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Wohnen ist billiger geworden

Bern. Seit Februar sinken die Mieten. Für den Verband der Hauseigentümer ist dies Beleg dafür, dass das tiefere Zinsniveau durchschlägt. Laut dem Mieterverband sind die Mieten in der Schweiz hingegen noch immer viel zu hoch.

Es ist mittlerweile schon beinahe ein Gemeinplatz: In der Schweiz steigen die Mieten und mindestens eine Mitschuld daran trägt die Zuwanderung aus der EU. Selbst Linke sehen das heute so. Die SP forderte wiederholt –zuletzt am vergangenen Freitag –, dass auch im Wohnungsmarkt flankierende Massnahmen zur Personenfreizügigkeit ergriffen werden. Nun fördert die aktuelle Erhebung zum Landesindex der Konsumentenpreise Erstaunliches zutage: Die Mieten sind seit einem Jahr nicht mehr gestiegen. In den letzten drei Quartalen sanken sie vielmehr. Alleine zwischen August und November wurde Wohnen um 0,2 Prozent billiger. Die Mieter können sich zudem gleich doppelt freuen: Dank deutlich tieferer Heizölpreise sollte auch die nächste Nebenkostenrechnung bei vielen weniger hoch ausfallen. Damit nicht genug: Selbst in einer Boomregion wie der Stadt Zürich sind die Mieten gemäss dem Zürcher Index der Mietpreise seit Februar um deutlich über ein Prozent gesunken. Eine spezielle Si­tua­tion Was den Laien erstaunt, ist für Hans Markus Herren vom Bundesamt für Statistik weniger überraschend. «Es kommt immer wieder vor, dass die Wohnungsmieten wie jetzt vorübergehend leicht sinken. Speziell ist, dass dies gleich während dreier Quartale der Fall war.» Tatsächlich fielen die Mietpreise auch schon 2010 und 2011, aber jeweils nur während eines Quartals. Grund für die aktuelle leichte Preissenkung ist laut Herren der tiefere Referenzzinssatz, dank dem die Mieter eine tiefere Miete einfordern können. «Bei Neuvermietungen stellen wir hingegen nach wie vor leicht steigende Mieten fest.» Doch im Moment sei für die Gesamtheit aller Mieten der Effekt des Referenzzinssatzes grösser. «Die Zahlen zeigen, dass das System funktioniert», sagt Monika Sommer, stellvertretende Direktorin des Hauseigentümerverbandes. Sprich: Die Vermieter geben tiefere Hypothekarkosten an die Mieter weiter. «Zudem gibt es Regionen, wo rege Bautätigkeit wohl bald zu einem Überangebot führen wird und damit die Mieten sinken.» Zahlen wir 10 Prozent zu viel? Herrschen für die Mieterschaft also paradiesische Zustände? Nein, sagt Michael Töngi, Generalsekretär des Mieterinnen- und Mieterverbandes: «Tatsache ist, dass die Mieten in den letzten drei Jahren insgesamt stiegen, obwohl der Referenzzinssatz mehrmals nach unten korrigiert wurde.» Seit 2009 hätten die Bestandesmieten um gut 10 Prozent sinken müssen, sagt er. Das habe aber nicht geklappt, weil nur etwa 20 Prozent der Vermieter die Referenzzinssenkungen weitergeben – und meist auch nur, wenn das ein Mieter ausdrücklich verlange. Zudem nutzten viele Vermieter Mieterwechsel, um die Miete massiv nach oben zu korrigieren. Er verweist auf kürzlich vom Immobilienbüro IAZI veröffentlichte Zahlen: Demnach steige der Mietzins bei einer Neuvermietung in der Schweiz durchschnittlich um vier Prozent.

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