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Zwischen Sport und Schauspiel

Wrestling ist in der Schweiz eine Randsportart. In Rorbas bietet eine der wenigen Schulen Trainings an. Ein Augenschein bei den Kampf-Unterhaltern.

Die Seile quietschen, der Geruch von Schweiss liegt in der Luft. Hin und wieder klatscht ein Körper auf den Boden des Rings. «Huuuah!», schreit Wrestler Reto Koller und verzieht das Gesicht zur Grimasse. «Side Headlock und dann Takedown!», instruiert Trainer Thomas Heri. «Mach die Rolle richtig, sonst wirkt der Kampf nicht flüssig», leitet Heri den jungen Sportler Ferdaus Kabiri an. «O. k., so ist es gut», beim zweiten Versuch ist Heri zufrieden. Augenblicke später fliegt Reto Koller krachend in die Seile, seine lange Mähne wirbelt durcheinander. Und schon springt er wieder nach vorne und lässt seinen Kontrahenten mit einem gezielten Bodycheck zu Boden gehen. Das Training an der Wrestling Academy in Rorbas ist nichts für sanfte Gemüter. Schliesslich sollen die Showkämpfe möglichst echt wirken – da gehören inszenierte Schmerzensschreie und Grimassen schon beim Üben dazu. Das Publikum wolle Mimik sehen und Geräusche hören, deshalb werde dies bereits in der Vorbereitung trainiert, sagt Thomas Heri. Geübt werden aber auch Ausdauer, Kraft und Konzentration. So schickt der Trainer seine Schützlinge zu Beginn des Trainings zum Einwärmen auf einen intensiven Treppenlauf – das Ganze mit einem Pneu oder einem Backstein unter dem Arm. Fitness unabdingbar Wrestling ist eine Kombination aus Sport und Show. Der Sieger eines Kampfes steht dabei schon im Voraus fest und die beiden Kontrahenten sprechen den Ablauf eines Rencontre im Ring vorher grob ab. Damit die Kämpfe echt wirken und damit sich niemand verletzt, ist eine gute körperliche Verfassung notwendig. Gute Wrestler bringen sowohl körperliche Fitness wie auch schauspielerisches Talent mit. «Ein Wrestler ist ein sportlicher Unterhalter», sagt Thomas Heri. Zum Auftakt des Trainings üben die Sportler Basisgriffe. Das erinnert etwas an ein Judo- oder Karatetraining. Ausser dass sämtliche Würfe und Griffe englische Namen tragen. Ferdaus Kabiri ist seit zwei Monaten im Training an der Wrestling Academy. «Muss ich das jedes Mal machen?», fragt er seinen Trainer schwer atmend. «Wrestling ist härter, als man denkt, und wird sportlich unterschätzt», sagt Thomas Heri. Der nach Luft ringende Kabiri kann das nur bestätigen. Normalerweise kommen am Montagabend zehn Athleten ins Training. Heute sind sie nur zu dritt. Trainiert wird an drei Tagen pro Woche, abgestuft nach Erfahrung und Können der Wrestler. Thomas Heri ist der Kopf hinter der Wrestling Academy Rorbas. Er ist Gründer und Trainer der Schule. Selber schon als Kind vom Wrestling begeistert, besuchte er erst 2002 im Alter von 28 Jahren das erste Probetraining. Er erzählt von einem Kampf gegen den mittlerweile bei den amerikanischen Profis tätigen Schweizer Wrestler Claudio Castagnoli. Heri selber betreibt Wrestling ausschliesslich als Hobby. In seinem bürgerlichen Leben arbeitet er in der Stellenvermittlung. In der Schweiz gibt es wenige Trainingsmöglichkeiten für die amerikanische Sportart. Deshalb gründete Heri seine eigene Schule, um dem einheimischen Wrestling-Nachwuchs einen Ort zum Üben zu geben.

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