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«Wollen wir Winterthurer die Privatisierung?»

Gärtnerei privatisiertAusgabe vom 24. Juni

Wir leben in einer schönen Stadt, was Ueli Maurer in seiner Fest­rede zum 750-Jahr-Jubiläum des Stadtrechts bestätigt hat. Herzlichen Dank an die Stadtgärtnerei, die mit der Pflege unserer Grünanlagen wesentlich zu dieser Schönheit beiträgt.

Nun hat der bürgerliche Gemeinderat in seiner Sparwut den Weg zur Privatisierung der Stadtgärtnerei geöffnet. Wollen wir Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt Winterthur das?

Auf einem Spaziergang im Wald erklärte mir mein Vater, dass die Bäume allen Bürgern gehörten. Der kleine Bub wollte erwachsen werden, um auch am Reichtum teilzuhaben, stolzer Mitbesitzer zu sein von Wald, Bahn, Post, Stadtgärtnerei und Stadttheater.

Nun erlebe ich, wie in einer Gesellschaft, in der so viel Vermögenswerte wie noch nie akkumuliert werden, der Gemeinbesitz aus neoliberaler Blindheit und völlig ohne Not zugunsten der Privatheit geschmälert wird.

Einer der unüberlegtesten Sätze in diesem Zusammenhang ist, es gehöre nicht zu den Kernaufgaben des Staates, dies oder das zu haben. Wie wenn man den Staat auf seinen Kern reduzieren müsste. Der Staat ist nichts anderes als die Art und Weise, wie wir uns organisieren. (Status heisst Zustand.) Der Staat, das sind wir. Nun aber machen wir uns aus lauter Reichtum arm. Wie erbärmlich! Eines ist sicher: Für eine Schweiz AG würde ich keinen Militärdienst leisten.

Menschen, die es schwer haben, geraten in unserer hektischen Zeit immer mehr unter Druck. Optimierung, Maximierung ist Trumpf. IV-Rentner und Sozialhilfeempfänger werden oft nur als Kostenfaktor betrachtet. Was kein Renommee, keine Rendite bringt, stört.

Also sparen wir doch dort, wo jene sind, denen sonst schon die Kraft fehlt, sich zu wehren. Auch die Natur bringt auf den ersten Blick keinen Ertrag. Man kommt ins Sinnieren!

Wo sind denn die Parteien, die sich fürs Volk einsetzen? Oder ist da nur ein Teil von uns gemeint? Vielleicht derjenige, der optimiert und maximiert? Und die Solidarität? Die Menschlichkeit? Da könnte man auch optimieren.

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