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Gute Partie mit üppiger Aussteuer

Kaum hat VW einen neuen Golf vorgestellt, legt Hyundai mit dem i30 nach. Der Kontrahent aus Südkorea macht mit Verarbeitung und Preis/Leistung weiter Boden gut. Aber reicht das, um aufzuschliessen?

«Da scheppert nichts!» Vor knapp sechs Jahren sass Martin Winterkorn, damals noch VW- Chef, in der letzten Generation des Hyundai i30, und als er die Lenkradverstellung löste, war es mit seiner guten Laune vorbei. Kein Klacken, kein Scheppern – es war einfach nichts zu hören. Und Winterkorn entfuhr es: «BMW kanns nicht, wir könnens nicht, warum kann es dann der?»

Unterdessen hat es bei VW gescheppert, und zwar zünftig, und der einst unantastbare Verwaltungsratsvorsitzende ist nicht mehr der Chef. Die Rivalität mit dem asiatischen Emporkömmling aber ist geblieben oder hat sich noch zugespitzt. Hyundai bleiben den Deutschen auf den Fersen. Kaum wurde der neue Golf vorgestellt, lassen die Südkoreaner den neuen i30 vom Stapel. Der dritte ist es, nach haus­interner Generationenzählung, lieferbar ab Januar 2017.

Die Strategie beider Hersteller ist weitgehend unverändert. VW beansprucht die technische Führerschaft, pflanzt in seinen Golf ein virtuelles Cockpit oder eine noch nicht ganz ausgereifte Gestensteuerung. Hyundai setzt auf populärere Technik-Features, bündelt diese und macht sie für vernünftiges Geld erschwinglich.

Mit bemerkenswertem Resultat: Die zum Start in der Schweiz erhältliche Launch-Edition bietet zu Preisen ab 23'950 Franken Bi-LED-Scheinwerfer, einen Spurhalte- und einen Notbremsassistenten, eine Rückfahrkamera, ein Digitalradio mit DAB+, einen Tempomaten und eine automatische Zwei-Zonen-Klimaanlage. Hinzu kommen viele Annehmlichkeiten, wie man sie anderswo eher auf der Optionenliste findet, wie eine Skidurchreiche oder eine elektrische Lordosenstütze für den Fahrersitz.

Die höhere Version Launch plus, jeweils in der stärkeren Motorisierung und ab 30'650 Franken erhältlich, fällt dann so üppig aus wie einst die Aussteuer der besten Partie im Dorf: Lederinterieur, beheizte und belüftete Frontsitze, Multimedia- und Navigationssystem mit 8-Zoll-Farbdisplay, schlüsselloser Zugang und ein Assistenzpaket mit Totwinkel- und Querverkehrswarner, Abstandstempomat und Fussgängererkennung. Das alles gibt es ab Serie, und zwar mit Schminke und Festfrisur wie 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, Alupedalerie und Fensterverdunklung ab der B-Säule. Dass Hyundai dazu fünf Jahre Werksgarantie gewährt, ohne Kilometerbeschränkung, ist dann das Tüpfelchen auf dem i30.

Ob der Golf-Konkurrent in der Praxis mit der Papierform mithalten kann, testen wir in Südspanien. Die üppige Ausstattung mit ihrer guten Bedienbarkeit und heimeligen Anmutung gefällt uns spontan. Nur mit der Kartendarstellung des Navis sind wir nicht ganz zufrieden. Aber das kann seinen Grund auch in der nicht immer einleuchtenden Verkehrsführung an der Sonnenküste haben.

Die Qualitätsanmutung ist innen rundum gut, die Frontsitze sind bequem, der Einstieg und der Aufenthalt hinten stellen auch Erwachsene nicht vor Probleme. Einzig etwas frecher könnte der i30 innen sein, aber die Südkoreaner orientieren sich nun einmal nicht an den Franzosen, sondern am in dieser Disziplin ziemlich humorlosen Golf.

Umso ungestörter können wir uns den Fahreigenschaften zuwenden. Die knackig-elastische Sechs-Gang-Handschaltung erhält bei uns den Vorzug vor dem ebenfalls in sechs Übersetzungen arbeitenden Doppelkupplungsgetriebe, das den Kontakt zum Kraftfluss synthetisiert.

Bei den Motoren, bislang so etwas wie das Entwicklungsgebiet der Südkoreaner, ist das Angebot nach der Mode: Zwei Vierzylinder-Turbodiesel mit 110 oder 136 PS, ein Dreizylinder-Turbobenziner mit 120 PS sowie ein nagelneuer 1,4-Liter-Vierzylinder mit Turbo und 140 PS stehen zur Wahl. Alles Downsizing-Aggregate. Doch hält der neue Spitzenmotor nicht, was er verspricht. Ansprechverhalten und Durchzug sind zwar gut, aber er verzehrt den Tankinhalt allzu ungestüm. Durchschnittlich 7,8 Liter auf der verkehrsfreien Autobahn zum Flughafen ist zu viel, gerade für ein Auto, das mit seiner komfortbetonten Federung und seinem zaghaften Einlenkverhalten keine sportlichen Ambitionen hat.

Der Wermutstropfen bleibt also derselbe, die bisherigen Qualitäten hat Hyundai beim i30 aber nochmals ausgebaut. Die Golf-Jagd geht weiter, und das künftig in voller Breite: Mit dem i30 N kommt nämlich noch in diesem Jahr ein GTI-Fighter auf dem Markt. Und 2018 werden die Koreaner mutig, mit einer coupéhaften vierten Karosserieversion. Der Scirocco lässt grüssen.

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