The Take

Ein absurdes Vergnügen

Die Kingsmen sind wieder zurück. Auch in der zweiten Runde überzeugen sie mit Schirm, Charme und Explosionen.

Kingsman Eggsy (Taron Edgerton) schaut den neusten Herausforderungen gelassen entgegen.

Kingsman Eggsy (Taron Edgerton) schaut den neusten Herausforderungen gelassen entgegen. Bild: zvg 20th Century Fox

Von Anfang bis Ende von Kingsman: The Golden Cirlce war im Kino Gelächter zu hören. Die Fortsetzung des Hits von 2014 ist spassiges, absolut wahnwitziges Popcornkino, das mit einem Knall beginnt und dann in wahnwitzigem Tempo weitermacht.

Eggsy (Taron Edgerton) ist nun ein vollwertiges Mitglied des privaten britischen Geheimdienst Kingsman. Gemeinsam mit dem technischen Genie Merlin (Mark Strong) rettet er routiniert und tadellos gekleidet die Welt. Der Verlust seines Mentors Harry (Colin Firth) aus dem ersten Film ist zwar noch spürbar, doch für Melancholie bleibt keine Zeit. Ein neuer Bösewicht tritt auf den Radar der Kingsmen: Die Drogenbaronin Poppy (Julianne Moore). Nachdem ihr ein vernichtender Schlag gegen die Kingsman Organisation gelungen ist, sehen sich Eggsy und Merlin gezwungen bei ihren amerikanischen Cousins, den Statesmen um Hilfe zu bitten. Denn das war erst Teil eins von Poppys diabolischem Plan.

Der zweite Teil der Kingsman Reihe versteckt seine Comicbuchherkunft noch weniger als sein Vorgänger. Mit jeder neuen Szene erscheint eine neue Absurdität auf dem Bildschirm, von wahnwitzigen Verfolgungsjagden über eine psychopatische Drogenhändlerin mit 50er-Jahre Fetisch bis hin zu einem Auftritt einer britischen Musiklegende über den hier nicht zu viel gesagt werden soll. Irgendwo steckt vielleicht auch noch eine Botschaft zum amerikanischen “War on Drugs” drin, aber die kann getrost ignoriert werden.Dafür schaut man diesen Film ja nicht.

Aber die wichtigste Frage ist natürlich, wie die Rückkehr von Colin Firths Harry in Szene gesetzt wird. Der starb nämlich im ersten Film, in einer Art und Weise, die ziemlich definitiv war. Dabei wurde explizit gesagt, dass man eben nicht einer dieser Bondfilme sei, bei denen am Schluss alles in Ordnung sei. Dass Harry nun doch wieder auftaucht, unterläuft natürlich diese Botschaft ein wenig. Doch den Filmemachern sei vergeben, denn die Erklärung für die Rückkehr fällt innerhalb des leicht absurden Kingsman-Universums nicht aus der Reihe. Und wer verzichtet schon freiwillig auf Colin Firth in seinem Film.

Der Vergleich mit der Bondreihe drängt sich natürlich generell auf, wenn britische Spione in massgeschneiderten Anzügen die Welt retten. Wo die Macher von Bond aber (seit neustem) auf Realismus setzen, geht Regisseur Matthew Vaughn in seinem Film eben vollends in die andere Richtung. Das hat zur Folge, dass der extremen Brutalität ein wenig die Wucht genommen wird. Dazu trägt auch ein typisches Problem moderner Blockbuster bei: In gewissen Actionszenen wird mit so viel computergenerierten Spezialeffekten gearbeitet, dass alles schwerelos und damit ungewollt unecht wirkt. Andererseits, wenn ein amerikanischer Agent mit Tarnnamen Whiskey mit einem Lasso als Waffe arbeitet, ist Realismus wohl nicht die grösste Sorge.

Wie bei den Bondfilmen sind die Frauenfiguren nicht immer ganz sensibel dargestellt. Es gab bereits im ersten Film eine Szene die für viele Diskussionen sorgte. In der Fortsetzung wird in einer Szene ein Frauenkörper von der Kamera in einer Art und Weise gefilmt, die extrem unangenehm ist.

Trotz solcher kleineren Fehltritte bleibt Kingsman aber ein ungemein unterhaltsamer und witziger Film. Da kann man nur gut gelaunt aus dem Kino kommen.

Olivia Tjon-A-Meeuw

Erstellt: 02.10.2017, 10:09 Uhr

The Take

ZSZ-Redaktorin Olivia Tjon-A-Meeuw liebt Kinosäle, steht zu ihrer Netflix-Sucht und hasst nichts so sehr wie Spoiler. An dieser Stelle bloggt sie über ihre Leinwand- und Streaming-Erlebnisse und bewertet Filme und Serien.

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