Eishockey

Zwischenwelt Schluefweg

Kloten startet als Unterklassiger in die Saison – erstmals seit 57 Jahren. Doch die Swiss League soll für den Patchwork-EHC nur Durchgangsstation sein.

Aussen hochsommerliche Temperaturen, innen hoch konzentrierte Arbeit für den Wiederaufstieg: Klotens Cheftrainer André Rötheli hat mit seinen Spielern in der Swiss-Arena das erste Eistraining der Saison absolviert.

Aussen hochsommerliche Temperaturen, innen hoch konzentrierte Arbeit für den Wiederaufstieg: Klotens Cheftrainer André Rötheli hat mit seinen Spielern in der Swiss-Arena das erste Eistraining der Saison absolviert. Bild: Fabienne Andreoli

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Garderobe der ersten Mannschaft ist mit Teppich ausgeschlagen. An der Stadiondecke zeugen Banner von Meistertiteln und Clublegenden. Aber wer die Seele des EHC spüren will, tut das am besten in einer unscheinbaren Ecke ganz im Südosten der Swiss-Arena. Diese dreissig Quadratmeter, wo sich zwei lange Garderobengänge rechtwinklig treffen, wo scheinbar nur ein Durchgang ist: Sie sind das Sinnbild derKlotener Befindlichkeit.

Bleiben will hier keiner. Doch alle müssen hier durch.

In dieser Ecke lagen sich vor 104 Tagen Spielerfrauen weinend in den Armen. Und hier beginnt an diesem ersten Augustmontag eine neue Geschichte: Sie soll zurück in die höchste Liga führen. Dorthin, wo die Unterländer Eishockey-Institution 56 Jahre lang eine feste Grösse war. Die zwei Dutzend Männer, die kurz vor elf in Vollmontur den einen Gang hochkommen, links abbiegen und dann den anderen Ganghinuntergehen, sollen das möglich machen. Es ist kühl und riecht nach Schweiss: Beim EHC Kloten steht das erste Training auf heimischem Eis auf demProgramm.

Herzschlag in Echtzeit

Vieles ist neu, nicht nur die Liga. Das Eis wurde frisch gemacht, die fabrikneuen Sicherheitsbanden montiert. Im Rink steht Trainer André Rötheli, der erstmals Profis auf eine Saison vorbereitet. Und neben ihm Assistent Waltteri Immonen, der in Zug gerade die erste Vertragsauflösung seiner Karriere erlebte.

Beim EHC kennen sie dieses Gefühl. Nach dem Abstieg waren alle Arbeitsverhältnisse nichtig, die zehn besten Skorer gingen weg. Produktivster Rückkehrer mit 11 Punkten ist Marc Marchon – in der National League alles ­andere als Schlüsselspieler.

Jetzt kurvt der Zuger alsHoffnungsträger übers Eis. Wie Fabian Sutter und ThibautMonnet – einst Stars jener U-18, die am Schluefweg knapp eine WM-­Medaille verfehlte, mittlerweile 36 Jahre alt. Oder wie das einstige Grosstalent Philippe Seydoux, der mit 33 nach Kloten zurückkehrt und jetzt neben Serge Weber trainiert.

Sutter, Monnet, Seydoux, ­Krakauskas, Füglister, Ganz: Die Namen der Neuen leuchten bunt auf dem Laptop von FredyRo­then. Bei über 90 ProzentMaximalpuls rot, zwischen 80 und 89 Prozent grün, sonst blau. Der Konditionstrainer kann den Herzschlag seiner Schützlinge neu in Echtzeit verfolgen. Bloss bei Adrian Wetli klagt dasProgramm: «Verbindungsproblem».

Alle gesund, einer geht

Wetli verkörpert einen weiteren Teil dieser Patchwork-Mannschaft: die vielen Jungen, die in der Swiss League die Chance erhalten sollen, sich zu entwickeln. Sie heissen Knellwolf, Lehmann oder Mettler – Letzterer darf heute wie zum Zeichen gar zwischen zwei prominenten Trainingsgästen stürmen. Vincent Praplan und Sven Andrighetto nutzen den Schluef­weg ebenso als NHL-Vorbereitung wie Mirco Müller.

Die Stimmung ist gut, auch bei Felix Hollenstein. Der neue Sportchef verfolgt sein Team von der Tribüne aus. Alle sind fit, der ursprünglich angestrebte Transfer eines weiteren Stürmers hat derzeit keine Priorität – auch wenn es Ian Derungs nach Kanada zieht. Der 18-jährige Stürmer, letzte Saison erstmals National-League-Torschütze, wechselt zu Kingston in die OHL.

Nach etwas über einer Stunde verlässt Rötheli das Eis. Er geht den Gang hinunter, biegt an einer unscheinbaren Ecke rechts ab, läuft vorbei an der Spielerkabine und ins Trainerbüro. «Das Ziel muss sein: Wir wollen hoch», sagt der 47-Jährige. Doch zu viel mag er heute noch gar nicht davon sprechen: «Diese Gruppe zum Funktionieren zu bringen, ist jetzt wichtiger als alle anderen Sachen.»

Überall angekommen ist die neue Realität sechs Wochen vor Saisonstart allerdings nicht. Im Trainerbüro hängt neben der Aufstellung von Kloten noch ­immer jene des EHC Winterthur, letzte Saison Klotens Partnerteam, inzwischen aber Ligakonkurrent. Am Freitag stehen sich die beiden wie jedes Jahr im ­ersten Testspiel gegenüber. Mit einer Niederlage gegen die Unterklassigen begann 2017 die Klotener Abstiegssaison: Es kann eigentlich nur besser werden.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 08.08.2018, 10:31 Uhr

Artikel zum Thema

Langenthal scheut keine Herausforderung

Kloten auswärts (5) Der SC Langenthal gehört in der Swiss League zum Kreis der Favoriten. 2012 und 2017 hat er die Liga gar gewonnen­. Nebst dem SCB, Biel und Langnau sind die Ober- aargauer ein Teil der Berner Hockeymanie – haben dabei aber nie den Kontakt zur Region und ihren Fans verloren. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!