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Finale im US-WahlkampfNoch lauter und noch schärfer

Bei der Präsidentenwahl 2020 sind mehr als die traditionellen sechs Swing-States umkämpft. Sowohl Demokraten als auch Republikaner führen unerbittliche Wahlkämpfe.

Vier weitere Jahre mit Donald Trump: Supporter des US-Präsidenten in Phoenix, Arizona.
Vier weitere Jahre mit Donald Trump: Supporter des US-Präsidenten in Phoenix, Arizona.
Foto: Keystone

Wer wissen will, wo die US-Präsidentschaftswahl entschieden wird, muss lediglich einen Blick auf die Reisepläne der beiden Kandidaten werfen. Für Amtsinhaber Donald Trump standen an diesem Freitag Auftritte in Michigan, Minnesota und Wisconsin auf dem Programm. Herausforderer Joe Biden nahm ebenfalls Minnesota und Wisconsin ins Visier, zudem reiste er nach Iowa.

Am Donnerstag waren beide Kandidaten in Florida aufgetreten, in der gleichen Stadt: Tampa. In Florida ist der Wahlausgang üblicherweise notorisch knapp. Falls Trump Florida nicht gewinnt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass er Präsident bleibt. Biden sagte in Florida: «Wenn wir hier gewinnen, ist es vorbei.» Was Biden meinte: Dann ist es ziemlich sicher, dass er ins Weisse Haus einzieht.

Pennsylvania, Michigan, Wisconsin: Dieses Trio gilt den Demokraten als der Schlüssel zum Sieg.

Sechs Bundesstaaten gelten als Swing-States, weil sie nicht zuverlässig demokratisch oder republikanisch wählen. Es sind Arizona, Florida, Michigan, North Carolina, Pennsylvania und Wisconsin. In all diesen Staaten führt Biden den Umfragen zufolge, all diese Staaten hat Trump 2016 gewonnen. Es würde für Biden reichen, drei dieser Staaten zu erobern, solange er keinen der Staaten verliert, die Hillary Clinton 2016 gewonnen hat.

Das bedeutet, dass er eine Niederlage in Florida verschmerzen könnte. Die Hoffnungen der Demokraten liegen auf Pennsylvania, Michigan und Wisconsin. Dieses Trio gilt ihnen als der Schlüssel zum Sieg.

Umkämpft sind auch Iowa, Georgia und Minnesota

In diesem Jahr sind allerdings mehr als die traditionellen sechs Swing-States umkämpft. Dass Biden etwa in Iowa auftritt, liegt daran, dass beide Kandidaten dort gleichauf liegen. Er braucht den Staat im Grunde nicht. Dass er dort trotzdem Zeit investiert, gilt unter Beobachtern als Zeichen von Zuversicht. Er glaubt, er könne es sich leisten, nicht alle Ressourcen auf die für ihn entscheidenden Staaten zu konzentrieren, sondern stattdessen Trump in dessen Kernland anzugreifen. Man spricht in diesem Fall von einer offensiven Strategie.

Trump hingegen ist zuletzt zum Beispiel unter anderem in Georgia aufgetreten. Dieser Staat wählt normal zuverlässig republikanisch, er sollte sich Besuche dort sparen können. Den Umfragen zufolge führt Biden allerdings mit einem Prozentpunkt in Georgia. Wenn Trump dort auftritt, tut er das nicht, um Biden anzugreifen, sondern um sich zu verteidigen. In diesem Fall spricht man von einer defensiven Strategie. In die Offensive geht Trump hingegen in Minnesota. Dort führt Biden allerdings mit acht Prozentpunkten.

Genug von Donald Trump: Anhängerin des Demokraten-Duos Joe Biden und Kamala Harris in Tucson, Arizona.
Genug von Donald Trump: Anhängerin des Demokraten-Duos Joe Biden und Kamala Harris in Tucson, Arizona.
Foto: Keystone

Auch 2016 lag Trump in den Umfragen zurück. Damals war jedoch die Zahl der Unentschlossenen deutlich höher als jetzt. Die Mehrzahl ihrer Stimmen fiel 2016 an Trump, was ein Grund dafür war, dass die Umfragen auf den Kopf gestellt wurden. Ein weiterer Grund war, dass in ihnen weisse Männer ohne Hochschulabschluss unterrepräsentiert waren, Trumps treueste Wähler. Die Institute versichern, sie hätten aus dem Fehler gelernt.

Florida zählt bereits die Stimmen

Mehr als 75 Millionen Amerikaner haben ihre Stimme bereits abgegeben, Tendenz stark steigend. 2016 hatten lediglich 47 Millionen Menschen vor dem Wahltag abgestimmt. In Pennsylvania und Wisconsin dürfen die Stimmen erst nach Schliessung der Wahllokale ausgezählt werden. Es könnte daher lange dauern, bis dort Ergebnisse vorliegen.

In Florida hingegen werden jetzt schon eintreffende Stimmen gezählt. Es wird erwartet, dass in dem Bundesstaat mehr als sechs Millionen Voten per Post abgegeben werden, bei 13,5 Millionen Wahlberechtigten. Da die Zählung bereits im Gange ist, könnte es in der Wahlnacht vergleichsweise früh eine Tendenz aus Florida geben.

14 Kommentare
    Heinz Fahrni

    Eigentlich, fast noch wichtiger als die Abwahl von Trump ist die Abwahl der fanatischen, sektenhaften, republikanischen Senatoren. Diese verursachen für die US-Bevölkerung in der jetzigen Konstellation mehr Schaden als Trump selber mit seinem hörigen Kabinett.