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Zwischen Reflektion und Absorbation

Damit zur Eröffnung am 24. Mai alles gut klingt, wurde letzte Hand an die Akustikelemente der Musikinsel gelegt. Wie ein feines Instrument wurden die Wände «gestimmt».

Die härteste Prüfung kommt zum Schluss: Zwei Tambouren trommeln, was das Zeug hält. Andere Musiker stecken sich Schalldämpfer in die Ohren. Ein Gespräch ist im 245 Quadratmeter grossen Saal der Musikinsel nicht mehr möglich. Akustikexperte Eckhard Kahle ist auch mit diesen Messungen zufrieden. Der Austausch von insgesamt vier Kissen, harte gegen weiche und umgekehrt, hat das Klangerlebnis noch einmal perfektioniert. Die perlmuttgrauen bestickten Akustikpaneele sind an beiden Kopfenden des Raumes angebracht. Zur Hälfte sollen sie den Schall absorbieren, nämlich unten, auf der Höhe der Musiker. Zur anderen Hälfte, im oberen Teil des Saals, sollen sie den Schall reflektieren. Zusätzlich kann noch ein Vorhang vor die beiden seitlichen Fensterfronten gezogen werden. Dieser fehlte am vergangenen Dienstag noch. Kahle hat Erfahrungen mit vielen Konzerträumen gesammelt, unter anderem dem KKL in Luzern. Sein Anspruch ist hoch, aber die Musikinsel ist auch ein anspruchsvolles Projekt, zu dem allein der Kanton Zürich 28,5 Millionen Franken als Baukredit beigesteuert hat. Die Gästezimmer werden zurzeit zu einem nicht kostendeckenden Preis von 95 Franken inklusive Vollpension angeboten. «Das Angebot ist möglich, weil die mit 20 Millionen Franken dotierte Stiftung Schweizer Musikinsel Rhein­au die Defizite übernimmt», erklärt Marketingverantwortlicher Patrick McEvily. Proberäume können ab 40 Franken pro Tag individuell hinzugemietet werden. Die 63 Gästezimmer sind in vier Farbvarianten gestrichen. Die Bäder liegen jetzt in den Zimmern, zu Zeiten der psychiatrischen Klinik waren sie noch auf dem Gang. Projektleiter Thomas Held äussert sich erleichtert: «Es war ungewiss, ob die Musikinsel kommt, jetzt steht sie. Sie ist ästhetisch sehr schön, gefällt den Leuten und sie funktioniert auch musikalisch.» Sein Job ist erst am Einweihungstag erledigt, wenn nach einem Festakt die Tore für die Bevölkerung geöffnet werden und verschiedene En­sem­bles aufspielen. Belastungsprobe geglückt Zu den Musikern, die die Probenräume bereits getestet haben, gehört Bernhard Röthlisberger. Dem Profiklarinettisten wurde wie dem Violinstudenten Lukas Züblin die Ehre zuteil, die Räume realitätsnah zu beschallen. Die Diskussion mit den Musikern über ihr subjektives Klangempfinden war denn auch ein wichtiger Bestandteil der Belastungsprobe. «Ein echter Beat Zoderer» sind die Akustikpaneele. Sie sind Kunst am Bau, die der Wettinger Künstler in seinem bewährten konkret-konstruktiven Stil gestaltet hat. Er nennt die Arbeit ein Tafelbild, eines seiner «Supramate» mit Linien, die sich völlig frei im Raum bewegen sollen. Verschiedenfarbige diagonale Bänder kreuzen sich. Sie erzeugen die Spannung, die ihm in seinen Arbeiten so wichtig ist. Mit Spannung werden nun auch die vielen bereits angemeldeten Musiker ihre Übungstage in Rhein­au erwarten.

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