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Zu Gast bei mildtätigen Freunden

Mit der Gesellschaftskomödie «Venedig im Schnee» tritt das Central- Theaterensemble in Neuhausen erstmals auf die Bühne.

Regisseur und Schauspieler Ruedi Widtmann hat nach eigenen Angaben rund 600 Manuskripte in seiner Stücke-Bibliothek. Wenn er aber etwas Geeignetes sucht für eine nächste Aufführung, finde er zu Hause doch nie etwas Passendes. «Venedig im Schnee» lernte Widtmann als Theaterbesucher in Heidelberg kennen; dort weilte er mit Bühnenkollege Ruedi Meyer vom R+R-Theater anlässlich einer eigenen Theatertournee. Die beiden standen bislang jeweils zu zweit auf der Bühne, nun bringen sie ihre nächste Produktion unter dem Label «Central-Ensemble» mit insgesamt vier Darstellerinnen und Darstellern im gleichnamigen Theater in Neuhausen zur Aufführung. In diesem Rahmen ist fortan rund eine Produktion pro Jahr geplant.

Zerstritten zu Gast

«Venedig im Schnee» stammt vom jungen französischen Autor Gilles Dyrek. Das Stück geht von einer Si­tua­tion aus, die man vielleicht auch schon erlebt hat: Als Paar hat man noch nicht fertig gestritten, ehe die Einladung bei Freunden schon begonnen hat – natürlich ist man ausgerechnet beim Pärchen mit der harmonischsten Beziehung im gesamten Freundeskreises eingeladen. Nach einem Krach mit Partner Chris­tophe (Uwe Heinemann) kommt der stolzen und temperamentvollen Patricia (Selina Fischer), zu Besuch bei Christophes langjährigen Freunden, zunächst kein Ton über die Lippen. Die stets gut gelaunten Gastgeber Jean-Luc (Ruedi Meyer) und Nathalie (Barbara Jaquet) bringt das aber nicht gleich aus dem Konzept: Die neue Gefährtin des alten Hausfreundes ist wohl Ausländerin und schweigt aus sprachlicher Not.

Darin liegt Patricias Chance, ihre Laune wieder ins Lot zu bringen: Sie beginnt mit diabolischer Freude, in einer slawisch klingenden Sprache des fiktiven Landes Chouvenien zu reden, und weil Jean-Luc und Nathalie die Nettigkeit schlechthin verkörpern, kann sie nichts vom vermeintlichen Verstehen abhalten.

Satirischer Unterton

Was zunächst ganz nach einem klassischen Lustspiel klingt, hat einen deutlich satirischen Unterton. Man muss im Stück nicht gleich die postmoderne Umkrempelung von «Andorra» sehen, wenn sich darin auch zeigt, dass zu viel – positive – Spekulation eine beträchtliche Eigendynamik entwickeln kann. Entlarvt wird jedenfalls, dass wohlmeinende Mildtätigkeit manchmal in der Überheblichkeit gipfelt, was in höchst vergnüglicher Weise geschieht.

www.kinotheatercentral.ch

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