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Zwei Waadtländer in der nächsten Runde

Titelverteidiger Stan Wawrinka und Timea Bacsinszky feiern beim Australian Open feine Siege. Wawrinka benötigte nur 89 Minuten, Bacsinszky schlug mit Jelena Jankovic eine ehemalige Nummer 1 der Weltrangliste.

Für den Dienstag hatten die Meteorologen für Melbourne Regen angekündigt. Niemand liebt Hängepartien – entsprechend hatten es die Akteure eilig, vor allem diejenigen auf den Aussenplätzen ohne Dach. Auch die Spiele mit Schweizer Beteiligung gerieten zu Blitzpartien. Stan Wawrinka benötigte bloss 89 Minuten bis zum Startsieg gegen den Türken Marsel Ilhan (6:1, 6:4, 6:2). Timea Bacsinszky tanzte in lediglich 78 Minuten zum 6:1/6:4-Überraschungserfolg gegen Jelena Jankovic (WTA 15). Schnell ging es auch zu Ende: Für Romina Oprandi in nur 51 Minuten zum 0:6, 2:6 gegen Denisa Allertova (Tsch).

Vor allem die Romands bestanden im Melbourne Park Reifeprüfungen. Es würde speziell sein, am Australian Open als Titelverteidiger anzutreten, hatte Stan Wawrinka schon während der Vorbereitung in Chennai (Ind) angekündigt. Auf keinen Fall wollte Wawrinka wieder ein Fiasko erleben wie letzten Sommer in Roland-Garros. Damals, im ersten Grand-Slam-Turnier nach dem Titelgewinn in Melbourne, verlor er in der Startrunde gegen Guillermo Garcia-Lopez, die Nummer 41 der Welt.

Ein Desaster wie in Paris gegen den Spanier stand in Melbourne nicht zur Diskussion, dafür agierte Marsel Ilhan zu schwach. «Ich habe nicht mehr Stress als sonst in einem Erstrundenspiel verspürt», meinte Wawrinka. Der Romand durfte auch «rundum zufrieden» sein, weil sein Gegner ihn nie bedrängen konnte. In allen drei Sätzen gelang Wawrinka spätestens im zweiten Anlauf ein Break. Selber brachte Wawrinka alle zwölf Aufschlagspiele durch. Auch die brisante Ausgangslage, dass ihn jede Niederlage vor dem Final seinen Platz in den Top 10 der Weltrangliste kostet, verdrängt Wawrinka problemlos: «Ich mache diese Rechenspiele gar nicht mit. Alle Spieler fingen vor zwei Wochen wieder bei null an. Ich spiele, so gut ich kann, und rechne erst Ende November wieder ab.»

Wer dar­auf wettet, dass Wawrinka nach dem Australian Open nicht mehr zu den besten zehn gehört, wird womöglich gewinnen. Klar ist aber auch, dass «Stan the Man» über eine ausgezeichnete Ausgangslage verfügt, um in Melbourne erneut weit zu kommen. Schon nach der ersten Runde und Niederlagen von Fabio Fognini (16), Alexander Dolgopolow (21) und Pablo Cuevas (27) steht fest, dass Wawrinka bis zu den Viertelfinals keinem Gesetzten begegnen wird. Der nächste Widersacher, der Rumäne Marius Copil, belegt im Ranking lediglich Platz 194. Danach geht von Jarkko Nieminen (3. Runde), Vasek Pospisil oder Guillermo Garcia-Lopez (Achtelfinal) die grösste Gefahr aus.

Formstarke Bacsinszky

Einen Test hatte auch Timea Bacsinszky zu bestehen. Nach dem Sieg über Petra Kvitova (WTA 4) vor zehn Tagen beim Parcours in den Final von Shenzhen war allen klar, dass für die 25-jährige Lausannerin auch gegen Jelena Jankovic, die Nummer 15 der Welt, die aber wegen Rückenproblemen während der Pause zwei Monate lang flachlag, ein Sieg möglich sein sollte. Bacsinszky siegte dank einer hochkon­zen­trier­ten Leistung 6:1, 6:4. Welcher Sieg war schöner? Derjenige in China über Kvitova oder derjenige am Grand-Slam-Turnier gegen eine ehemalige Weltnummer 1? «Da gibt es keinen Unterschied. Beides sind schöne Siege. Ich versuche jetzt einfach, nicht euphorisch zu werden. Denn man darf nie aus den Augen verlieren, wie viel Aufwand es braucht, damit man sich überhaupt mit den Besten messen kann», sagte Bacsinszky.

Sie weiss das. Sie hat ihre eigenen Erfahrungen gemacht. Am Australian Open, wo sie mit 14 und 15 zweimal die Halbfinals bei den Juniorinnen erreichte, konnte sie seit 2011 nicht mehr mitspielen. Damals holte Bacsinszky gegen Monica Niculescu bloss drei Games. Später wurde sie von Verletzungen und Problemen immer wieder zurückgeworfen. «Aber die Timea von 2011 lässt sich mit der Timea von 2015 nicht vergleichen. Ich bin eine andere, viel professionellere Spielerin geworden.»

In der 2. Runde bekommt es Bacsinszky am Donnerstag mit der Amerikanerin Anna Tatishvili (WTA 141) zu tun.

Oprandis Trainingslager

In die andere Richtung im Ranking bewegt sich Romina Oprandi. Die 28-jährige Bernerin belegt in der Weltrangliste noch Platz 113. Tendenziell dürfte dieses Ranking schneller sinken als zuletzt Euro- und Aktienkurse. Gegen Denisa Allertova wurde Oprandi vorgeführt. Die tschechische Qualifikantin gewann doppelt so viele Ballwechsel. Wollte Oprandi in Melbourne lediglich das reichliche Preisgeld (34 500 Dollar) plus Reisespesen (2500 Dollar) abholen? «Nein, so ist es definitiv nicht», meinte Oprandi. «Andererseits bin ich auch nicht überrascht, dass die Partie so herausgekommen ist. Ich konnte in den vergangenen Monaten bloss dreimal auf dem Tennisplatz trainieren.»

Die Schulter macht Oprandi immer noch stark zu schaffen, das dürfte sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern. si

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