussenbahnen untersagt, nach vorne zu gehen. Dadurch schränkte der Coach automatisch Hazards Wirkung ein. Hazard war gegen die russische Abwehr meistens auf sich allein gestellt und verloren. Auch die Dribbelkünste nützten ihm nichts. Überdies verlangt Wilmots von Hazard ausdrücklich, die defensiven Pflichten nicht zu vernachlässigen.

In Wilmots’ Äusserungen taucht ein Widerspruch auf. Denn vor dem Spiel hatte er erklärt, dass Hazard, seine überragende Nummer 10, nur brillieren könne, wenn er von einem soliden Kollektiv unterstützt werde. Die effektiv angewandte Taktik liess dann jedoch eine solche Unterstützung gar nicht zu.

So wurde Hazard quasi zum Offensivverteidiger umfunktioniert und degradiert. Wilmots sah seine Überlegungen sogar noch bestätigt: «Ein einziges Mal hat Hazard seinen Verteidiger entwischen lassen, und schon kamen die Russen zu einer guten Chance», sagte Wilmots, der sich demge­gen­über rühmt, ein Verfechter des Spiels nach vorne zu sein.

Die Spieler akzeptieren diese Art von Zynismus ihres Trainers, auch wenn sich ab und zu Frustration breitmacht. Sichtlich sehr frustriert war Stürmer Romelu Lukaku bei seiner Auswechslung nach 57 Minuten. Wilmots’ aktuell angewandter Fussball ist nichts für den Stürmer von Everton, der es gewohnt ist, steil lanciert zu werden. Es ist ein Wechselspiel: Lukakus Frustration widerspiegelt sich in ungenügenden Leistungen. Sowohl gegen Algerien (2:1) als auch gegen Russland leistete sich der gebürtige Kongolese ungewöhnlich viele Schnitzer; er verlor auch die grosse Mehrheit der Zweikämpfe.

Es ist nicht zu erwarten, dass Marc Wilmots von seinem Spielplan abweichen wird, solange sich der Erfolg einstellt – auch im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea nicht. Die Resultate respektive die Punkte sprechen für ihn. In den bislang 180 Minuten musste Belgiens Goalie Thibaut Courtois – vom Tor der Algerier abgesehen – nur zweimal ernsthaft eingreifen. si

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