Zum Hauptinhalt springen

WM-Punkte sind ein Muss für Sauber

Das Sauber-Team will den enttäuschenden Saisonverlauf vergessen machen und in Belgien den angestammten Platz in der Hierarchie zurückerobern.

Weniger als eine Sekunde hat Adrian Sutil beim Grossen Preis von Ungarn zum ersten WM-Punkt für Sauber gefehlt: Jenson Button im stärker motorisierten McLaren-Mercedes liess sich einfach nicht überholen. Nach der vierwöchigen Sommerpause will der 31-jährige Deutsche mit Wohnsitz in Oensingen das Verpasste auf seiner Lieblingsstrecke nachholen. «In der Vergangenheit habe ich in Francorchamps oft gute Ergebnisse erzielt und entsprechend schöne Erinnerungen. Wenn wir den zuletzt gezeigten Aufwärtstrend bestätigen können, ist eine Saisonbestleistung möglich», glaubt er. Sein bisher bestes Ergebnis im Grossen Preis von Belgien ist der fünfte Platz 2010 im Force India vor seinen Landsleuten Nico Rosberg und Michael Schumacher, sein zweitbestes Formel-1-Resultat überhaupt. Im Vorjahr ist er mit demselben Team als Neunter ins Ziel gekommen.

Elf Nuller in Folge

«Ich geniesse die tolle Atmosphäre an der traditionellen Rennstrecke immer und bin gespannt auf das Fahrverhalten des C33. Mit den neuen Autos werden wir eine höhere Endgeschwindigkeit und erstmals wohl in dieser Saison ähnliche Rundenzeiten wie im Vorjahr erreichen», erwartet Sutil. «Bezüglich der Abstimmung wird es zwei Möglichkeiten geben. Entweder macht man das Auto schnell für den zweiten Sektor und ist dafür langsam auf den Geraden oder man macht es umgekehrt. Ich tendiere zum Zweiten, um mich besser verteidigen zu können.» Das wird vor allem gegen die acht Autos mit Mercedes-Power nötig sein. Das Werksteam mit den beiden Titelanwärtern und die Williams von Valtteri Bottas und Felipe Massa sind im Normalfall ausser Reichweite. McLaren und Force India sind dagegen keine uneinnehmbaren Festungen. Dasselbe gilt für Toro Rosso und Lotus, die das Handicap ihres Renault-Motors auf der spektakulären Berg-und-Tal-Bahn stärker als üblich zu spüren bekommen könnten. Im zweiten Sauber C33 sitzt am Freitagmorgen der Holländer Giedo van der Garde, überlässt dann das Cockpit aber wieder Esteban Gutiérrez.

Nach dem verkorksten ersten Teil der Weltmeisterschaft mit elf Nullern in Folge ist das Sauber-F1-Team dringend auf die ersten WM-Punkte angewiesen, um standesgemäss endlich Marussia überholen zu können. Das zweite Ferrari-Kundenteam lebt noch immer von den beiden WM-Punkten, die Jules Bianchi in Monaco ins Trockene gebracht hat, weil beide Sauber-Fahrer wegen Unaufmerksamkeiten in den Leitplanken gelandet sind. Francorchamps hat den Schweizern in den letzten Jahren jedoch wenig Freude bereitet. Der letzte Punktegewinn gelang 2010 mit Kamui Kobayashi als Achtem. Zwei Jahre später startete der Japaner zum einzigen Mal in seiner Karriere in der ersten Startreihe, wurde jedoch wie sein damaliger Teamkollege Sergio Pérez schon in der ersten Kurve durch den allzu ungestümen Romain Grosjean aus dem Rennen gerissen.

Aufrüsten bei Caterham

Vom Tabellenende wegkommen will auch Caterham. Der neue Teamchef Colin Kolles lässt mit seinen unbekannten Investoren und einer schlankeren Organisation nichts unversucht. Auffälligster neuer Teil am Auto ist der konventionellere Frontflügel, die grösste Überraschung in Belgien ist jedoch der Fahrer. Dass der 32-jährige Audi-Star André Lotterer zwölf Jahre nach seiner letzten Formel-1-Test-Erfahrung mit Jaguar doch noch zu einem Renneinsatz in der höchsten Motorsportklasse kommen könnte, hätte der dreifache Le-Mans-Sieger vor kurzem selbst nicht für möglich gehalten. Hintergrund für den vorerst einzigen Formel-1-Start Lotterers sind seine exzellenten Streckenkenntnisse und die Fähigkeit, mit allen Witterungsverhältnissen zurechtzukommen. Zudem soll der in Belgien aufgewachsene Deutsche bei der Beseitigung der Schwächen des Caterham helfen.

«Ich will einfach mein Bestes geben und das Formel-1-Wochenende geniessen. Auch wenn ich Letzter sein sollte, wird sich niemand über mich lustig machen», glaubt Lotterer. Die Anfrage von Kolles kam auch für ihn überraschend, dann ging aber alles sehr schnell. «Ich sass am Montag im Werk in Leafield und das ging ganz ordentlich. Wir haben ein rundum erneuertes Auto, eine andere Nase, eine andere Motorhaube, neue Heckflügel, verbesserte Seitenkästen und einen neuen Unterboden.» Erklärtes Ziel ist es, Marussia abzufangen. Vom ebenfalls noch punktelosen Sauber-Team spricht er nicht, weil er ihm mehr zutraut. Er macht sich auch sonst keine Illusionen: «Dieser Einsatz bedeutet nicht, dass ich von der Formel 1 zu träumen beginne. Ich werde Audi bestimmt nicht verlassen, ich bin doch nicht verrückt.» Priorität geniesst weiterhin die WEC und die Zurückeroberung des WM-Titels mit dem Schweizer Marcel Fässler und dem Franzosen Benoit Tréluyer. Wegen Terminüberschneidungen kann Lotterer – ungeachtet des Abschneidens in Belgien – sowieso nicht alle weiteren Grands Prix für Caterham bestreiten. Eine zweite Chance könnte sich in Suzuka bieten. Die japanische Piste ist ihm ebenso vertraut wie Francorchamps. In zwei Wochen in Monza soll aber wieder Kamui Kobayashi zum Zuge kommen. Peter Lattmann

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch