YoungMum

Auszeit für gestresste Eltern

Seit zwei Jahren kämpft unsere YoungMum-Bloggerin Silvia Makowski mit permanentem Schlafmangel. Deshalb war nun eine Auszeit angesagt.

Keine Kinder, endlich wieder einmal die Zweisamkeit als Paar geniessen: Etwas, was sich Eltern hart erkämpfen müssen.

Keine Kinder, endlich wieder einmal die Zweisamkeit als Paar geniessen: Etwas, was sich Eltern hart erkämpfen müssen. Bild: Adobe Stock

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Von unserem Hotelzimmer aus sieht man den Bodensee mal von einer ganz anderen Seite - von ganz oben. In dieser idyllischen Umgebung auf dem Pfänder bei Bregenz verbringen wir ein Wochenende zu zweit. Die Kinder durften wir, wenn auch schweren Herzens, bei meinen Eltern im 40km benachbarten St. Gallen «abgeben». Nach mehrmaligem Nachfragen bei den Grosseltern, ob das den wirklich ok sei die Kinder für 2 Tage in Ihre Obhut zu geben bekam ich zur Antwort, dass es ganz und gar kein Problem sei, dass die Kinder schliesslich auch ihre Kinder seien und es nur fair wäre, wenn sie die Kinder auch mal haben dürfen. So! Alle Zweifel verflogen! Wir gaben uns einen flüchtigen Schmatz und hüpften Hand in Hand die Treppe runter zum Parkplatz, stiegen schwungvoll ins Auto, machten die Musik ganz laut und weg waren wir – auf dem Weg ins Wochenende!

Nur wir beide

Nach unserer Ankunft am Mittag entschlossen wir erst mal eine Kleinigkeit zu essen und ein Glas Chardonnay zu bestellen. Wir beide hatten unsere Handys dabei, was dazu führte, dass wir uns gegenseitig Fotos zeigten, die wir in den letzten Tagen von unseren Kindern gemacht haben. Anstatt uns auf das herrliche Kernöldressing zu konzentrieren, schauten wir uns Videos am Tisch an, in denen Charlotte ihre kleine Schwester Vivienne umarmt und ihr den Schnuller in den Mund legt. So herzhaft lachten wir schon lange nicht mehr zusammen. Beim Chardonnay wurden wir dann etwas melancholisch, was wir doch für zauberhafte Kinder hätten und was sie jetzt wohl gerade machen würden. Ein komisches Gefühl, nur wir beide.

Sole Dampfbad und Liegestuhl

Es regnete, ideales Wetter für ein Day Spa. Im Bademantel und in den Badeschlappen machten wir uns auf den Weg in den Saunabereich. Ob die Kinder wohl schon wieder vom Mittagsschlaf aufgewacht sind? Denkt die Oma daran, Vivienne einen zusätzlichen Löffel Bimbosan Brei in die Milch zu geben? Mein Mann brach die Stille: «Weisst du noch, wie fest Charlotte weinte, als sie sich an einer Brennnessel verbrennt hat? Richtige Tränen weite sie». Nach der Paar-Massage mit österreichischen Aromaölen ruhten wir uns noch etwas auf den Liegestühlen aus und blickten aus der Glasfassade des Hotels in den nahen Wald hinein. Ideal, um total abzuschalten, würde man meinen. Doch wir vermissten die Kinder.

Abendessen

Endlich wieder einmal eine Gelegenheit, ein Cocktailkleid zu tragen. Auch wenn ich gerne das Flair einer modernen Lifestyle-Mutter verbreiten würde, so muss ich zugeben, dass es in den letzten 2, 3 Jahren nicht besonders viele Cocktailkleid-Momente gab. Nicht zu vergessen, dass ich in dieser Zeit 2 Mal 9 Monate lang einen Babybauch hatte, der nirgends reinzupassen schien. Chic gekleidet, glücklich, verliebt und Hand in Hand betraten wir das Hotelrestaurant, wo uns eine wunderbare Kerzenstimmung empfing. Die Handys liessen wir im Zimmer. Dieser Abend sollte uns gehören und Themen wie Haushalt, dreckiges Geschirr und Windeln waren daher tabu!

Die Batterien sind leer

Am Tisch schauten wir uns an und merkten, wie müde wir aussahen. Seit zwei Jahren haben wir permanenten Schlafmangel und sind immer wieder an der Grenze zur Überforderung. Dunkle Augenringe umranden unsere Augen. Wir erwarten von uns erfolgreiche Berufsleute, umsorgende Eltern, attraktive Partner, perfekte Hausfrauen oder Hausmänner zu sein. Doch ohne die familiäre Unterstützung, die frühere Generationen in einem viel grösseren Ausmass hatten, ist das schwierig. Wir sind uns einig, dass dies gerade eine sehr intensive Zeit für uns ist, die viel von uns fordert.

Zeit zu zweit steht nicht mehr an erster Stelle

Sind erst mal diese süssen, kleinen Wesen auf der Welt, steht zu zweit nicht mehr an erster Stelle. Trotzdem finden wir es richtig, ab und zu Dinge nur zu zweit zu machen und eine Auszeit vom Alltag zu nehmen. Zu Hause muss der Nachwuchs versorgt werden, ein Berg Wäsche wartet darauf, bewältigt zu werden und überall liegen Lego Duplo Klötze und Memorykarten herum. Umso schöner ist es, eine Weile dem Alltagstrott zu entfliegen. Ausserdem sorgt eine neue Umgebung für neue Eindrücke und bringt wieder frischen Wind in die Beziehung.

Fehlende Saunatücher und zu viel Salz

«Ist dein Fleisch auch etwas versalzen?», fragte ich. Schnell stellten wir fest, dass auch die Extraportion Gemüse fehlte, die wir bestellt hatten. «Es ist wirklich schön hier, aber die fehlenden Saunatücher heute Nachmittag haben mich ziemlich genervt». «Und hast du gesehen, in unserem Zimmer fehlt eine Temperaturregelung». Und so fanden wir in diesem auf den ersten Blick unfehlbaren, wunderschönen Hotel Dinge, die wir uns anders vorgestellt haben. Als wäre das das einzig mögliche Gesprächsthema, welches uns vollkommen von unseren Kindern ablenken könnte, besprachen wir, was uns nervte. Wir tauschten uns aus, wir redeten und diskutierten wie schon lange nicht mehr. Auch wenn das Thema an sich nicht wirklich der Rede wert war, so genossen wir die Ablenkung und schliesslich auch unsere Zweisamkeit. Und das, für den Rest unseres gemeinsamen Wochenendes.

Herzlichst, YoungMum (landbote.ch)

(Erstellt: 01.11.2017, 16:00 Uhr)

Über YoungMum

Silvia Makowski ist Mutter einer kleinen Tochter, Bankangestellte und nebenbei freischaffende Texterin. Sie ist Verfasserin des Blogs «YoungMum.ch», in dem sie regelmässig über das Muttersein und den Familienalltag berichtet. Sie hat eine grosse Leidenschaft für Wörter, Sätze und Geschichten und lebt mit ihrer Familie im Raum Zürich.

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