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Zuversicht dank Hülkenberg

Schanghai. Noch fehlt ein absolutes Spitzenergebnis, doch China ist für das Sauber-F1-Team ein gutes Pflaster. Nach der schnellsten Rennrunde von Kamui Kobayashi im Vorjahr wollen jetzt Nico Hülkenberg und Esteban Gutiérrez erstmals in die Punkte fahren.

Sebastian Vettels erste Medienauftritte nach der Stallorder-Affäre gleichen einem Spiessrutenlaufen. Der Weltmeister zeigt sich deshalb zunehmend genervt im Paddock des Shanghai International Circuit, erträgt das ständige Nachhaken aber mit Fassung und betont immer wieder, dass die Sache teamintern erledigt sei und es keinerlei Grund gebe, seinem Teamkollegen irgendetwas zurückzugeben. Rückendeckung hat er inzwischen auch von Red Bull Racing erhalten, denn eine Teamorder soll es nicht mehr geben. Kon- strukteur Adrian Newey und Teamchef Christian Horner ist diese Vorgabe von Red-Bull-Guru Dietrich Mateschitz persönlich übermittelt worden. Sie bedeutet, dass sich Mark Webber den Titelverteidiger aus eigener Kraft vom Leibe halten muss, wenn er weitere Rennen gewinnen will. Das Duell wird sich weiter zuspitzen. Eine Vertragsverlängerung mit dem Australier scheint damit ausgeschlossen. Kimi Räikkönen hat gestern zum Entsetzen der Lotus-Leute auch schon angedeutet, dass er sich einen Wechsel Ende Saison durchaus vorstellen könne.

Gutes Pflaster

Während bei Red Bull und Mercedes wegen der Malaysia-Vorfälle, aber auch bei Ferrari, das dem schwachen Saisonauftakt von Fernando Alonso nachtrauert, Feuer im Dach ist, hat sich das Sauber-F1-Team in aller Ruhe auf den zehnten Grossen Preis von China vorbereiten können. Nach der Technikpanne in Melbourne und dem auch nicht ganz befriedigenden Auftritt in Malaysia sind in Hinwil neue Teile entwickelt worden, die an diesem Wochenende erstmals zum Einsatz kommen. Die Hoffnungen auf Punktezuwachs sind auch aufgrund der Erfahrungen intakt. In sieben der neun bisherigen Rennen in China hat Sauber gepunktet, zuletzt zweimal mit Kamui Kobayashi, der im Vorjahr mit der schnellsten Rennrunde noch ein ganz besonderes Highlight setzte. Das bisher beste Ergebnis des Schweizer Teams geht auf das Konto von Nick Heidfeld und Robert Kubica, die 2008 als Fünfter und Sechster ins Ziel kamen.

Vertrauen ist zurück

Für Nico Hülkenberg wäre ein Punktgewinn in der imposanten Motorsportarena, 40 Kilometer vom Zen­trum Schanghais entfernt, ebenso eine Premiere wie für Esteban Gutiérrez. «Die Strecke ist neu für mich. So wird schon das Training eine grosse Herausforderung. Ich muss mich mit dem Kurs vertraut machen und gleichzeitig versuchen, das Maximum herauszuholen und die Grenzen auszuloten», sagt der 21-jährige Mexikaner, der sich in Japan optimal auf seinen dritten Grand Prix vorbereiten konnte und sich nun allmählich an die «Top Ten» herantasten und konstant näher zu Hülkenberg rücken will.

Der vier Jahre ältere Deutsche hat nach dem schmerzhaften Startverzicht in Melbourne mit dem achten Platz in Malaysia das Vertrauen ins Schweizer Team zurückgewonnen. Er ist vom Potenzial des C32-Ferrari ebenso überzeugt wie von der Fähigkeit der Sauber-Ingenieure, das Fahrzeug entsprechend zu entwickeln. China wird allein schon von den Temperaturen her ein ganz anderes als das letzte Rennen. Gestern waren es trotz Sonnenschein gerade mal 16 Grad. «Das könnte uns vielleicht etwas in die Karten spielen, doch sicher bin ich nicht», meinte der selbstbewusste Mann aus Emmerich, der inzwischen in der Thurgauer Gemeinde Steckborn unweit von Vettel und vielen DTM-Kollegen Wohnsitz genommen hat.

«Die guten Nachrichten sind, dass noch Potenzial in unserem Auto steckt. Das Fahrverhalten kann noch erheblich verbessert werden», glaubt Hülkenberg. «In Malaysia haben wir herausgefunden, dass uns langsame Kurven noch gewisse Probleme bereiten. Im Gegensatz dazu ist das Fahrverhalten in schnellen Kurven eine der Stärken des Sauber.» Aus seiner Sicht sind die kommenden Rennen von völlig unterschiedlicher Charakteristik und deshalb für die ganze Saison wegweisend. «In China werden die Vorderreifen sehr stark beansprucht und bewegen sich ständig am Limit, da es viele schnelle und lang gezogene Kurven gibt. Eine Woche später in Bahrain werden dann die Hinterreifen besonders stark beansprucht. Das gibt ganz andere Voraussetzungen.»

Gegenseitiger Respekt

Im Unterschied zu seinen bisherigen Teams Williams, wo er hinter Rubens Barrichello zurückstehen musste, und Force India, wo er Paul di Resta dominierte, hat Hülkenberg bei Sauber erstmals die Rolle des Teamleaders inne. «Mit dieser Si­tua­tion kann ich gut leben, weil sie bedeutet, dass ich schon etwas länger dabei bin und mehr Erfahrung habe. Gerade das ist im Sport viel wert und kann eine grosse Hilfe sein», findet der 25-Jährige vor seinem 41. Formel-1-Einsatz, der aufgrund der bisherigen Erfahrungen auch Gutiérrez viel Talent und eine sehr gute Arbeitsauffassung attestiert. «Klar wird von mir erwartet, dass ich meinen Teamkollegen regelmässig schlage. Doch man darf Esteban nicht unterschätzen. Er hat einen unglaublichen Grundspeed. So wie er von mir werde auch ich von ihm lernen können. Die Zusammenarbeit gestaltet sich bisher völlig problemlos. Das erleichtert die Sache doch wesentlich.»

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