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Zurück in den Kindergarten

Das Zürcher Stimmvolk hat einen Schlussstrich unter die Versuche mit einer Grundstufe gezogen. Bildungsdirektorin Regine Aeppli will aber deswegen nicht ganz auf Neuerungen verzichten.

Spätestens ab Sommer 2014 gibt es im Kanton Zürich nur noch ein Modell, nach dem Kinder im Vorschulalter betreut werden. Dasjenige, das den meisten bestens vertraut ist: den Kindergarten. Die Zeit der Experimente ist vorbei – auf diesen kleinsten Nenner lässt sich das gestrige Abstimmungsresultat reduzieren. Die Zürcher haben dem Modell der Grundstufe, deren flächendeckende Einführung die Prima-Initiative forderte, eine eindeutige Absage erteilt. Mit einem Nein-Stimmen-Anteil von fast 55 Prozent haben sie sogar den Kompromissvorschlag des Kantonsrats verworfen, der es den Gemeinden überlassen wollte, dar­auf zu setzen oder nicht. Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP), eine Befürworterin der Grundstufe, zeigte sich dar­über vor den Medien enttäuscht. «Es tut mir leid für all jene, die sich mit viel Engagement für die Neuerungen eingesetzt haben», sagte sie. Das Resultat sei aber auch als ein Ja zum Kindergarten zu werten. Ähnlich sahen es jene Kindergärtnerinnen, welche die Grundstufe bekämpft hatten – unterstützt lediglich von SVP, GLP, EVP und EDU. Ein zehnjähriger Irrweg Für die Zürcher Schulreformer hat sich das gestrige Datum dagegen endgültig als böses Omen erwiesen. Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren war bereits das Volksschulgesetz von Aepplis Vorgänger Ernst Buschor (CVP) an der Urne gescheitert, das die Grundstufe im Kanton Zürich einführen wollte. Dort hätten Kinder im Vorschulalter während zwei bis vier Jahren spielen oder – je nach Bedürfnis – auch schon früh lesen, schreiben und rechnen lernen sollen. Dem Wirtschaftswissenschafter Buschor wurde damals vorgeworfen, die Kinder auf Leistung trimmen und den Kindergarten verschulen zu wollen. Nach der verlorenen Abstimmung versuchten die Verantwort- lichen die Grundstufe zu retten. Sie interpretierten den Volkswillen so, dass das neue Modell erst einmal erprobt werden müsse – was in den letzten acht Jahren in zuletzt 27 Gemeinden und Schulkreisen geschah. Unter diese Versuche hat die gestrige Abstimmung einen definitiven Schlussstrich gezogen. Die Gegner der Grundstufe hatten mit Erfolg davor gewarnt, dass die Abschaffung des Kindergartens auf dem Spiel stehe und dass Kinder bald nicht mehr Kinder sein dürften. Falsches Bild der Grundstufe? Aeppli liess gestern keinen Zweifel daran, dass eine weitere Verlängerung der Grundstufenversuche ausgeschlossen ist. Die Gemeinden, die mitgemacht hätten, müssten spätestens aufs Schuljahr 2014/2015 hin zurück zum Kindergarten wechseln. Sie könnten dies bei Bedarf auch schon früher tun. Zwei Grundstufenlehrerinnen aus Elsau, die das Ende ihres Arbeitsplatzes live miterlebten, zeigten sich entsetzt und enttäuscht über das Abstimmungsergebnis: Dieses sei mit emotional aufgeladenen Aussagen manipuliert worden. Während sich die Mehrheit der Bevölkerung unter einem Kindergarten etwas habe vorstellen können, sei von der Grundstufe ein völlig falsches Bild gezeichnet worden. «Es war nicht so, dass 4-jährige Kinder bei uns schon lesen lernen mussten», sagte Kathrin Biehler. «Es war eher umgekehrt: Der Kindergarten dauerte bei uns für manche ein Jahr länger.» Kindergarten hat profitiert Für Lilo Lätzsch, Präsidentin des Lehrerinnen- und Lehrerverbands, bleibt nach dem gestrigen Entscheid das Problem des Schulübertritts bestehen. «Wir müssen weiter nach Lösungen suchen.» Bildungsdirektorin Aeppli nahm diesen Auftrag an. Durch das Resultat sieht sie die Volksschule nicht auf Feld eins zurückgeworfen wie manche in der ersten Enttäuschung. Der Kindergarten habe sich unter dem Einfluss der Grundstufenversuche weiterentwickelt, sagte Aeppli, das sei erfreulich sei. Inhaltliche Neuerungen seien auch ohne Strukturreformen möglich, das habe sich an der Oberstufe gezeigt.

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