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Wo die Abtreibungsinitiative bejaht wurde

Die Gemeinde Dinhard exponiert sich mit ihrem Ja zur Abtreibungsinitiative. Hinter dem Resultat stehen wohl Mitglieder von Freikirchen sowie SVP-Wähler und ihre konservativen Werte.

Über 52 Prozent der Stimmberechtigten, die am Sonntag in Dinhard an die Urne gegangen sind, haben die In­itia­ti­ve «Abtreibung ist Privatsache» angenommen. 361 Ja- standen 329 Nein-Stimmen gegenüber. Die Gemeinde ist die einzige im ganzen Kanton, welche die Forderung, Schwangerschaftsabbrüche seien aus der Grundversicherung zu streichen, gutgeheissen hat. Bei Leo Schmid hat dieses Resultat «ein Schmunzeln ausgelöst». Der Präsident der lokalen SVP erklärt sich das Resultat mit der «treuen Stammwählerschaft» seiner Partei. Diese hatte sowohl auf nationaler als auch auf kantonaler Ebene die Ja-Parole beschlossen. Nur die Frauen der SVP Schweiz lehnten die Volksin­itia­ti­ve ab. Tatsächlich ist der Anteil der SVP-Wähler in Dinhard gross. Über 45 Prozent legten bei den letzten Kantonsratswahlen die SVP-Liste in die Urne. Der kantonale Durchschnitt liegt bei 30 Prozent. Schmid sagt, die Einwohner von Dinhard seien zudem kostenbewusst. «Sie waren gewillt, den Leistungskatalog der Krankenkasse zu kürzen.» Freikirchler und SVP-Kreise waren dafür Das Resultat, das derart aus dem Rahmen fällt, veranlasste am Sonntag die Verantwortlichen des Kantons sogar, sich in Dinhard telefonisch nach seiner Richtigkeit zu erkundigen, wie Gemeindepräsident Peter Matzinger (SVP) sagt. Er vermutet, bei dieser Abstimmung seien die Meinungen konservativer, sparsamer und ethisch besorgter Bürger zusammengekommen. Inter­essant ist, dass Dinhard – ebenfalls entgegen dem Mainstream – die Fabi-Vorlage (Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur) abgelehnt hat. Gegen die Abtreibung stimmten neben der SVP auch christliche Kreise. In Dinhard lebten viele Mitglieder von Freikirchen, sagt Daniel Belz. Der Dinharder, der auch im Vorstand der regionalen EDU sitzt, warb zwar nicht aktiv für die Vorlage. Auch nicht in seiner Kirche, der Freien Missions-Gemeinde (FMG) Dinhard-Thalheim. Für ihn ist jedoch klar, dass seine Gemeinde geschlossen für die In­itia­ti­ve gestimmt hat. Die FMG ist in Dinhard entstanden. Heute treffen sich die rund 50 Gläubigen zwar in Thalheim. Ein Grossteil von ihnen dürfte aber in Dinhard stimmberechtigt sein. «Ich will mit meiner Krankenkassenprämie keine Abtreibungen unterstützen», sagt ein weibliches FMG-Mitglied. Kinder seien Geschenke Gottes, und es sei nicht an den Menschen, über Leben oder Tod zu entscheiden. Zum aussergewöhnlichen Ergebnis beigetragen hat im Übrigen auch die hohe Stimmbeteiligung: Sie lag in Dinhard bei 69 Prozent (Kantonsdurchschnitt: 58 Prozent). Neben der Masseneinwan­de­rungsin­itia­ti­ve dürfte auch die Gemeinderatswahl die Dinharderinnen und Dinharder mobilisiert haben.

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