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Zwei Südfrüchte geben Gas

Die kleinen ­Erdgasautos aus Italien und Spanien setzen beim Sprit­einsatz auf unterschiedliche Konzepte. Bezüglich Fahr- und Sparspass kommen beide zum Zug – allerdings mit deutlichen ­Differenzen, wie das Testduell zeigt.

Fahrzeuge, die vom umweltfreundlichen Treibstoff Erdgas/Biogas oder kurz CNG (Com­pressed Natural Gas) angetrieben werden, sind hierzulande noch immer ein Geheimtipp, obwohl sie in der Auto-Umwelt­liste die Hybridautos an der Spitze der Öko-Hitparade längst abgelöst haben. Die Vorteile liegen auf der Hand: Dank einem Anteil an völlig CO2-neutralem Biogas gehen CNG-Autos schonender mit der Umwelt um als zum Beispiel Dieselfahrzeuge, die zwar weniger verbrauchen, aber viel mehr schädliche Stickoxide ausstossen. Hinzu kommt, dass Gasautos in der Regel über einen zusätzlichen Benzintank verfügen – und damit über deutlich mehr Reichweite als andere. Bisher grösstes Manko war eine geringere Laufkultur mit CNG, der die Hersteller mit einer Optimierung der Motoren seit einiger Zeit entgegenwirken. Was die Autoindustrie zuletzt aus dem Thema CNG gemacht hat, zeigt der Vergleich zweier Südländer für den Stadtverkehr. Der Fiat Panda Natural Power mit 80 PS starkem Zweizylindermotor tritt gegen den Seat Mii Eco­fuel an, der aus drei Zylindern 68?PS Leistung schöpft. Beide verfügen über eine Kombination aus Benzintank und CNG-Reservoir, doch kommt der Panda mit deutlich grösserem Vorrat auf eine Reichweite von 1100 Kilometern, beim Seat sind es lediglich deren 600. Zwar ist laut Werksangabe der Seat im Benzinbetrieb mit 4,4?Litern auf 100 Kilometer ge­genüber dem Fiat mit 4,6 Litern sparsamer. Im CNG-Einsatz ist der Unterschied noch grösser, sind es doch beim Seat umgerechnet auf Benzin 4,3 Liter, beim ­Fiat gar 4,8 Liter. Doch da der Seat mit 3,56 Meter Länge fast zehn Zentimeter kürzer ist als der Panda, bleibt weniger Platz für den sperrigen Gastank, der in beiden Fahrzeugen unter dem Kofferraumboden platziert ist. Beide Winzlinge wiegen jedoch gleich viel, und doch ist der Seat Mii – bei etwas weniger Leistung – sparsamer. 1:0 für Spanien. Betreffend Fahrleistungen trumpft dann der Italiener auf: Er setzt seine 12 Mehr-PS vorteilhaft ein. Der Zweizylinder ist deutlich spritziger und durchzugsstärker als der Dreizylinder aus dem VW-Konzern. Mit Steigungen wird der Panda gut fertig, ohne das manuelle Fünfganggetriebe strapazieren zu müssen. Im Mii hingegen muss auf der Teststrecke über die aargauische Staffelegg schon mal der zweite Gang eingelegt werden, um den Anstieg zu meistern. Diese Wertung geht an Italien: 1:1. Bei Fahrzeugen mit mehr als 1000 Kilogramm Leergewicht und deutlich weniger als 100 PS sind flotte Kurvenfahrten von Vorteil, damit das Fahrzeug immer schön in Schwung bleibt. Das gelingt im Seat Mii deutlich besser als im Fiat Panda, der über einen höheren Schwerpunkt und mehr Federweg verfügt. Hinzu kommt die angenehmere Lenkung des Seat, der mehr Fahrbahnrückmeldung vermittelt. Seat gewinnt die Fahrwerkwertung. 2:1 für Spanien. Der fast schon an eine Vespa ­erinnernde TwinAir-Motor des Panda zollt dem Downsizing bei der Laufkultur deutlich Tribut. Was bei der Benziner-Variante schon auffiel, wird im CNG-Betrieb besonders deutlich: Das ganze Auto vibriert, der Motor macht sich durch deutliches Rattern bemerkbar wie im guten alten Dreirad Piaggio Ape von anno dazumal. Ganz anders der Seat Mii Ecofuel, bei dem kaum zu erkennen ist, dass es sich um eine dreizylindrige Erdgasvariante handelt. Er surrt friedlich vor sich hin und erzeugt keinerlei störende Nebengeräusche. Und schon steht es 3:1 für Spanien. Bei der Raumausnützung ist der Fiat dank seines sieben Zentimeter höheren Dachs und der längeren Karosserie im Vorteil. Bezüglich Kofferraumvolumen (Fiat: 225 bis 870, Seat: 251 bis 951 Liter) kann der Spanier locker mithalten. Auf den Panda-Rücksitzen ist für Erwachsene aber mehr Platz als im Mii, der wie der Panda über fünf Türen verfügt. Italien holt auf: 3:2 für Spanien. Dank ihrer Kombination aus CNG- und Benzinbetrieb sind beide Kleinwagen seltene Tankstellengäste. Bis zur nächsten der rund 140 Erdgas-/Biogas-Tankstellen reicht es für beide mit ihren zwölf Kilogramm fassenden CNG-Tanks immer, doch verfügt der Fiat Panda mit seinem 35-Liter-Benzintank über deutlich mehr Reichweite als der Seat Mii mit nur zehn Litern Benzin. Zudem lässt sich beim Panda auf Knopfdruck jederzeit von Gas- auf Benzinbetrieb wechseln. Seat verfolgt ein anderes Konzept und stellt erst bei leerem CNG-Tank automatisch auf Benzin um, ohne dass der Fahrer eingreifen kann. Mehr Reichweite und Wahlfreiheit lassen den Panda punkten, Ausgleich: 3:3. Ein totes Rennen also im grossen Vergleich der Gas-Zwerge? Keineswegs. Dank deutlich höherer Fahrkultur trotz weniger Kraft scheint der Seat Mii Eco­fuel über die modernere CNG-Lösung zu verfügen. Den Siegtreffer landet der Spanier aber kurz vor Abpfiff: Mit einem Grundpreis von 15?700 Franken ist der Seat deutlich günstiger als der Fiat Panda Natural Power mit mindestens 20?800 Franken. Selbst die vollausgestattete Testwagenvariante Seat Mii by Mango, mit Navigationssystem und Panoramaschiebedach ausgerüstet, kostet gerade mal 20?880 Franken, wogegen der Fiat Panda bei gleichem Preis über deutlich weniger Ausstattung verfügt. Dafür ist er deutlich leistungsfähiger und kommt weiter. Spanische Fahrkultur oder italienischer Fahrspass – das bleibt letztlich Geschmacksache. Dem grünen Gewissen tun beide CNG-Kleinwagen gut.

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