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Basketball-Star LeBron JamesNicht einfach «dribbeln und die Fresse halten»

LeBron James will Menschen, die sonst ungehört bleiben, eine Stimme geben. Dafür hat er das Medienunternehmen Spring Hill gegründet – das könnte die US-Medien verändern.

Mission abseits des Courts: Basketball-Superstar LeBron James bei einer Promoveranstaltung für seine Förder-Initiative More than an Athlete.
Mission abseits des Courts: Basketball-Superstar LeBron James bei einer Promoveranstaltung für seine Förder-Initiative More than an Athlete.
Foto: Carsten Koall (Keystone)

LeBron James wird bei der Fortsetzung der NBA am 30. Juli auf der Rückseite seines Trikots seinen Nachnamen stehen haben. Das ist zwar nicht ungewöhnlich, und doch ist es überraschend, weil die nordamerikanische Basketballliga ihren Spielern erlaubt hat, eine von 29 politischen Botschaften zu wählen – weil James als Aktivist für soziale Gerechtigkeit und gegen Rassismus bekannt ist. Über seiner Rückennummer 23 wird jedoch nicht «Black Lives Matter», «Equality» oder «Peace» stehen, sondern wie immer einfach nur: James.

Nach der Ankunft im US-Bundesstaat Florida, wo 22 Teams in Disneyworld untergebracht sind und um den Titel spielen werden, sagte James: «Ich brauche nichts auf der Rückseite meines Trikots, damit die Leute verstehen, worum es mir geht und was ich tun möchte.»

100 Millionen Dollar Kapital

Man könnte auch sagen: Er will die Kontrolle über das Narrativ seiner Karriere, vielleicht sogar seines Lebens behalten. Genau deshalb bastelt er gemeinsam mit Jugendfreund Maverick Carter an einem Medien-Imperium, das kürzlich bei einer Finanzierungsrunde 100 Millionen Dollar eingesammelt hat. Spring Hill (benannt nach dem Apartment-Gebäude, in dem James in eher armen Verhältnissen aufgewachsen ist) soll Leuten eine Stimme geben, die ansonsten ungehört bleiben würden. Das ist seine Mission: Menschen zu fördern, die es nicht immer leicht hatten im Leben. Also: weniger Botschaft, mehr Aktion.

James ist Basketballspieler, aber er ist nach drei NBA-Titeln sehr viel mehr – vielleicht auch deshalb, weil ihm die Fox-News-Moderatorin Laura Ingraham im Februar 2018 zugerufen hatte, dass er bei politischen und gesellschaftlichen Themen doch lieber mal die Fresse halten möge: «Shut up and dribble!», sagte sie.

«Equality»: LeBron James will die Medienlandschaft neu mitgestalten und jenen eine Plattform bieten, die bisher zu kurz kamen.
«Equality»: LeBron James will die Medienlandschaft neu mitgestalten und jenen eine Plattform bieten, die bisher zu kurz kamen.
Foto: LeBron James via Instagram

Genau das tut James nicht. Er hat die Initiative More than an Athlete (Mehr als nur ein Sportler) gegründet. Dann hat er die Initiative More than a Vote (Mehr als eine Stimme) nachfolgen lassen, damit mehr Leute an Wahlen (im November wird ja der US-Präsident gewählt) teilnehmen.

«Hoffentlich werden sich die Leute nicht nur daran erinnern, wie ich Basketball gespielt habe; sondern auch, wie ich mein Leben als Afroamerikaner angegangen bin», sagte er kürzlich der «New York Times»: «Meine Vorbilder sind Muhammad Ali, Bill Russell oder Oscar Robertson. Es sind Leute, die sich engagiert haben in Zeiten, die viel schlimmer waren.»

Maverick Carter ist der Geschäftsführer des Medien-Unternehmens Spring Hill Entertainment und hat in Los Angeles in den vergangenen Jahren einige Projekte in die Wege geleitet – Formate, die im klassischen TV von den Kontrollgremien abgelehnt würden: die Doku-Serie «Shut Up and Dribble» über die gesellschaftliche Verantwortung von Sportlern. Das Reality-Format «The Shop: Uninterrupted», in dem afroamerikanische Promis frei von der Leber weg reden können. Oder das Edutainment-Format «Kneading Dough», bei dem Sportler wie Serena Williams oder Lindsey Vonn, die auch erfolgreiche Geschäftsleute sind, Tipps zum Umgang mit Geld geben.

Der 35-jährige LeBron James hat aufgrund seines Reichtums (sein Privatvermögen wird auf 500 Millionen Dollar geschätzt) und seiner popkulturellen Prominenz die Chance, die US-Medien nachhaltig zu ändern. Er ist wild entschlossen, genau das zu tun. Und das ist auch der Grund, warum er keine politische Botschaft auf seinem Trikot tragen wird. Er will sich nicht einspannen lassen, nicht einfach nur mitmachen. Er kann selbst bestimmen, auch wenn das bedeutet, hin und wieder die Kontrolle abzugeben. «Er ist der Gründer und Nordstern – das bedeutet aber nicht, dass alles mit ihm zu tun haben muss», sagte Devin Johnson, der das operative Geschäft leitet, kürzlich dem Portal Bloomberg. Es geht stets um diese Mission, die letztlich lautet: Gleichberechtigung.

Es ist immer ein wenig heikel, wenn Sportler die Kontrolle über das Narrativ behalten wollen – viele Autobiographien sind ja auch deshalb unfassbar öde, weil Abgründe ausgespart werden und es meist weniger spannende Erzählung als nervige Rechtfertigung ist.

Das Sportlerinnen-Paar Megan Rapinoe und Sue Bird: Auch sie arbeiten mit LeBron James zusammen und engagieren sich für LGBTQI-Themen.
Das Sportlerinnen-Paar Megan Rapinoe und Sue Bird: Auch sie arbeiten mit LeBron James zusammen und engagieren sich für LGBTQI-Themen.
Foto: Instagram

James hat das verstanden. Er gibt einen Grossteil der Kontrolle an die Mitarbeiter ab, von denen nur 36 Prozent hellhäutig sind. 40 Prozent sind Frauen, immerhin. Es gibt eine Kooperation mit der Fussballspielerin Megan Rapinoe und der Basketballerin Sue Bird, die privat liiert sind, die Einnahmen aus dem Verkauf von Pullis mit der Regenbogenflagge darauf kommen LGBTQ-Plus-Stiftungen zugute.

Die Botschaft auch hier: Jeder soll eine Chance haben im Leben, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht – ausser freilich beim Basketball, da will James dann schon der Beste sein. Der Favorit vor dem Neustart der Liga: der Verein, auf dessen Trikot sein Nachname stehen wird.