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Wohnen mit Stil, wo einst Tauben hausten

Die Renovation der Häuser an der oberen «Steibi» dauerte fast drei Jahre. Der Aufwand hat sich gelohnt.

«Müssen wir das erhalten?» Markus Brunner zeigt auf eine hüfthohe Mauer mit Holzbalken in einer der renovierten Wohnungen an der Steinberggasse 3 und 5. «So hat hier kein Doppelbett Platz», bemängelt der Geschäftsführer von Bruno Stefaninis Immobilien­firma Terresta bei der Begehung der denkmalgeschützten Häuser. «Das macht es schwerer, die Wohnung zu vermieten.» Dafür habe der Raum sehr viel Charme, ­kommentiert Nina Schle­gel, die Projektleiterin. Insgesamt zeigt sich Brunner sehr zufrieden mit der Instandstellung der historischen Gebäude. Tatsächlich können die Wohnungen als Schmuckstücke bezeichnet werden. Besonders reizvoll sind die Dachwohnungen – eine davon geht über drei Geschosse – und ein Raum mit einer schiefen Stuckdecke. Eine ähn­liche, besser erhaltene Decke befin­det sich eine Etage tiefer im Raum, in den bereits das Deko­geschäft Decollage eingezogen ist. Die Wohnungen, deren Innenausbau bis Februar fertig­gestellt wird, sind noch nicht alle ver­geben. Sie haben ihren Preis: Die kleine Einzimmerwohnung kostet rund 900 Franken, die grösste Wohnung mit vier Zimmern über 3000 Franken. Brunner betont: «Das ist nicht der neue Stefanini-Standard.» Es handle sich bei der teuren Renovation um eine Ausnahme. «Die allermeisten unserer Wohnungen bleiben günstig.» Wie viel früher die Vormieter bezahlt haben, ist nicht bekannt – denn es ist über ein Jahrzehnt her, seit die Wohnungen vermietet waren. Lange Zeit waren die verfallenen Häuser nur von ­Tauben und Haus­besetzern bewohnt. Die Stadt setzte schliesslich die Sanierung durch, vor allem wegen Sicherheitsbedenken. Die Häuser in der Zeile sind alle leicht schräg gebaut und wurden zur Ober­gasse hin von einer unschönen Mauer («Schand­mauer») gestützt. Hätten die vom Hausschwamm zerfressenen Holz­bal­ken in der Nummer 3 oder 5 nach­gegeben, wären womöglich viele Häuser eingestürzt. Nur wenig blieb erhalten Nun ist die «Schandmauer» durch einen kleinen Anbau ersetzt worden, der aus­sen die Nummer 1 trägt, in Wirklichkeit aber eine Verlängerung der Nummer 3 darstellt. Die stützende Funk­tion übernimmt ein neuer Beton­kern im Innern der Häuser, in den Bade­zimmer eingebaut wurden. Die Schräg­lage habe die Arbeiten stark verteuert, sagt Brunner, der lieber ab­gerissen und neu gebaut hätte. Man habe sowieso nur wenig von der Bausubstanz erhalten können – nebst den Stuckdecken vor allem noch das Dachgebälk. Denkmalpfleger Stefan Gasser gibt zu, dass man den Zustand der Häuser «eher überschätzt» habe, als man deren Erhalt verlangte. Die Mieter werden darüber nicht unglücklich sein – sie erhalten sehr viel Flair. Und auch die Passanten dürfen sich freuen: Das Ende der «Steibi» hat endlich wieder einen würdigen Abschluss erhalten. Christian Gurtner

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