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Wollishofens zahme Hausbesetzer

Seit fast drei Jahren halten Aktivisten das Restaurant Bahnhof Wollishofen besetzt. Im Sommer müssen sie raus. An der Stelle entsteht ein Neubau mit luxuriösen Eigentumswohnungen und einer Coop-Filiale.

Das Restaurant Bahnhof Wollishofen, das sich an zentraler Quartierlage befindet, steht seit fast vier Jahren leer. Seit drei Jahren ist es in der Hand von Besetzern. «Freiheit für alle politischen Gefangenen» pinselten sie auf die Fassade und «Den Spiess umdrehen». Seit Neustem drückt ein rotes Spruchband mit Hammer und Sichel Solidarität mit Hausbesetzern im Nachbarquartier aus: «Binz bliibt» heisst es auch in Wollishofen. Trotz markiger Parolen scheinen die Autonomen im beschaulichen Wohnquartier am See aber niemanden zu stören. Wirt Ernst Bachmann sagt, er habe mit seinem ehemaligen Restaurant, dem «Bahnhöfli» eigentlich abgeschlossen. Er, der den kantonalen Gastgewerbeverband präsidiert, wirtete 32 Jahre im beliebten Quartiertreffpunkt. Sein Weggang im Frühsommer 2009 wurde in Wollishofen laut beklagt. Obwohl er einen Schlussstrich gezogen habe, wurme ihn, dass das Gebäude seither leer stehe und der ursprünglich geplante Neubau noch immer nicht realisiert sei, sagt er heute. Internet, Wasser, Strom Ein Jahr nach Bachmanns Auszug nahmen fünf bis zehn Besetzer das Gebäude an der Seestrasse 339 in Beschlag. Sie scheinen sich dort pudelwohl zu fühlen, verfügen über Wasser, Strom – obwohl ihnen dieser laut Stadtpolizei kurz nach der Besetzung abgestellt wurde – und einen drahtlosen Internetzugang. Zum Zweijahrjubiläum letztes Jahr luden sie die Nachbarn ein. Doch diesen Sommer müssen die Aktivisten ihr Quartier endgültig räumen. Die Bau- und somit die Abrissbewilligung liegt seit letztem Juli vor. An der gleichen Stelle entsteht ein Gebäude mit sieben luxuriösen Eigentumswohnungen. Die oberste misst 210 Quadratmeter, die rundherum verlaufende Dachterrasse ist ebenso weitläufig. Ins Erdgeschoss zieht Coop mit einer mittelgrossen Filiale ein. Luxuswohnungen mit Seeblick Sechs Wohnungen kosten je zwischen 1,6 bis 1,8 Millionen Franken, die Attikawohnung 3,2 Millionen Franken. Vier Objekte seien bereits verkauft, sagt Pasquale Moio von der TM Immoswiss AG im sankt-gallischen Wil. Die restlichen seien reserviert. Der Immobilienhändler lobt die zentrale Lage, die gute Verkehrsanbindung – das Gebäude liegt direkt zwischen der Tramhaltestelle und dem SBB-Bahnhof – und die Nähe zum See sowie zur Landiwiese. Zielgruppe seien Menschen, die urban wohnen wollten. Für das lange Leerstehen des Restaurants seien Verzögerungen im Planungs- und Bewilligungsprozess verantwortlich, heisst es bei der PSP Swiss Property. Der Immobilienriese überschrieb das baureife Projekte Ende letztes Jahr an die Investorengesellschaft Invest Two AG in Wil, für die Moio die Wohnungen nun verkauft. «Häuser besetzen ist legal» Mit den Hausbesetzern habe er keine schlechten Erfahrungen gemacht, sagt er. «Ich habe mit ihnen gesprochen. Das sind freundliche Leute.» Auch Quartiervereinspräsident Martin Bürki kann nichts Negatives über die Besetzer des «Bahnhöfli» sagen. «Sie verhalten sich relativ ruhig und sind in Wollishofen nicht gross ein Thema.» Bei der Stadtpolizei ist laut Pressesprecher Marco Cortesi keine einzige Klage eingegangen. Besetzte Häuser werden in der Stadt Zürich nicht vorsorglich geräumt, das stellt ein Merkblatt der Stadtpolizei klar. «Die Räumung einer besetzten Liegenschaft soll nicht nur für den Moment, sondern auf Dauer erfolgreich sein. Deshalb muss klar sein, dass die Liegenschaft unmittelbar nach der Räumung abgebrochen wird.» Die angetroffenen Personen würden wegen Hausfriedensbruch und eventueller Sachbeschädigung bei der Staatsanwaltschaft verzeigt. Wirt Ernst Bachmann, der für die SVP im Kantonsrat sitzt, sagt mit bitterem Unterton: «Häuser zu besetzen, ist ja momentan legal in der Stadt Zürich.» Er wirtet heute im «Muggenbühl», ebenfalls einem Wollishofer Restaurant. Seine Gäste erzählten ihm oft, wie düster und «himmeltraurig» es um das ehemalige «Bahnhöfli» aussehe. «Es ist eine Schande.» Ludwig Reinsperger von der PSP Swiss Property sagt, für die Besitzerin sei eine Hausbesetzung natürlich «sehr ärgerlich», weil Sachen kaputt gingen und die Nachbarn meist litten. Dennoch hält er die Praxis der Stadt für richtig. Eine Räumung sei meist mit grossem Aufwand verbunden und deshalb erst kurz vor dem Abbruch sinnvoll. Vor gut einem Jahr kam es ganz in der Nähe, in der Enge, bei der Räumung der Landolt-Kellerei zu einer regelrechten Strassenschlacht zwischen Besetzern und Polizei. So weit kommt es in Wollishofen nicht, ist sich Immobilienhändler Pasquale Moio sicher. Die Besetzer des Restaurants Bahnhof hätten ihn höflich in einem Brief gebeten, ihnen den Räumungstermin frühzeitig mitzuteilen. «Sie wollen rechtzeitig ihre Zelte abbrechen.» Das genaue Datum stehe aber noch nicht fest. Moio rechnet fest damit, dass die Räumung in Wollishofen friedlich verlaufen wird.

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