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Zu Gast beim Fürsterzbischof

Mozartkugeln und Festspiele sind noch immer ­feste Bestandteile Salzburgs. Doch seit diesem Jahr macht eine beispiellose Neuausrichtung der Museumswelt von sich reden.

Fünfzehn Kinder hatte der Fürsterzbischof mit seiner Lebens­gefährtin Simone Alt, aus der er trotz des kirchlich vorgeschrie­benen Zölibats kein Geheimnis machte und ihr nach der Geburt des zehnten Kindes sogar eine Sommerresidenz errichten liess – den Vorgängerbau des Barockschlosses Mirabell. So üppig und übersteigert wie der Barockstil hört sich auch sein Wirken an: Wolf Dietrich, der 1587 zum weltlichen und kirchlichen Herrscher Salzburgs ernannt wurde, ordnete gleich den Abbruch von 55 Bürgerhäusern und des Doms im Umfeld seiner Residenz an, um auf dem freien Raum das zu schaffen, was als «Barockstadt Salzburg» heute weltweit berühmt ist. Weit kam er freilich nicht: Er liess sich in einen Konflikt mit Bayern verwickeln, wurde gefangen genommen und in der Festung Hohensalzburg eingekerkert. Öffnung des Domquartiers Wolf Dietrichs Neffe und Nachfolger, Markus Sittikus, liess es zu, dass er im Januar 1617 in seinem ungeheizten Verlies starb. Sittikus leitete aber auch den Bau des neuen Doms ein – zwar nur halb so gross wie der von Wolf Dietrich geplante, aber immer noch der monumentalste Frühbarockbau nördlich der Alpen. Seine Nachfolger setzten die Bautätigkeit fort; seither nehmen die mittelalterlichen Kirchen nur noch eine Nebenrolle im Stadtbild ein. Immerhin aber blieben sie eingebunden im Gesamtensemble. Unter Fürsterzbischof Guidobald Graf von Thun (1654–1668) entstand ein Rundgang unter Einbezug der zentralen Gebäude rund um den Domplatz, der bis zur Auflösung des Fürsterzbistums Salzburg 1803 den Herrschern und ihren Gästen den Prunk der Anlage präsentierte. Danach ging diese Einheit verloren – bis sie im Mai dieses Jahres wiederhergestellt wurde: Nun werden den Besuchern unter dem Label «Domquartier Salzburg» auf 15 000 Quadratmetern rund 2000 Exponate aus 1300 Jahren gezeigt. Rundgang durch die Zeiten Der abwechslungsreiche Rundgang beginnt in den Prunkräumen der Residenz der Fürsterzbischöfe und führt über die Residenzgalerie mit Gemälden aus dem 16. bis 19. Jahrhundert zur Dombogenterrasse hoch über den beiden zentralen Plätzen der Stadt. Von dort gelangt man ins Nordoratorium des Doms, auf die Orgelempore und in das Dommuseum. Es folgen Kunstkammer, Lange Galerie und das Museum St. Peter, wo erstmals die Schätze der Erzabtei ausgestellt sind. Das älteste durchgehend bestehende Kloster im deutschen Sprachraum wurde 696 gegründet. Sein Einbezug in den Rundgang wertet das Mittelalter wieder auf, ebenso jener der Franziskanerkirche, in deren Chor man blickt, bevor die Museumstour im Carabinieri-Saal der Residenz endet. Einen guten Überblick auf das Ensemble im Domquartier und seine Einbettung in die Altstadt, in der die 1707 eingeweihte barocke Kollegienkirche den monumentalen Gegenpool zum Dom bildet, gewinnt man vom Mönchsberg aus. Dreht man sich um, lädt das Museum der Moderne zum Besuch. 2004 wurde dieses einzigartige Gebäude errichtet, dessen Fassade rhythmisiert gesetzte Schlitze aufweist, die Arien aus Mozarts Oper «Don Giovanni» wiedergeben. Es beheimatet auf 2300 Quadratmetern die Österreichische Fotogalerie sowie Ausstellungen von Kunst im 20. und 21. Jahrhundert. Walk of Modern Art Barock und Moderne sind dennoch nicht getrennt in Mozarts Geburtsstadt. Dafür sorgt vor allem der Walk of Modern Art: Er besteht aus zwölf Stationen inner- und ausserhalb der Altstadt, die von eben so vielen international angesehenen Künstlern ab 2002 mit einem Objekt ausgestattet worden sind. Gemeinsamer Ausgangspunkt ist die Auseinandersetzung mit der Unesco-Weltkulturerbestadt Salzburg. Nicht alle Ergebnisse fanden ungeteilte Freude: Gut beachtet ist etwa die Männerfigur des Bildhauers Stephan Balkenhol auf einer riesigen Goldkugel gleich neben dem Dom; ihr Pendant ist die «Frau im Fels», versteckt in einer Wand­nische unweit davon. Zu reden gab demgegenüber Markus Lüpertz’ Mozart – eine Bronzefigur in Form eines nackten weiblichen Torsos, dessen Büste der Zopf des Komponisten aufgesetzt ist.

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