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Zyperns Kleinanleger sollen geschont werden

Die Euro-Gruppe will Kleinanleger von der Sonderabgabe für Bankkunden in Zypern ausnehmen. Das bestätigten Verhandlungskreise am Montagabend nach einer Telefonkonferenz der Euro-Finanzminister.

Die Euro-Gruppe sei weiterhin der Ansicht, dass Kleinanleger anders als Grossanleger behandelt werden sollten und bekräftige die Wichtigkeit, Einlagen unter 100'000 Euro vollkommen zu garantieren, heisst es in einer Erklärung der Euro-Gruppe.

Die Euro-Finanzminister hatten am frühen Abend eine Telefonkonferenz angsetzt, nachdem ihr Entscheid vom Wochenende auf der Mittelmeerinsel Zypern einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hatte. Auch die Regierung Zpyerns hatte Nachverhandlungen angemeldet.

Die Euro-Finanzminister hatten ursprünglich am Wochenende beschlossen, dass auch Einlagen unter 100'000 Euro herangezogen werden, um das hoch verschuldete Euro-Land vor der Staatspleite zu retten.

Den Auflagen der internationalen Geldgebern zufolge muss der zyprische Bankensektor 5,8 Mrd. Euro beisteuern, damit die Hilfen im Volumen von zehn Milliarden Euro fliessen können.

Das zyprische Parlament soll am Dienstag über das umstrittene Gesetz zur Zwangsabgabe auf Bankeinlagen abstimmen. Ursprünglich wollte das Parlament am Sonntag abstimmen. Dies wurde aber erst auf Montag und nun erneut verschoben.

Zyperns Präsident Nikos Anastasiades hatte am Sonntagabend im Fernsehen für das EU-Rettungspaket geworben. Zugleich versuchte er, die von Abgaben bedrohten Kleinsparer zu besänftigen.

Umstrittenster Punkt des Rettungspakets sind Sonderabgaben von 6,75 bis 9,99 Prozent auf die Spareinlagen der Bankkunden. Die Verluste würden die Zinsen von zwei Jahren kaum übersteigen, sagte Anastasiades, und die Massnahme sei einmalig. Ausserdem würden die Kunden umgehend mit Aktien der betroffenen Banken entschädigt.

Treuen Kunden stellte Anastasiades eine weitere Kompensation in Aussicht: Wer sein Geld für die nächsten zwei Jahre im Lande lasse, soll 50 Prozent der verlorenen Summe in Form von Optionen auf die Gewinne aus den vermuteten Gasvorkommen vor der Küste Zyperns erhalten.

Mit teilweise dramatischen Worten hatte der Staatschef im Fernsehen für die Beschlüsse des Eurogruppen-Treffens geworben. Zypern befinde sich im Notstand. Das Land durchlebe seine schlimmste Krise seit der türkischen Invasion und der Teilung de Insel 1974.

Anastasiades umriss noch einmal die Alternativen einer ungeordneten Staatspleite oder einer schwierigen, aber kontrollierten Situation, die die Chance auf einen Neubeginn biete.

Er habe sich für Letzteres entschieden, trotz seiner ursprünglichen Zusage, dass die Bankguthaben nicht angetastet würden. Er übernehme dafür die volle Verantwortung.

Allein die Ankündigung, die Abgabe zu erheben, hatte am Samstag in Zypern für Aufruhr gesorgt. Genossenschaftsbanken, die normalerweise am Samstag arbeiten, blieben geschlossen, um einen Ausverkauf zu verhindern. An Geldautomaten liess sich zwar Bargeld abheben, weitere Transaktionen waren allerdings nicht möglich. Die Finanzinstitute bleiben nun voraussichtlich bis Donnerstag geschlossen.

(sda)

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