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Zehn Routiniers treten ab

Vier Frauen und sechs Männer haben das Schicksal ihrer Gemeinden in den letzten beiden Jahrzehnten erheblich mitgeprägt. Nun treten sie von der politischen Bühne ab. Was sie bewirkt haben und war­um sie so lange geblieben sind.

Franz Brunner (1) ist der «Dinosaurier» unter den zehn langjährigen Gemeindeoberhäuptern, die im Frühjahr nicht mehr antreten, wie er selbst lachend einräumt: Seit 20 Jahren präsidiert der Freisinnige die Gemeinde Nürensdorf. «Man kann nicht mitten im Wettkampf aufhören», sagt der 69-Jährige zur langen Amtszeit, während der ihm zufolge die Betroffenheitsdemokratie zunahm und Dauerthemen wie die ungeliebten Ostanflüge und die amphibienbewanderte Eigentalstrasse auf der Agenda standen. «Gelassen bleiben und zu sich stehen», so sein Rezept. Seit 17 Jahren ist Jürg Spiller (2) Gemeindepräsident von Seuzach. In dieser Zeit führte der Freisinnige seine Gemeinde an die Spitze der Steuerhitliste der Region (Gesamtsteuerfuss 84 Prozent) und durch ein intensiv gefeiertes Jubiläumsjahr. «Wir überlegen bei jeder Ausgabe, ob sie nötig ist», lautet ein Rezept des 67-Jährigen, der überdies auf die gut funktionierenden Strukturen seiner Gemeinde stolz ist. In Seuzach werde nicht nur geschlafen, sondern auch gelebt, eingekauft und gearbeitet, hebt er gerne hervor. Sein grosses Ärgernis: der Autobahnlärm. Stephan Dové (3) ist seit 16 Jahren Gemeindepräsident von Laufen-Uhwiesen. Dass seine Gemeinde von Einwohnern auch schon als «Wohlfühldorf» bezeichnet wurde, gefällt dem 65-Jährigen. Als Errungenschaften sieht der Parteilose unter anderem die Einführung von Tempo 30 und Lärmschutzwände bei der sanierten Miniautobahn. Mit Genugtuung erfüllt ihn, dass seine Behörde während seiner Amtszeit noch keinen Rekurs verloren hat, wie er sagt. Gerhard Gsponer (4) amtet seit 16 Jahren als Gemeindepräsident von Rhein­au. «Ich hatte in dieser Zeit sehr oft mit dem Kanton zu tun, der rund 50 Prozent des Landes in unserer Gemeinde besitzt und seine Infrastrukturaufgaben bereinigen wollte», sagt der 60-Jährige. Nachfolgelösungen mussten erarbeitet werden. Ein grosses Thema diesbezüglich war der Kampf ums totgesagte und nun durch private In­itia­ti­ve wieder auferstandene Hallenbad Rhein­au. «Unsere Aufgabe war es, das Problem zu benennen und Druck durch ein Ultimatum aufzubauen.» Das Rezept des Freisinnigen: «Mit Ruhe an die Themen herangehen.» Dieter Lang (5) ist seit 12 Jahren Gemeindepräsident von Hofstetten. «Obwohl man im Staat Zürich von Gemeindeseite her wenig Grosses bewegen kann, waren die kleinen Schritte vor Ort und das gute Klima wesentliche Genugtuung», sagt der parteilose 66-Jährige, der sich auf sein «selbstbestimmtes Leben als Rentner» freut. Sein Rezept: mit Kreativität trotz knapper finanzieller Mittel zum Wohl der gesamten Bevölkerung beitragen. Sein Fazit: «Als Gemeindepräsident steht man vorne hin und zieht dadurch seit jeher vieles auf sich, ob positiv oder negativ.» Seit 12 Jahren führt auch Martin Graf (6) die Gemeinde Brütten. «Die erste Amtsdauer benötigt man zur Einarbeitung, in der zweiten kommt das Gelernte zum Tragen und die dritte macht erst richtig Spass», sagt der 68-Jährige, der zuvor schon 12 Jahre Gemeinderat war. Der Präsident bewege nicht mehr als ein Gemeinderat, ist der Parteilose überzeugt, unter dessen Ägide die Buslinie 662 nach Effretikon eingeführt wurde. Sein Rezept: «Nichts persönlich nehmen.» Seit 2002 ist Verena Strasser (7) Gemeindepräsidentin von Benken, wo sie schon von 1981 bis 1994 im Gemeinderat sass. «Die Bürokratie wurde nicht kleiner, die Probleme komplexer», sagt die 64-Jährige, die sich in das anspruchsvolle Thema der Endlagerung radioaktiver Abfälle einarbeiten musste, da Benken als möglicher Standort für eine Oberflächenanlage bezeichnet ist. Ihr Rezept: «Mit vernünftigem Menschenverstand entscheiden und auf gute Teamarbeit achten.» Das Gemeindepräsidium während zwei bis drei Amtsperioden auszuüben, findet auch sie eine gute Lösung. «Zum Einleben braucht es eine gewisse Zeit.» Die dritte Amtsperiode als Gemeindepräsidentin von Sternenberg wird auch ihre letzte sein: Seit 1994 sitzt Sabine Sieber (8) zudem im Gemeinderat. «20 Jahre sind genug», sagt die 54-Jährige, die als letzte Gemeindepräsidentin von Sternenberg in die Geschichte eingehen wird, da Sternenberg 2015 mit Bauma fusioniert. «Eigentlich ist das Gemeindepräsidium der schönste politische Job, den man haben kann», ist die Sozialdemokratin, die auch im Kantonsrat sitzt, überzeugt. Seit 1994 ist auch Sonia Steiger (9) im Gemeinderat von Dättlikon, den die 56-Jährige seit 2002 präsidiert. Die Behördentätigkeit empfindet die gebürtige Churerin als «wertvolle und unvergessliche Erfahrung», wie sie in einem Interview sagte. In ihrer Amtszeit ist die 750-Seelen-Gemeinde enorm gewachsen. «12 Jahre sind genug», meinte vor nicht allzu langer Zeit auch Jolanda Derrer (10), Gemeindepräsidentin von Truttikon, in einem Interview im «Winterthurer Stadtanzeiger». Sie sei nicht der Typ «Alleinherrscher», sondern habe vieles an die Kollegen delegiert und deren Kompetenz geachtet.

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