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Zur Kündigung führte wohl ein anderer Grund

Die Kündigung traf den jungen Mann «wie ein Blitz aus heiterem Himmel». Er wandte sich ans Gericht – das den blauen Brief nun prompt als missbräuchlich beurteilt hat.

Nachdem K. im August des letzten Jahres nach drei Wochen Ferien heimgekehrt war, fand er einen eingeschriebenen Brief vor: Sein Arbeitgeber hatte ihm die Kündigung per Ende Oktober zugestellt. Im Schreiben war auch ein Grund angegeben: «Wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Firma und der deswegen nötig werdenden Umstrukturierungen.»

K. verstand die Welt nicht mehr. Immerhin war er schon über fünf Jahre in der Firma tätig, und seine Vorgesetzten hatten nie irgendwelche Kritik geäussert. Auch hatten ihn seine Arbeitskollegen kurz zuvor in die Personalkommission gewählt. So wandte sich K. an seine Rechtsschutzversicherung. Diese prüfte die Geschichte, beurteilte die Kündigung als missbräuchlich und ermunterte schliesslich den jungen Mann, arbeitsrechtlich Einsprache zu erheben und eine Genugtuung von 17 500 Franken – entsprechend fünf Monatslöhnen – einzufordern.

In der Folge trafen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu einer Sühneverhandlung beim Friedensrichter – die aber erfolglos verlief. So hatte sich nun das Bezirksgericht Andelfingen mit dem Fall zu befassen.

In der kürzlich durchgeführten Verhandlung schilderte der Anwalt der beklagten Firma, wie deren Umsatz nach vier Jahren stürmischer Entwicklung Anfang 2012 um 30 Prozent eingebrochen sei. Deshalb habe sie zehn Stellen abbauen müssen. Überstunden habe niemand mehr geleistet, man habe auf Vorrat produziert. Im Übrigen habe sich K. «nicht durch grossen Arbeitseifer ausgezeichnet», sich seinen direkten Vorgesetzten ge­gen­über eher de- spektierlich verhalten und sich zum Beispiel geweigert, auch im Reinigungsdienst mitzuwirken.

Ohne vorgängiges Gespräch

Für den Richter war klar: Die vorgebrachten wirtschaftlichen Gründe sind nicht plausibel – denn die Firma hatte sich schon Mitte Jahr wieder erholt: «Schwankungen im Umsatz sind in der freien Wirtschaft normal, sie gehören zum unternehmerischen Risiko.» Zur Kündigung habe wohl vor allem das aufmüpfige Verhalten des jungen Mannes am Arbeitsplatz geführt, mutmasste der Richter. «Aber da wäre es zwingend gewesen, mit ihm dar­über zu sprechen und ihn allenfalls zuerst einmal zu verwarnen.» Um sich nicht noch höhere Verfahrenskosten einzuhandeln, einigten sich die Parteien auf die Hälfte der ursprünglichen Forderung. (lü)

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