Zum Hauptinhalt springen

Interview mit Stargenetiker«Ohne Einwanderung wäre Europa nicht so weit gekommen»

Der Biochemiker Johannes Krause rekonstruiert die Geschichte der Menschheit – die nur durch Immigrantenströme fortschreiten konnte.

Deutsche Juden auf der MS St. Louis bei ihrer Ankunft in Antwerpen am 17. Juni 1939 – in Kuba hatte man sie abgewiesen.
Deutsche Juden auf der MS St. Louis bei ihrer Ankunft in Antwerpen am 17. Juni 1939 – in Kuba hatte man sie abgewiesen.
Foto: Bettmann/Getty Images

Der Shootingstar der alten Knochen wirkt jugendlich: schlank, wuschelige Haare, und während des Zoom-Calls setzt Johannes Krause mehrmals eine Flasche Club-Mate an den Mund. Mit gerade einmal vierzig Jahren hat der Biochemiker mehr erreicht als die meisten in ihrer gesamten Forschungskarriere – mehrmals schon hat er die Menschheitsgeschichte umgeschrieben. Krause ist eine Koryphäe der Archäogenetik, einer recht jungen Disziplin, die Erbmaterial aus Tausende Jahre alten Knochen analysiert. In seiner Doktorarbeit fand er auf diese Weise heraus, dass Frühmenschen Sex mit Neandertalern hatten – denn wir teilen Gene mit ihnen, wie er aufzeigen konnte. Die zugrunde liegende Studie wurde im Fachmagazin «Science» veröffentlicht, für diese Arbeit bekam Krause mit seinen Co-Autoren die Auszeichnung für den besten Fachartikel des Jahres. Dann entdeckte Krause anhand von 30 Milligramm Knochenstaub, dass es neben den modernen Menschen und den Neandertalern noch eine dritte menschliche Spezies gegeben hat, den Denisova-Menschen. Auch die Migrationsbewegungen, die die Bevölkerung Mitteleuropas geprägt haben, konnte er mittels DNA-Analysen weitgehend aufklären. Sein Buch «Die Reise unserer Gene» ist zum Bestseller geworden.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.