Brütten

Zwei Hunde brachten ihrem Halter innerhalb eines Jahres drei Anzeigen ein

Drei Personen haben einen Hundehalter aus Brütten innerhalb eines Jahres angezeigt. Beim Besitzer handelt es sich ausgerechnet um den Sicherheitsvorstand der Gemeinde.

Zwei Hunde der Rasse Rhodesian Ridgeback waren in Brütten in mehrere unstrittene Vorfälle verwickelt.

Zwei Hunde der Rasse Rhodesian Ridgeback waren in Brütten in mehrere unstrittene Vorfälle verwickelt. Bild: Shotshop

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In Brütten kam es zu mehreren Vorfällen, in die zwei Hunde der Rasse Rhodesian Ridgeback verwickelt sind. Bis jetzt wurden drei Anzeigen gemacht. Die neuste im März dieses Jahres gab Helen Preindl auf. Sie und ihre Schwester hätten sich bei gutem Wetter am Nachmittag aufgemacht, ihre jeweiligen Hunde auszuführen, sagt sie.

«Ich fühlte mich bedroht»

Die Spazierroute verläuft unweit ihres Wohnorts Brütten am Waldrand entlang. Als sie dort an eine Wegbeugung gelangen, laufen ihnen die zwei Ridgebacks entgegen. Laut Preindl zielt einer sofort auf den Sennenhund ihrer Schwester und springt ihn an. «Sie kennt sich aus mit grossen Hunden und konnte ihn herunterreissen», schildert sie.

Preindl versucht ihre eigene Hündin Lana an die Leine zu nehmen, diese sei jedoch aus Angst weggerannt. Die Ridgebacks nehmen die Verfolgung auf. Preindl wendet sich aufgewühlt an den Halter: Er solle seine Hunde zurückrufen. Dieser habe nichts dergleichen getan, sondern Preindl verbal eingeschüchtert: «Ich fühlte mich bedroht.» Leinen für seine Hunde habe er an diesem Tag, so weit für Preindl ersichtlich, keine dabeigehabt.

Fünf Bisswunden

«Er hat Lana ganz der Willkür seiner Hunde überlassen», sagt sie. Die Hündin habe deutlich aufgejault und kam schliesslich hinkend aus dem Wald zurück. Der Tierarzt stellte am gleichen Tag fünf Bisswunden fest. Auf der Rechnung ist ersichtlich, dass Lana sediert und genäht wurde. Preindl erstattet Anzeige bei der Kantonspolizei Zürich und schreibt einen Leserbrief an die Redaktion des «Landboten».

Beim Besitzer der Ridgebacks handelt es sich um Beat Lanz, Gemeinderat von Brütten, zuständig für Sicherheit, Tiefbau und Natur. Er äussert sich schriftlich: «Es ist richtig, dass meine Frau, meine Kinder und ich schon mehrfach von Frau Preindl verbal angegriffen worden sind. Die von ihr aufgestellten Behauptungen und Unterstellungen sind Gegenstand von polizeilichen Ermittlungen, weshalb ich mich bis zu deren Abschluss nicht öffentlich dazu äussern werde.»

Helen Preindl wiederum bestreitet diese Vorwürfe: «Ich kenne diese Familie nicht persönlich und habe mich noch nie mit ihr unterhalten. Herrn Lanz kenne ich vom Sehen, er muss mich aber verwechseln.»

Ihre Anzeige ist nicht die erste, die im Zusammenhang mit Lanz’ Hunden gemacht wurde. Im Dezember 2014 wurde Reto Muggler, Winterthurer Stadtpolizist und Obmann des Jagdreviers Beerenberg, Zeuge, wie ein Hund der Rasse Rhodesian Ridgeback frei laufend ein Reh jagte. Lanz ist ihm als Besitzer bekannt und er erstattete Anzeige bei der Stadtpolizei. Diese bestätigt den Eingang, gibt aber keine weitere Auskunft zum laufenden Verfahren.

Gejagt und angegriffen

Abgeschlossen ist ein Fall, der sich im März 2014 ereignet hatte. Barbara Egli war zu Pferd unterwegs im Brüttemer Wald, als sie drei Kindern mit zwei Rhodesian Ridgebacks an der Leine begegnete. Da sich die Hunde bedrohlich gebärdeten, habe sie in rund 100 Metern Entfernung abgewartet, sagt Egli. Die Ridgebacks rissen sich daraufhin tatsächlich los. «Sie griffen bellend mein Ross an.» Normalerweise habe es keine Angst vor Hunden, doch diese hätten ohne Pause versucht, es in die Hinterbeine zu beissen, sagt sie. Das Pferd rannte schliesslich mit Egli im Sattel los, die Hunde hinterher.

Der Reiterin gelang es nach einigen Hundert Metern, das Pferd herumzureissen und abzuspringen: «Das ging nur, weil ich mein Pferd sehr gut kenne und langjährige Erfahrung habe.» Die Hunde hätten jedoch nicht abgelassen. «Der eine hat weiter mich bedroht, der andere mein Pferd angegriffen», schildert Egli. Sie habe durch Schreien versucht, den Hund abzuwehren, doch er zog sich erst zurück, als das Pferd ausschlug und den zweiten Ridgeback traf. Das Pferd erlitt eine Bisswunde am Bein, die Reiterin blieb körperlich unversehrt. Auch sie erstattete Anzeige gegen Lanz. Das Statthalteramt entschied zu ihren Gunsten und stellte per Strafbefehl eine Busse aus.

«Bin geradegestanden»

Auch zu diesen Vorfällen äussert sich Lanz schriftlich: «Diese beiden früheren Vorkommnisse mit meinen beiden Junghunden haben sich in meiner Abwesenheit zugetragen. Als verantwortlicher Hundehalter bin ich dafür vollumfänglich geradegestanden.» Seit über 20 Jahren halte er Hunde. Einen Hund auszubilden, brauche Erfahrung, Zeit und Geduld.

Die Frage nach seiner Reaktion auf die Anzeigen beantwortet er folgendermassen: «Es ist mein erklärtes Ziel, unsere Familienhunde korrekt zu führen und bei Dritten keinen Unmut auszulösen. Auch künftig werde ich deshalb meinen Kindern den fachgerechten Umgang mit Hunden weitergeben, so wie ich diesen an den freiwillig besuchten und mittlerweile vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Hundeausbildungskursen vermittelt erhalten habe.»

«Der Schock sitzt tief»

Anzeigen, die Hundehalter betreffen, meldet die Polizei automatisch an das Veterinäramt weiter. Dieses äussert sich jedoch nicht zu Einzelfällen. Allgemein werde jede Meldung «risikobasiert beurteilt». Dabei werde die Gesamtsi­tua­tion beurteilt sowie auch Anzahl, Art und Ausmass der Verletzungen, schreibt die stellvertretende Kantonstierärztin Ruth Baumgartner. «Vom Veterinäramt angeordnete Massnahmen können eine Führung des Hundes mit Maulkorb sein oder weiter bis hin zur Beschlagnahmung des Hundes gehen.»

Hündin Lana gehe es heute wieder gut, der Schock sitze aber bei Tier und Halterin tief, sagt Preindl. Lanz habe sich weder direkt nach der Attacke noch irgendwann später nach Lanas Befinden erkundigt. (Landbote)

Erstellt: 21.07.2015, 16:26 Uhr

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