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Zu wenig Plätze: Velolobby schlägt Alarm

Der Umbau des Bahnhofplatzes werde zu keiner Parkplatznot für Velos führen, versprach der Stadtrat. An der Rudolfstrasse sei dieses Ziel verfehlt worden, meint Pro Velo und fordert ein Opfer von den Autofahrern. Die Polizei entgegnet, gute Plätze seien halt begehrt.

«So etwas darf es doch nicht geben», sagt Kurt Egli und zeigt auf ein Foto, das er an der Rudolfstrasse aufgenommen hat. Dar­auf ist eine Frau zu sehen, die ihr Velo aus einem Geflecht von Drahteseln zu befreien versucht. Bremskabel und Lenker haben sich verfangen. Jeden Tag sehe man solche Szenen, sagt der Geschäftsführer von Pro Velo Winterthur. Ihm zufolge fehlen auf der Westseite des Hauptbahnhofs weit über hundert Veloparkplätze. Das Verkehrsregime an der Rudolfstrasse wurde wegen des Umbaus des Busbahnhofs auf der anderen Seite der Geleise kürzlich stark verändert. Um eine Busspur signalisieren zu können, wurde eine Autospur aufgehoben. Bei der Bushaltestelle wurden Veloplätze aufgehoben, damit die Passagiere ungehindert ein- und aussteigen können. Zwar wurden die Ausfälle durch neue Veloständer an der Rudolf- und der Wartstrasse kompensiert, doch nicht in genügendem Ausmass, wie Egli findet. Um dem Problem Herr zu werden, müssten zumindest in der Umbauzeit einige der Autoparkplätze an der vorderen Wartstrasse in Veloplätze umgewandelt werden, fordert Pro Velo. Geht es nach dem Verband, weichen sechs Parkfelder im Norden und drei im Süden der Strasse hundert zusätzlichen Veloplätzen. Es sei unverständlich, dass es hier Auto­plätze mit einer Parkdauer von bis zu zwei Stunden gibt, findet Egli. So lange kaufe niemand in den ansässigen Geschäften ein, dar­um könnten die Autos gut im Bahnhofparkhaus abgestellt werden. Weiter fordert Egli, dass die Polizei die 48-Stunden-Parkierlimite, die für viele der Velo­plätze gilt, durchsetzt. Wer sein Velo mehrere Tage am Bahnhof abstellen will, solle die Velostation benutzen. «Die meisten finden einen Platz» Beim Gewerbe an der Wartstrasse dürfte die Forderung der Velolobby nicht auf offene Ohren stossen, denn nahe gelegene Parkplätze sind gut fürs Geschäft. Auch bei der Stadtpolizei ist man skeptisch. Die Lage sei keineswegs so dramatisch wie von Pro Velo dargestellt, sagt der zuständige stellvertretende Abteilungsleiter, Kasimir Bischoff. In der Regel finde der grösste Teil der Velofahrer am Morgen einen Platz. Die Nachfrage sei je nach Jahreszeit unterschiedlich, der Andrang im Sommer am grössten. Man müsse auch bedenken, dass es sich um sehr gute Abstellplätze handle – unmittelbar am Bahnhof und kostenlos. «Der gute Platz ist natürlich begrenzt.» Gegen die Darstellung, dass die Polizei wenig gegen Falschparkierer unternehme, verwehrt sich Bischoff: «Wir kontrollieren die Velos mehrmals wöchentlich.» Fahrräder, die zu lange an einem Ort oder ausserhalb der Markierungen abgestellt werden, würden abtransportiert. Die Autolobby fordert «Realersatz»: Er sei durchaus auch für mehr Veloplätze, sagt Agil-Mobil-Vorstandsmitglied Daniel Oswald. Würden an der vorderen Wartstrasse Autoparkplätze aufgehoben, müssten diese aber in der näheren Umgebung ersetzt werden. Ob die Parkplatzbenützer die lokalen Geschäfte besuchen würden oder nicht, sei nicht relevant. «Die Autofahrer haben schon genug Opfer gebracht.» Anlage beim Pavillon unnötig Würden die Autoparkplätze durch Velo­plätze ersetzt, geschähe dies nicht zum ersten Mal. Vor Kurzem wurden bereits vor dem Restaurant Cotton Corner an der Museumstrasse, also auf der anderen Seite des Bahnhofs, einige Parkfelder umgewandelt. Auf der Altstadtseite seien momentan ausreichend Abstellplätze vorhanden, konstatiert Pro Velo. Für die geplanten zusätzlichen Plätze im Stadtgarten gebe es derzeit keinen Bedarf. In einer Interpellationsantwort hat der Stadtrat unlängst in Aussicht gestellt, neben dem Musikpavillon eine neue Velo­anlage mit 100 Plätzen zu erstellen.

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