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Grosse Klappe und viel dahinter

Der Honda Civic kommt in zehnter Generation. Der Japaner ist optisch nach wie vor provokant, fahrerisch ist er dafür umso ansprechender.

Wir Autojournalisten flachsen gerne untereinander. Über die Autos, die wir gerade testen. Das ist freilich nicht ernst gemeint und verpufft in dem Moment, in dem wir in die Tasten hauen und wir wieder fair sein müssen.

So muss auch der neue Honda Civic an der Fahrpräsentation in Barcelona kräftig einstecken. Wir amüsieren uns über die grossen Plastikapplikationen mit angedeutetem Wabenmuster, die wohl sportlich wirken sollen, tatsächlich aber keine Funktion haben, ausser schlecht auszusehen. Wir spotten über den komischen doppelten Heckspoiler, der eine an der Dachkante, der andere von den klobigen Heckleuchten ausgehend. Und wir witzeln über die hervorstehende Frontschürze, die ein bisschen an einen Autoscooter auf der Chilbi erinnert.

«Typisch Japaner eben», urteilt der eine. «Er sieht aber besser aus als der Vorgänger», besänftigt ein anderer. «Klar, das ist aber auch keine Kunst», kontert ein Dritter. Tatsächlich ist der neue Honda Civic typisch japanisch gestaltet und verlangt nach einem besonderen Geschmack. Damit spricht er eine Kundschaft an, die sich vom Kompaktsegment-Einheitsbrei abheben will. Die nunmehr zehnte Generation des Civic schafft das zumindest in der Hatchback-Version mit markantem Schrägheck; die etwas später auf den Markt kommende Fliesshecklimousine wirkt harmonischer und damit auch etwas weniger charismatisch.

Hinter dem Steuer Platz genommen, verstummt das Geflachse sofort. Der Innenraum wirkt solide verarbeitet und ist elegant gestaltet. Hinter dem Volant strahlen digitale Instrumente, aus der Mittelkonsole ragt ein grosser Bildschirm in Tabletmanier, die Bedienung erschliesst sich einem schnell. Was uns nicht gefällt: Die Bedientasten auf dem Lenkrad sind optisch und haptisch ein Graus.

Die Sitzposition ist tief, sehr tief für dieses Segment, das Lenkrad liegt gut in den Händen, der schlanke Schaltknauf schmiegt sich in die Handfläche – das wirkt schon vor dem Losfahren sehr sportlich. Und der Eindruck trügt nicht: Obwohl der neue 1-Liter-Dreizylinderturbo mit 129 PS und der 1,5-Liter-Vierzylinder mit 182 PS beide nicht gerade Rennambitionen wecken, fühlt sich der kompakte Japaner äusserst sportlich an. Satt liegt er in den Kurven, der tiefe Schwerpunkt macht sich positiv bemerkbar. Die Lenkung ist direkt und zielgenau, das Fahrwerk macht einen guten Job – da freuen wir uns umso mehr auf den nächsten Type R, der im Herbst folgt.

Der Dreizylinder ist freilich vor allem für Sparsame gedacht, während der Vierzylinder Menschen anspricht, die gerne auch mal etwas flotter unterwegs sind – in der Schweiz wird der 1,5-Liter also deutlich mehr Anklang finden. Später folgen eine Dieselvariante und wie erwähnt der Type R; das Sportmodell ist in der Schweiz heiss begehrt und wird wiederum ein grosses Stück am Civic-Kuchen ausmachen.

Als Getriebe stehen ein Sechs-Gang-Schaltgetriebe sowie, als Automatik, ein stufenloses CVT-Getriebe im Angebot. Keine Frage, welches wir bevorzugen: Das manuelle Getriebe schaltet sich wunderbar knackig mit kurzen, präzisen Schaltwegen, während das CVT-Getriebe, obwohl ein weiteres Mal optimiert, mit seiner Gummiband-Charakteristik nervt. Honda setzt, wie andere japanische Hersteller, weiterhin voll auf diese Automatik-Art, weil sie auf dem Papier (also auf dem Zulassungsprüfstand) sparsamer ist. Wir finden: Baut bitte ein Doppelkupplungsgetriebe oder eine gute Wandlerautomatik ein!

Der zehnte Civic ist deutlich gewachsen, um 13,6 Zentimeter in der Länge und 3 Zentimeter in der Breite, und bietet folglich mehr Platz im Innenraum. Die von uns gefahrene Hatchback-Version mit grosser Heckklappe bietet einen gut zugänglichen Laderaum von 420 bis 1267 Liter, da gibt es nichts zu jammern.

Der neue Honda Civic reisst also die Klappe ganz schön weit auf – doch tatsächlich steckt auch viel dahinter. Der japanische Kompaktwagen ist sehr angenehm zu fahren, bietet viel Platz und ist gut ausgestattet; so sind in der Schweiz alle Sicherheitsfeatures in allen Versionen serienmässig – bravo! Der Preis startet bei 19‘900 Franken.

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