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Wohnungsnot trotz Bauboom in Zürich

Letztes Jahr sind in Zürich rund 2500 neue Wohnungen gebaut worden, so viel wie seit 1975 nicht mehr. Die meisten gingen weg wie frische Brötchen. Es gibt immer noch sehr wenig leere Wohnungen.

Was Wohnungssuchende längst wissen, bestätigt die neueste Statistik: In Zürich eine schöne und bezahlbare Wohnung an guter Lage zu finden, ist mehr als schwierig. Dies, obwohl in der Stadt so viele Wohnungen gebaut werden wie schon lange nicht mehr. Sie finden reissenden Absatz, weil die Bevölkerung wächst. Der aktuelle Leerwohnungsbestand in Zürich beträgt nur 0,1 Prozent. Obwohl er ge­gen­über dem Vorjahr um 0,04 gestiegen ist, herrscht nach allgemeiner Auffassung nach wie vor Wohnungsnot. Ab welchem Wert von einem funktionierenden Wohnungsmarkt gesprochen werden kann, ist allerdings umstritten. Die einen setzten eine Leerwohnungsziffer zwischen 0,5 und 1 Prozent voraus. Der kantonale Mieterverband pocht auf 3 Prozent, wie Sprecher Walter Angst sagt.

Der Leerwohnungsbestand von 0,1 Prozent bedeutet, dass am Stichdatum Anfang Juni in Zürich 206 von insgesamt 210 000 Wohnungen länger als drei Monate leer standen. Die Objekte waren entweder zu teuer, nicht attraktiv oder ungünstig gelegen, wie die Statistiker vermuten. Bei 61 der leer stehenden Wohnungen handelt es sich um Neubauten, die wahrscheinlich aus preislichen Gründen keine Abnehmer fanden. Grössere Mengen an leeren Objekten gab es in den Stadtkreisen 7, 4 und 11. Michael Böniger von Statistik Stadt Zürich hat beobachtet, dass es sich bei einem grösseren Teil der leeren Zweizimmerwohnungen um grossflächige Objekte handelte. «Lofts sind nicht mehr so begehrt wie früher», schliesst er daraus.

In Zürich boomt der Wohnungsbau wie seit bald 30 Jahren nicht mehr. Von Juni 2011 bis Juni 2012 entstanden laut Böniger 2500 neue Wohnungen. Ende Jahr zeigt sich, ob damit ein neuer Jahresrekord erreicht wird. Der letzte datiert aus der Mitte der 70er-Jahre. Damals baute man 2307 Wohnungen. Der aktuelle Boom ist noch längst nicht zu Ende. Laut Böniger sind in der Stadt weitere 4500 Wohnungen im Bau. «Und was gebaut wird, geht weiterhin auch weg», fasst er das Geschehen zusammen. Treiber der Nachfrage ist das anhaltende Bevölkerungswachstum. An dieser Grosswetterlage ändert auch die Tatsache nichts, dass es derzeit deutlich mehr freie Wohnungen in der Stadt gibt als in den letzten fünf Jahren.

Im Kanton gegenläufig

Die Stadt Zürich ist atypisch im Vergleich zum gesamten Kanton. Der kantonale Leerwohnungsbestand sank nämlich leicht und beträgt 0,56 Prozent (Vorjahr 0,65). Das heisst, am Stichdatum gab es im Kanton 3859 leere Wohnungen, 529 weniger als im Vorjahr. In allen Bezirken ausser Meilen und Affoltern liegt der Leerwohnungsbestand unter 1 Prozent. «Die Wohnungsnot hat damit den ganzen Kanton erreicht», folgert Angst daraus. Die meisten Mieter müssten bei einem Umzug mehr für die neue Wohnung bezahlen. Der Mieterverband will deshalb die 2003 abgeschaffte Formularpflicht wieder einführen. Sobald der Leerwohnungsbestand kleiner wird als 1,5 Prozent, müssten die Vermieter bei einem Wohnungswechsel die Vormiete bekannt geben. Im November stimmt das Volk über die kantonale In­itia­ti­ve ab. Die Leerwohnungsziffer ist vor allem für Bauinvestoren ein wichtiges Instrument. An ihr lesen sie ab, wo sich das Bauen lohnt und wo nicht.

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