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Zwölf Flüchtlinge sind bereit für die Lehre

Ein Dutzend Männer aus Eritrea, dem Jemen und dem Kosovo haben ihre Grundausbildung in Gebäude- und Automobiltechnik abgeschlossen. Die meisten haben schon eine Lehrstelle in Aussicht.

Riesco heisst dieser Lehrgang für Flüchtlinge. Riesco ist einerseits eine grosse Insel im Süden Chiles, andererseits italienisch: Ich schaffe es, oder es gelingt mir. Im Saal der Schweizerischen Technischen Fachschule Winterthur (STFW) im Schlosstal feierten kürzlich die ersten zwölf Absolventen des Riesco-Lehrgangs ihren Erfolg, Flüchtlinge unterschiedlichen Alters. Sie hatten in den vergangenen zwölf Monaten gelernt, wie man schweisst, lötet und einfache Servicearbeiten ausführt. Einmal wöchentlich hatten sie zudem einen Deutschkurs besucht. Nun wurden sie für ihren Fleiss belohnt – mit ihren Diplomen. Und nicht nur das: «Acht haben eine schriftliche Zusage für eine Lehrstelle, eine Person kann gleich an einer Arbeitsstelle beginnen, und drei werden von der Stiftung Chance begleitet, bis sie eine Beschäftigung gefunden haben», erklärte Erich Meier, Rektor der Fachschule. Gastrobranche entwickelt Kurs Die zwölf Männer lernten nicht nur Praktisches, sondern in den Fächern «Werte und Normen» sowie «Stärken und Schwächen» auch sich selber besser kennen und dar­auf zu achten, worauf es in der Schweiz im Umgang mit anderen Menschen ankommt. «Diese Fächer sind wichtig, weil auch in der Arbeitswelt der Umgang untereinander elementar ist», erklärt Heinz Gerig, Ausbildungsleiter bei Hotel & Gastro formation in Weggis. Er hat den Riesco-Lehrgang ursprünglich für die Gastronomie entwickelt und ihn dann gemeinsam mit Rektor Meier auf die Bedürfnisse der Gebäude- und Automobilbranche angepasst. Lehrmeister: «Praxistauglich» Tesfalem Mengstab lebt seit vier Jahren als Flüchtling in der Schweiz und war bis anhin ohne Arbeit. Dank des Lehrgangs hat er nun eine Stelle bei der Firma Waldvogel in Winterthur gefunden. Ihm habe alles gefallen, sagt der Familienvater. «Ich hatte Einblick in die Heizungs- wie in die Automobiltechnik, alles war sehr interessant.» Auch Bakil Kasim findet nur lobende Worte: «Am Anfang war es etwas schwierig wegen der Sprache, aber die Lehrer waren sehr freundlich und hatten viel Geduld mit uns», erinnert sich der 19-Jährige aus dem Jemen. Er brachte schon etwas Erfahrung mit, denn er hatte in seiner Heimat als Fahrradmechaniker gearbeitet. «Ich wusste wenigstens schon, wie man das Werkzeug in die Hände nimmt.» Er beginnt 2015 eine Ausbildung als Automobil­assistent in der Firma J. H. Keller in Zürich. Bis dahin absolviert er ein weiteres Praktikum und besucht Deutschkurse. «Was die jungen Männer im Kurs gelernt haben, ist absolut praxistauglich», sagt Roman Hassler, Bakil Kasims künftiger Lehrmeister. Die Finanzierung der Riesco-Lehrgänge übernehmen die Kantone, bis heute wurden sie in den Kantonen Zürich und Luzern angeboten. Julia Morais, die Beauftragte für Integrationsfragen im Kanton Zürich, lobte in ihrer Ansprache die Kurse: «Arbeitsintegration ist der Schlüssel für eine gelungene Integration von Flüchtlingen.» Und für Adrian Gerber, den Leiter Integration beim Bundesamt für Migration, ist es wichtig, mit solchen Angeboten Ängste vor Fremden abzubauen: «Riesco schafft Vertrauen bei den Arbeitgebern, das spricht für die hohe Qualität.» Motivationsmangel: Geduld hilft Den jungen Männern aus dem Ausland war bewusst, dass sie die Geduld der Lehrpersonen manchmal herausforderten. Das genaue Zeichnen oder das Umwandeln von Längen verschaffte dem einen oder anderen Kursteilnehmer Kopfzerbrechen: «Ich musste immer wieder eine Verbindung zum täglichen Leben herstellen», erinnert sich Kurt Badertscher, Lehrgangsleiter der STFW. Und Heinz Gerig berichtet, dass die Motivation der jungen Männer zuweilen etwas zu wünschen übrig gelassen habe: «Als ich jeweils nach Winterthur fuhr, um sie anzuspornen, machte ich mich nicht immer beliebt», erzählt er mit einem breiten Lachen.

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