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Zinmans Letzte

Mit der Neunten von Beethoven hat er seine Arbeit begonnen. Nun verabschiedete sich David Zinman von Zürich mit der Fünften.

Die Ära Zinman neigt sich ihrem Ende zu. Nach den Festspielkonzerten nimmt das erfolgreiche Führungstrio mit dem Intendanten Elmar Weingarten und dem Präsidenten Peter Stüber den Hut. Am Mittwoch dirigierte Zinman das letzte Konzert seines abschliessenden Beethoven-Zyklus, die gefeierte Solistin im Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur op. 19 war Maria João Pires.

Fast zwei Jahrzehnte ist es her, seit David Zinman seine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Tonhalle Orchester Zürich mit der Neunten von Beethoven einläutete. Es war das 100-Jahr-Jubiläum der «neuen» Tonhalle, und die Aufführung war wegen der schnellen Originaltempi so ziemlich verhaspelt und alles andere als feierlich.

Doch damit war Zinmans Beethoven-Verständnis lanciert, im gemeinsamen Erarbeiten aller Beethoven-Sinfonien wurde einerseits technische und musikalische Erziehungsarbeit geleistet, andererseits eine Gesamtedition vorbereitet, die zum Verkaufsschlager und zur längst fälligen CD-Visitenkarte des Tonhalle-Orchesters wurde.

«The crazy Beethoven»

Diese reiche Erfahrung und vertiefte Auseinandersetzung mit «the crazy Beethoven» (Zinman) konnte man in diesem Zyklus der Festspiele in geballter Ladung nochmals erleben. Im Zentrum der Konzerte standen die fünf Klavierkonzerte Beethovens, Weltklasse-Pianisten wie Radu Lupu, András Schiff, Mitsuko Uchida, Christian Zacharias und Maria João Pires verliehen dem Zyklus einen besonderen Glanz.

Im Schlusskonzert wurde das wenig spektakuläre Klavierkonzert Nr. 2 gegeben, eingerahmt von der Sinfonie Nr. 8 und der Fünften in c-Moll. Maria João Pires trug dem eher lyrischen Grundton des B-Dur Konzerts in mannigfaltiger Hinsicht Rechnung: im Kopfsatz überraschte sie mit einer quirligen und fantasievollen Kadenz, brillant und kernig im Anschlag, agogisch subtil aufgebaut, ein geistreiches Trillerspiel. Und dann das Adagio: Mit schwebendem Pedal verlieh sie den ruhigen Legato-Phrasen eine geheimnisvolle Aura, ihre unerhörte Anschlagskultur differenzierte jeden Ton, man war hin und weg. Der Applaus wollte kein Ende nehmen, sie bedankte sich dafür mit einer poetisch verspielten Dreingabe.

Neckische Lust

Die das Konzert eröffnende Sinfonie Nr. 8 zollt im Allegretto scherzando dem Metronom-Erfinder Mälzel ihren Tribut. Die regelmässigen Sechzehntel wirken wie ein Perpetuum mobile, Zinman präsentiere es mit neckischer Lust. Stark gefordert wurden hier die Bläser, die im Vivace-Schlusssatz eine erstaunliche Agilität an den Tag legten. Die Fünfte ist mit ihrem «klopfenden» Schicksalsmotiv und der monothematischen Arbeit eine enorme Herausforderung. Auch wenn man kein Freund von Zinmans (über-)schnellen Tempi und des von ihm angestrebten «entschlackten» Tons ist, der herbe Blechklang, die forsche Gangart und die sagenhaft virtuos agierenden Bassisten packten die Zuhörer. Thank you David! Sibylle Ehrismann

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