The Take

Der unvergleichliche Galavant

Galavant ist eine der lustigsten Serien der letzten Jahre. Ganz zu schweigen vom ausgezeichneten Soundtrack, der einem für alle Zeiten im Kopf herumschwirrt.

Das Logo der ausgezeichneten Serie «Galavant». Der Titel ist der Name des Helden und eine Anspielung darauf, was er am liebsten macht: sich herumtreiben.

Das Logo der ausgezeichneten Serie «Galavant». Der Titel ist der Name des Helden und eine Anspielung darauf, was er am liebsten macht: sich herumtreiben. Bild: Screenshot

Es gibt Tage, da muss ich meinen Mitbewohnern unglaublich auf die Nerven gehen. Und zwar dann wenn ich am frühen Morgen zu singen beginne: «Way Back in Days of old, there was a legend told about a hero known as Galavant». Dazu soll noch gesagt sein, dass mein singerisches Können mit meinem Enthusiasmus für dieses Lied leider nicht wirklich Schritt halten kann. Aber item, eigentlich gehts hier ja eben um «Galavant». Nur wie soll man «Galavant» (2015/2016) erklären? Das muss eigentlich gesehen werden, aber ich versuchs trotzdem.

Die amerikanische Fernsehserie ist eine Parodie der gängigen Fantasy- und Mittelalterverschnitte wie «Game of Thrones.» Aber eben auch ein Musical. In wunderbaren Ohrwürmern werden Lied um Lied alle Klischees zerpflückt. Das beginnt schon in den ersten fünf Minuten. Zum Auftakt kommt eben der Titelsong «Galavant», der einem dann für ewige Zeiten nachläuft. Es geht darin um den Titelhelden, der, nun eben, ein Held ist. Und wie es sich für einen Helden gehört, hat er natürlich auch eine Liebste, die Madelena. Doch auch der böse König Richard hat ein Auge auf sie geworfen und lässt sie kurzerhand kidnappen. Sie soll seine Braut werden. Galvant reitet sofort los um sie zu retten. Am besten schaut man gleich das Original, unten eingefügt.

Was für ein toller Held, Galavant doch ist: Der Titelsong der Serie.

Soweit so gut. Doch als Galavant im Schloss ankommt und die Hochzeit unterbricht, kommt alles anders als geplant. Statt für die grosse Liebe entscheidet sich Madalena kurzerhand für Ruhm und Reichtum. Galavant stürzt ab, lässt sich gehen und findet erst langsam wieder zu seiner früheren Form zurück, als Prinzessin Isabella ihn auf eine neue Schatzsuche mitschleppt. Das sind keine Spoilers übrigens, ist alles im Trailer zu sehen. Selten habe ich so gelacht, wie während den zwei Staffeln von «Galavant». Die 20-minütigen Folgen sind vollgepackt, mit lustigen Sprüchen und visuellen Gags.

Die Gründe, die zwei Staffeln von «Galvant» ins Herz zu schliessen, sind endlos, doch hier ein Versuch.

1. Die Ohrwürmer

Als Komponist amtet Alan Menken. Der Amerikaner ist insbesondere für seine Kollaborationen mit Disney bekannt. So hat er unter anderem die Musik für «Die Schöne und das Biest», «Aladdin» und «Pocahontas» geschrieben. Insgesamt hat er acht Oscars für sein Werk erhalten. Und wer Lieder wie «Tale as old as Time» oder «Colours of the Wind» schreibt, der hat sein Ohrwurmpotential schon längst bewiesen. Für «Galavant» arbeitet er mit Glenn Slater zusammen, der die Texte schreibt. Und praktisch jedes Lied hat eine Melodie oder eine Zeile, die einem einfach nicht mehr loslässt, und die man dann den ganzen Tag lang vor sich hin summt und seine Mitbewohner nervt.

Wiederwillige Liebende in «Maybe Your Not the Worst Thing Ever»

2. Die Parodie

Wie bereits erwähnt, parodiert «Galavant» den Heldenepos, doch dabei bleibts nicht. Alles erdenkliche kommt unter die Räder. Die typische Trainingsmontage? Aber natürlich doch.Nach einem einzigen Tag intensiven Trainings ist der Held am Wettkampftag zu kaputt, um die Arme zu heben. Das schmalzige Liebeslied? Da wächst Person A Person B schon mal ans Herz wie Schimmel auf Brot. Und natürlich werden auch zahlreiche Musicals ins lächerliche gezogen, von «West Side Story», über «Grease» zu «Les Misérables». Das wärmt die Herzen der Musicalliebhaber.

Parodie von «Do You Hear the People Sing» aus dem Musical «Les Misérables».

3. Der soziale Kommentar

Ein bisschen Ernst muss natürlich auch sein. So gibts in der Serie durchaus auch spitzfindige soziale Kommentare zu hören. Das Leben als nicht-adlige Person in einem mittelalterlichen Kontext zum Beispiel ist gar nicht toll. Nur wird das bei den meisten Fantasyserien unter den Teppich gekehrt. Gut also, dass es den Koch Vincenzo und seine Angebetete Gwynne gibt. Sie singen in «If I could Share My Life With You» frohgemut über Lepra, angreifende Hunnenhorden und die tolle Lebenserwartung von sage und schreibe 32 Jahren. Besonders zu erwähnen ist auch «That’s Democracy». Da haben die Bürger entschlossen, in Abwesenheit des Königs eine Demokratie zu errichten. Natürlich dürfen alle mitmachen. Ausser der, und der, und die da. Also eigentlich nur die Landbesitzer, die Reichen, die Gläubigen, die Gesunden, die Heteros, und die Bleichen. Und immer nur in der männlichen Ausgabe bitte.

Demokratie, aber bitte nicht für alle.

4. Der Metakommentar

Wie es sich für ein eine moderne Fernsehserie gehört, gibts auch in «Galavant» zahlreiche Metakommentare zu finden. Die Serie nimmt sich insbesondere wegen der tiefen Zuschauerquoten immer wieder selbst auf den Arm. Ein Glanzstück in diesem Bereich ist «A New Season», der erste Song der zweiten Staffel. Da bedauert der Cast, dass sie für die erste Staffel keinen Emmy gewannen, und, dass die vielen Gastschauspieler in der neuen Staffel ein Vermögen kosten. Oder die Tatsache, dass die meisten Zuschauer «Galavant», wenn überhaupt, eher aufnehmen werden, als live zu schauen. Aber es ist auch ein Versprechen: Die neue Staffel wird spitze! (War sie dann auch)

Eine Vorschau auf die zweite Staffel, mit einigen bösen Seitenhieben auf andere Fernsehprogramme.

Was will man mehr. Ich ziehe mir jetzt auf jeden Fall zum tausendsten Mal, den Soundtrack rein und nerve meine Mitbewohner. «Way Back in Days of Old...»

Erstellt: 29.11.2017, 16:32 Uhr

ZSZ-Redaktorin Olivia Tjon-A-Meeuw liebt Kinosäle, steht zu ihrer Netflix-Sucht und hasst nichts so sehr wie Spoiler. An dieser Stelle bloggt sie über ihre Leinwand- und Streaming-Erlebnisse und bewertet Filme und Serien. (Bild: Fabienne Sennhauser)

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