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ZVV wollte Frau trotz gültigem Billett büssen

100 Franken hätte eine Frau berappen sollen, weil sie ihre Mehrfahrtenkarte angeblich zu spät abgestempelt hatte. Erst nach Intervention des Ombudsmanns verzichtete der Zürcher Verkehrsverbund auf die Gebühr.

An einem Sonntagnachmittag im Oktober wollte eine Frau mit der Buslinie 720 ab Hegnau (Gemeinde Volketswil) nach Zürich an einen Anlass. Zu ihrem Ärger blieb sie in einer Billettkontrolle hängen. Die Kontrolleure warfen der Frau vor, sie habe ihre Mehrfahrtenkarte erst im Bus entwertet, nachdem die bevorstehende Kontrolle angekündigt worden war. Per Post erhielt die Frau vom Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) eine Rechnung über 100 Franken. Die Buspassagierin reklamierte direkt beim ZVV. Sie legte eine Kopie ihrer Mehrfahrtenkarte bei. Dar­auf war ersichtlich, dass sie um 13.39 Uhr abgestempelt hatte. Der ZVV unterstellte ihr nun, sie habe sich zu ihrer Entlastung ein fremdes, früher abgestempeltes Billett organisiert. Die Kontrolle sei um 14.41 Uhr erfolgt. Der ZVV hielt an der Gebühr fest. Die Frau gab nicht auf und wandte sich an den Ombudsmann des Kantons Zürich. Laut Fahrplan ist der Bus um 13.37 Uhr abgefahren. Die zwei Minuten Differenz zwischen Abfahrts- und Stempelzeit erklärte die Passagierin mit einer möglichen Verspätung des Busses, mit dem Aufrunden der Zeitangabe des Automaten und damit, dass sie drei Anläufe unternehmen musste, bis der Automat die Mehrfahrtenkarte tatsächlich entwertete. Keine Erklärung hatte sie für die Behauptung des ZVV, erst eine Stunde später unterwegs gewesen zu sein. Gerät hatte Sommerzeit Der Ombudsmann unterbreitete dem ZVV den Fall. Abklärungen ergaben, dass das Erfassungsgerät der Kontrolleurin noch auf Sommerzeit eingestellt war. Statt der richtigen Uhrzeit (13.41 Uhr) zeigte es als Kontrollzeitpunkt 14.41 Uhr an. Weiter stellte sich heraus, dass der Bus um zwei Minuten verspätet unterwegs war. Für den Ombudsmann war klar: Die Passagierin konnte für den Zeitpunkt der Abfahrt um 13.39 Uhr ein gültiges Billett vorweisen. Die Gültigkeit des Fahrausweises sei nicht an eine Kontrollansage geknüpft, argumentierte der Ombudsmann. Die Richtlinien des ZVV würden lediglich verlangen, dass das Billett vor Antritt der Fahrt entwertet werde. In der Folge verzichtete der ZVV auf die Gebühr. 769 neue Fälle im letzten Jahr Dieser knifflige Fall ist ein Beispiel aus dem Tätigkeitsbericht, den Ombudsmann Thomas Faesi gestern vor den Medien präsentierte. Dass der ZVV Unmut auslöst, scheint keine Seltenheit. Immerhin wurden 2013 ge­gen­über dem Ombudsmann 110 Beschwerden im Zusammenhang mit dem ZVV erhoben. Das ist jede siebte der 769 Beschwerden, die eingegangen sind. Mit 66 neuen Fällen sind Steueranliegen ein weiterer Schwerpunkt in der Tätigkeit des Ombudsmanns. 41 Fälle betrafen das Migrationsamt, das in früheren Jahren schon deutlich stärker im Fokus gestanden hatte. Der Ombudsmann hat im letzten Jahr 790 Fälle erledigt. Wie oft die Ratsuchenden dabei zu einem Erfolg kamen, konnte er gestern nicht sagen. Hingegen hat er den Zeitaufwand akribisch erhoben: 203 Beschwerden bedurften demnach einer Bearbeitungszeit von höchstens zehn Tagen. Weitere 226-mal waren elf bis dreissig Tage nötig. 344 Verfahren benötigten bis zu einem Jahr und in 17 Fällen reichte selbst diese Zeitspanne nicht aus.

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