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Zum Skifahren vor die Haustüre oder ins Nachbardorf

Schon lange nicht mehr waren die Wintersportbedingungen im Mittelland so gut wie in diesem Jahr. Der «Landbote» hat vier Pisten im Tösstal getestet.

Am Skilift «Schafbüel» trifft sich das Dorf

WILDBERG: Der Skilift Schafbüel in Wildberg ist besonders bei Müttern und Vätern beliebt - auch wenn diese oft gar nicht auf die Bretter steigen. Die Kinder greifen in Wildberg zum Teller, die Eltern zum Glas, lässt sich etwas überspitzt feststellen. Während die Knirpse mit ihren Freunden den Tellerlift nehmen, immer und immer wieder, halten ihre Eltern am Fusse der Piste die Stellung, mit einen Schwatz und einem Glas Glühwein. Den gibt es am Kiosk. Und am Wochenende sind auch eine Wurst vom Grill oder eine Suppe zu haben. «Der Skilift Schafbüel ist zu einem richtigen Treffpunkt geworden», sagt Irene Christinger, deren Familie den Betrieb zusammen mit der Familie Zukirchen und vielen freiwilligen Helfern organisiert. «Auf dem Sonntagsspaziergang machen viele hier Halt. Es hat ja sonst keine Beiz, die dann offen wäre.»

Geteilter Teller, halbe Kosten

Der Wilberger Skilift ist ein Herzblutprojekt. Möglich sei er nur dank Sponsoren aus dem Dorf und aus der Region, sagt Christinger. Auch viel guter Wille ist im Spiel. «Für heute haben sich eigentlich zwei Helfer angemeldet, und jetzt sind spontan noch drei weitere dazu gestossen, die mit anpacken.» Sie sei froh, erfahrene Helfer zu haben, die wissen, wie der Betrieb läuft. Dann müsse sie nicht alles immer wieder neu erklären. Zum Beispiel wird in Wildberg den Kindern der Teller am Lift gereicht – so gibt es weniger Tränen.Der Aufwand ist nicht vergebens. «Der Lift ist eine Sensation, wirklich», sagt Judith Steiner aus Rämismühle, die ihren vierjährigen Sohn Elen heute zum ersten Mal auf die Skier gestellt hat. «Ich dachte mir, warum soll ich ihm nicht gleich selber das Skifahren beibringen, wenn ich es ja auch kann.» Die Bedingungen seien im Moment perfekt. Der Hang fällt nur leicht ab, da braucht es tiefe Temperaturen, damit es gut läuft. Den Wildberger Lift findet Steiner besonders familienfreundlich, auch weil man mit dem Kind zu zweit einen Teller nehmen könne und dann nur ein Ticket bezahle.Am Tag unseres Besuches sind zwei Snowboarder am Hang unterwegs – der Tellerlift taugt also auch für sie. Und der Vater der zehnjährigen Noree, die mit ihrer Familie aus Seen angereist ist, versucht unter den Augen seiner Tochter oben am Hang sogar, ob der Wind zum Snowkiten reicht.

Viel besser als 2014

Am Mittwoch lief der Skilift Schafbüel bereits zum 14. Mal in dieser Saison. Im letzten Winter war er nur oder immerhin sechs Tage in Betrieb. «Da die Kinder nicht viel Schnee herumschieben, reicht uns bereits eine dünne Decke.» Und natürlich müsse es genug kalt sein. Die Zukunftsvisionen der Skilift-Betreiber sind klar: «Unsere Ambition ist, dass einmal ein Weltcup-Skifahrer seine ersten Schwünge auf der Schafbüelpiste macht», sagt Christinger.Der Skilift «Schafbüel» in Zahlen.

«Dicki» musste erst gerettet werden

WEISSLINGEN: Als nach Weihnachten endlich der erste Schnee fiel, stieg prompt der Skiliftmotor aus – so viel Pech liessen sich die Weisslinger aber nicht gefallen.Auch noch kurz vor Betriebsschluss am späten Nachmittag ist viel los auf der Piste in Weisslingen. Dass in diesem Winter noch ein so fröhlicher Skibetrieb herrschen würde, daran hatten die Betreiber des Liftes, den die Einheimischen nur «Dicki» nennen, schon fast nicht mehr geglaubt. Denn zum Saisonbeginn war der schlimmste mögliche Fall eingetreten: Als kurz vor der Jahreswende endlich dicke Flocken vom Himmel fielen, quittierte der Skiliftmotor den Dienst. Dabei hatte er im Testlauf noch reibungslos funktioniert. Es war eine bittere Pille für die Weisslinger Claudia und Samuel Nägeli, Fredi Götz und Karl Frei. Das Quartett hatte den Lift in der letzten Saison auf- und wieder abgebaut, ohne ihn einmal laufen lassen zu können. Nun war der Schnee endlich da und dann das.Doch nachdem die das Wochenblatt regio.ch über die Misere berichtet hatte, ging ein Ruck durchs Dorf und eine Sympathielawine rollte an. «Wir waren überwältigt», sagt Claudia Nägeli. Noch während der Motor in Reparatur war, kamen Eltern und Kinder, um zu «träppelen»: Sie präparierten die Piste mit ihren Skiern. Ein Weisslinger stellte an der Talstation ein Kässeli und legte seine Spende hinein. Und auch die Politik wurde aktiv: Der Gemeinderat sponserte den Betreibern ein ToiToi-WC für die Besucher.Die Reparaturkosten von 4000 Franken seien zwar noch nicht gedeckt, sagt Nägeli. Doch der gute Schnee und der Rückhalt im Dorf stimmen sie optimistisch. Am Mittwoch war der Lift schon zum zehnten Mal in dieser Saison am Rotieren. «Wenn wir ihn noch zwei, drei Wochen laufen lassen können, sieht unsere Kasse wieder besser aus.» Am wichtigsten sei ihr aber, dass die Kinder Skifahren können.

