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Zyperns Bäcker haben ein grosses Herz

nikosia. Die Bevölkerung Zyperns übt sich fast ohne Bargeld in der Krisenbewältigung. Benzin gibt es nur gegen bar. Dafür senken die Grossbäcker ihre Preise, um Solidarität zu zeigen.

Zyperns grosse Bäckereien haben ein Herz für die Menschen und vor allem die Kinder. Auch wer ein Bankkonto in Zypern hat, wie viel da auch drauf ist und was immer abgezogen werden mag – Bargeld ist knapp auf der Insel. Und die Banken bleiben noch bis Dienstag geschlossen. Die Grossbäckerei Zorbas hat deshalb die Preise gesenkt, vor­übergehend versteht sich. Wer eine Tüte Milch für 1,40 Euro und ein Brot für 1,42 Euro kaufen wollte, musste ab Samstag nur 1,50 Euro für beides bezahlen. Auch die Grossbäckereien Pandora und Marangos zogen mit demselben Angebot nach. «Wir haben gesehen, wie es den Leuten geht, und dachten einfach, das sei nötig», sagte ein Zorbas-Sprecher. «Wir hoffen, dass andere Geschäfte bei Waren des Grundbedarfs folgen.» Und eher privat als für seine Firma fügte er hinzu: «Es ist eine Schande, was man den Leuten wegnimmt.»

Wo immer noch ein Geldautomat Scheine hergab, standen die Zyprer am Wochenende Schlange. Denn Bargeld ist knapp geworden auf der Insel. Und manches ist nicht mit der Kreditkarte zu bezahlen, wie das Tanken. «Tanken ist auf Zypern ein Bargeldgeschäft», erläutert der Vorsitzende des Verbandes der Tankstellenpächter, Stefanos Stefanou im Gespräch mit der Zeitung «Cyprus Mail». Es gebe genug Benzin und Diesel auf der Insel. Dennoch: «Wir mussten eine Reihe von Tankstellen schliessen, weil sie kein Bargeld mehr haben.» Denn auch die Tankwagen werden bei Lieferung in bar bezahlt. «Heute mag die eine oder andere Tankstelle noch Kreditkarten annehmen, aber ab heute ist das vorbei.»

Zorniger Erzbischof

Zorn bestimmte am Wochenende die Stimmung auf Zypern. Und Angst. Angst um den Arbeitsplatz im riesigen Bankensektor etwa. So gingen mehr als 3000 Menschen am Samstag auf die Strasse, um gegen den Verlust ihrer Stelle in einer der beiden grossen Banken Laiki und Bank of Cyprus zu protestieren. Laiki soll aufgespalten und die Bank of Cyprus drastisch verkleinert werden.

Zornig äusserte sich auch Erzbischof Chrysostomos über die schwarze Woche Zyperns. Das Oberhaupt der orthodoxen Kirche ist für klare Worte berühmt. So machte er die zyprischen Unterhändler, die das erste Rettungspaket mit der Troika ausgehandelt hatten, dafür verantwortlich, dass Präsident Anastasiadis in der Euro-Gruppe «über den Tisch gezogen» worden sei. Sie wie auch die Verantwortlichen der Vorgängerregierung, die das Land in den Ruin geführt hätten, müssten «allesamt bestraft werden». Chrysostomos sieht den Ausweg offenbar nur in der Rückkehr zum Zypern-Pfund. Das war die Inselwährung von 1878 bis 2007; bis zur Unabhängigkeit 1960 war der Wechselkurs an den des britischen Pfundes gebunden. Mit den in Brüssel den Ton angebenden Köpfen gebe es für Zypern keine Dauerlösung in der Euro-Zone, so der Erzbischof.

Aus dem Flieger in die Sitzung

Präsident Anastasiadis rief seinen Finanzminister Michalis Sarris und den Vorsitzenden der Regierungspartei Demokratische Sammlung (Disy), Averof Neofytou, und flog am frühen Sonntagmorgen um 7.15 Uhr nach Brüssel. Raus aus dem Flugzeug und rein in die Krisensitzungen hiess es für den seit seinem Amtsantritt vor 24 Tagen im Dauereinsatz befindlichen Staats- und Regierungschef. Als Erstes traf er mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Ratspräsident Herman Van Rompuy zusammen. Am Nachmittag kamen der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Dra­ghi und die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Christine Lagarde dazu. Sie wollten das Treffen der Euro-Gruppe am frühen Abend vorbereiten. Parallel liefen die Gespräche mit der Euro-Gruppe. «Alle halbe Stunde haben die einen neuen Vorschlag», stöhnte ein zyprischer Verhandler laut Medienberichten auf der Insel. Anastasiadis wandte sich am Sonntag mit einer Botschaft an die Inselgriechen. Innenminister Sokrates Hasikos verlas sie bei der Gedenkfeier für einen Helden der Kämpfe gegen die britische Kolonialherrschaft. «Ich habe volles Vertrauen in das Durchhaltevermögen und die Entschlossenheit des zypriotischen Hellenismus», erklärte Anastasiadis. Er habe ein bankrottes Land übernommen und wisse, dass keine Familie auf Zypern beim Weg aus der Krise von Lasten verschont bleiben werde. «Ich bin mir der Verbitterung und des Zorns der Menschen von Zypern bewusst.» Menschen, die ihren Job und ihr Geld verloren hätten, in Schlangen anstehen müssten, um Essen von der Sozialhilfe zu bekommen, hätten eine verständliche Wut. In Nikosia hielten sich am Sonntag die 56 Parlamentsabgeordneten bereit, um jederzeit in einer Sondersitzung über das – erhoffte – Rettungspaket Nummer zwei abstimmen zu können. Auch eine, wie immer ausgestaltete, Zwangsabgabe auf die Bankeinlagen war kein Tabuthema mehr. Denn am Montagabend droht Zypern der Bankrott, wenn es den Auflagen der Troika nicht nachgeben sollte.

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