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Zwei Wodkaflaschen und zwei Faustschläge

Er hatte beim Bahnhof derart heftig zugeschlagen, dass seinem Kontrahenten ein Auge geplatzt ist: Jetzt müsste der Tunesier 16 Monate hinter Gitter – die Strafe hat er aber schon abgesessen.

Der zweite Faustschlag müsse heftig gewesen sein, sagte der Richter, als er gestern am Abend das Urteil begründete. Sonst wäre ja der Geschädigte, ein im Thaiboxen ausgebildeter und an jenem Abend nüchterner Mann, auch kaum zu Boden gegangen. Und sonst hätte dieser auch nicht so gravierende Verletzungen davongetragen, sagte der Richter. Denn das Opfer dieser Auseinandersetzung in der Nähe des Hauptbahnhofes erlitt eine Bulbusruptur (Platzen des Auges). Auf dem linken Auge sehe er nur noch einen Nebel, sagte der Mann vor Gericht. Es falle ihm schwer, die alltäglichen Dinge zu erledigen. Zwei verschiedene Varianten Diese schwere Verletzung habe der beschuldigte Tunesier zumindest in Kauf genommen, befand das Gericht. «Er musste trotz allem Alkohol wissen, welches Risiko er mit diesem Schlag eingeht.» Wegen schwerer Körperverletzung wurde der 25-Jährige zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt. Vor Gericht wurden – wie so oft – zwei verschiedene Varianten vorgetragen. Der Tunesier, der trotz einer rechtsgültigen Ausweisungsverfügung in einer Unterkunft in Zürich lebte, wollte an jenem Abend des 2. Oktobers 2012 im Winterthurer Stadtpark alleine zwei Flaschen Wodka getrunken haben. Dann, auf dem Weg an den Bahnhof, sei er mehreren Männern über den Weg gelaufen. Diese hätten ihn angepöbelt – und geschlagen. Selbst als er auf dem Boden gelegen habe, hätten sie auf ihn eingetreten. Da habe er in Notwehr um sich geschlagen (und dabei wohl den anderen im Gesicht getroffen). Sein Verteidiger forderte deshalb einen Freispruch. Verweigerte Zigarette als Auslöser Das Gericht stufte diese Version indes nicht als glaubhaft ein. Insbesondere weil der Tunesier wenige Stunden später bei der ersten polizeilichen Einvernahme noch ausgesagt hatte, er wisse gar nichts von einer Schlägerei, er habe nicht daran teilgenommen. «Wäre er wirklich derart angegriffen worden, wie er behauptet, hätte er dies auch ausgesagt», hielt der Richter fest. Der Geschädigte hatte bei der Polizei und vor Gericht hingegen ausgeführt, dass er vom Tunesier auf offener Strasse unvermittelt zweimal geschlagen worden sei, nachdem er ihm keine Zigarette geben wollte. Sein Begleiter hatte den Vorfall ähnlich beschrieben. Zeit, sich abzusprechen, hätten die beiden Kollegen nicht gehabt, glaubt das Gericht. Es hielt sich deshalb, wie der Staatsanwalt, an diese Version. Der Tunesier sitzt seit dem Vorfall im Gefängnis. 13 Monate seiner Strafe hat er damit verbüsst – und damit auch mehr als zwei Drittel der Strafe. Das Bezirksgericht ist deshalb dem Antrag des Verteidigers auf vorzeitige Haftentlassung gefolgt. Die Nacht auf heute Freitag verbrachte der Tunesier noch in der Pöschwies. Bereits heute dürfte er dem Migrationsamt zugeführt werden. «Was heisst das? Kann ich da selber hin?», fragte der 25-Jährige. Er werde begleitet, flüchten könne er nicht, entgegnete der Richter. Es ist davon auszugehen, dass der Tunesier, obwohl er heute eigentlich freigelassen wird, gleich in Ausschaffungshaft gesetzt wird.

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