Aussteigen erlaubt

Der Nachwuchs der Gemeinde trippelt beim Anstehen am Fenster vorbei, wo Nägeli die Billette abstempelt oder ab und an ein «Vogelnestli» verkauft. «Hoi Claudia», tönt es dann. «Ich bin schon wieder unten!» Die Anfänger unter ihnen – die kleinste ist drei Jahre alt und fährt zum zweiten Mal – steigen in der Mitte des Liftes aus. Das ist in Weisslingen erlaubt, denn im oberen Teil ist der Hang steil. David (16) und Isaiah (12) aus Winterthur sind zwar noch längst keine «Profis», wie sie sagen, aber sie fahren bis ganz oben an die Waldgrenze. Beide gehen regelmässig in die Skiferien. Den Lift in Weisslingen finden sie klasse. «So kommen wir häufiger zum Fahren.»Bleibt für Auswärtige noch die Frage, wie der wiedergenesene Weisslinger Skilift zu seinem Spitznamen «Dicki» kommt. Es sei ein Flurname, sagt Claudia Nägeli. Das Waldstück oben am Lift heisse ebenfalls so.Der Skilift «Dicki» in Zahlen.

Am «Godilift» unterrichten die jüngsten Skilehrer weit und breit

SITZBERG: Am «Godilift» fällt zuerst der liebevoll bemalte rote «Suppenwagen» mit Schweizerkreuzen auf. Dahinter fällt der Hang steil ab und öffnet den Blick auf eine Lernlandschaft.In Sitzberg reibt man sich verwundert die Augen: Die Kinder «flitzen» hier selbstständig den Skihang hinunter und lassen sich vom Ponylift wieder hochschleppen. Keine Aufsichtsperson weit und breit. Niemand, der ihnen die Bügel reicht, obwohl diese recht zügig aus der Kurve schiessen und der Lift auch später ziemlich Zug aufbaut. «Es ist schon manchmal etwas streng hier, aber es geht», sagt der sechsjährige Silas aus Schmidrüthi. Und: Das Skifahren habe er sich selbst beigebracht.Ganz ohne Unterstützung funktioniert das Skitreiben am Hang aber doch nicht. Als Coaches für jene, die Hilfe brauchen, sind die Sechstklässler im Einsatz. «Sie bringen den Erstklässlern das Skifahren bei», sagt Andrea Steiger, die im roten Wagen mit Schweizerkreuzen den Kiosk und die Billettkasse bedient. «Dieses Mädchen dort fährt erst zum dritten Mal», sagt sie und deutet auf ein Kind, das gerade den Bügel abgibt und schnurstracks wieder hinunterbraust.Vor allem Mütter und Senioren wechseln sich im freiwilligen Dienst an Kiosk und Kasse ab, sagt Steiger. Die Finanzierung des Liftbetriebes sei schwierig. Zum Glück stelle der Bauer sein Land gratis zur Verfügung.«Mir gefällt es, hier im Tiefschnee zu fahren, und möglichst schnell», sagt der achtjährige Severin. «Es ist einfach super, dass wir so nah von zu Hause Skifahren können.» Auch er geniesst die Freiheiten eines unbeaufsichtigten Skinachmittags. Er komme jeweils mit seiner Schwester für den Nachmittag zum Skihang, sagt er. Um 16.30 Uhr, wenn der Lift abgestellt wird, holen sie die Eltern wieder ab.Der «Godilift» in Zahlen.

Kein Dichtestress in Sternenberg

STERNENBERG: Am Skilift Rietwies hat man die Piste für sich alleine – aber nur bis die «Schanzenbauer» eintreffen.Als um halb zwei die Sirenen probehalber losheulen, düst Pascal zum dritten Mal den noch leeren Hang hinunter. «Meine Kollegen kommen bestimmt bald», sagt der Zwölfjährige. Sein Vater hatte ihn vom Tobel, wo sie wohnen, zeitig zum Skilift gebracht. Tatsächlich sind nur zehn Minuten später vier weitere Skifahrer im Anmarsch, die oben am Lift beim Skibeizli erst einmal ein Ticket kaufen.Die Kasse und den Kiosk betreut an diesem Tag Silvia Feller, die Frau des Bauers, auf dessen Land der Skilift steht. «Er kümmert sich um alles Technische, das Pistenfahrzeug und den Lift. Hier oben im Beizli wechseln sich ein paar Mütter ab mit der Betreuung», sagt Feller. Ausser beim Nachtskifahren, das jeweils am Freitag stattfindet. Dann seien die Väter an der Reihe.Auf der Piste machen sich die Kinder einen Spass daraus, möglichst weit und wild über eine selbst gebaute, steile Schanze zu springen. Lara (14), die Älteste auf der Piste, gibt sich etwas verhalten. «Ich komme an freien Nachmittagen hierher zum Ski fahren. Wenn ich mehr Zeit habe, gehe ich in die Flumserberge.» Dann fährt sie wieder los – und erreicht die Talsohle des Tellerliftes in weniger als dreissig Sekunden.Der Skilift Rietwies in Zahlen.

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