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Mutterliebe

Bloggerin Silvia Makowski versucht in ihrem neusten Beitrag zu ergründen, wie wichtig die Liebe einer Mutter ist und was es bedeutet, wenn diese fehlt.

Ist Mutterliebe das stärkste Gefühl überhaupt? YoungMum-Bloggerin Silvia Makowski geht dieser Frage auf den Grund.

Ist Mutterliebe das stärkste Gefühl überhaupt? YoungMum-Bloggerin Silvia Makowski geht dieser Frage auf den Grund. Bild: Adobe Stock

Wir lassen uns nachts aus dem Schlaf reissen, wir wechseln tausende von Windeln, wir tragen unsere Kinder stundenlang auf den Armen, ernähren, verteidigen, trösten und pflegen sie. Was treibt uns eigentlich an? Die Antwort ist einfach: Mutterliebe. In diesem Artikel möchte ich ergründen, wie das wohl stärkste Gefühl überhaupt entsteht, wie wichtig es ist und was es bedeutet, wenn keine Mutterliebe da ist.

Die erste Bindung nach der Geburt

Forscher fanden heraus, dass ein einziges Hormon, Oxytocin, für unser Verhalten verantwortlich ist, welches wir als «Mutterliebe» bezeichnen. Dieses Hormon wird im Gehirn bereits während der Geburt als Reaktion auf die Weitung des Muttermunds ausgeschüttet. Beginnt das Baby nach der Geburt an der Brust zu saugen, wird der Mutter eine zweite Dosis Liebeshormon verpasst. Zusätzlich schüttet der Körper besonders während der letzten Phase der Geburt Endorphine aus, welche schmerzlindernd wirken. Auch nach der Geburt ist der Endorphinspiegel im Blut hoch, die Mutter ist also im wahrsten Sine des Wortes «high». Bekommt sie in diesem Zustand ihr Baby auf die Brust gelegt, kann man sich gut vorstellen, dass eine starke Bindung entsteht.

«Welche Kraft kann einflussreicher, anspornender sein als die mütterliche Liebe, die sanfteste und zugleich unerschrockenste Kraft in der ganzen Naturordnung?»

Willhelm Busch

Mutterliebe ist in unseren Genen

Wie ist es im Falle von Kaiserschnittgeburten, Leihmutterschaften oder Risikogeburten, bei denen das Neugeborene gleich nach der Geburt inkubiert wird oder die Mutter auf die Intensivstation kommt? In diesen Fällen besteht nach der Geburt vielleicht nicht der gleiche Kontakt zwischen Mutter und Kind und im Falle der Kaiserschnittgeburt entfällt die Oxytozinüberschüttung.

Trotzdem entwickelt sich mit der Zeit eine intensive Bindung zwischen Mutter und Kind, da das Kind vor allem am Anfang hauptsächlich Zuwendung von der Mutter bekommt. Es baut Vertrauen auf und weiss: dieser Mensch ist für mich da. Diese Liebe bedeutet für das Kind vor allem Sicherheit. In ihrem Buch «Mutter Natur» schreibt Sarah Blaffer Hrdy folgendes: «Seit mehr als 35 Millionen Jahren ist Sicherheit für Primatenbabys gleichbedeutend damit, Tag und Nacht ganz nah bei ihren Müttern zu bleiben. Wer die Verbindung verlor, war so gut wie tot». Dieser Drang von Mutter und Kind, zusammen zu sein, wird also nicht nur durch den Geburtsprozess gefördert, sondern ist evolutionstechnisch sozusagen schon in unseren Genen.

«In a child's eyes, a mother is a goddess. She can be glorious or terrible, benevolent or filled with wrath, but she commands love either way. I am convinced that this is the greatest power in the universe. »

N.K. Jemisin

Wenn es der Vater schwer hat, eine enge Beziehung aufzubauen

Als ich zum zweiten Mal schwanger wurde und mich nach der Geburt um das Baby kümmern musste, hat unsere ältere Tochter Charlotte eine starke Bindung zu ihrem Vater aufgebaut. Das ist bis heute so geblieben: nur Papa darf ihr nachts das Fläschchen geben und wenn sie weint, können sie erstmal nur Papas Arme trösten. Auch sonst ist Papa halt viel lustiger. Da mein Mann absolut in unsere Kinder vernarrt ist, geniesst er diesen besonderen Status.

Doch nicht alle Väter haben so eine Beziehung. Väter, die den ganzen Tag ausser Haus arbeiten und erst nach Hause kommen, wenn das Kind schläft, haben es schwer in dieser Hinsicht. Mit der Zeit fühlen sie sich vielleicht überflüssig in der Kindererziehung und haben das Gefühl, Babypflege und Erziehung seien Frauensache. Bemühen sie sich nicht um das Kind, kann keine tiefe Bindung zwischen Vater und Kind entstehen. Auch kann es für Männer zunächst schwer sein, sich an den Familiennachwuchs zu gewöhnen. Ein Mann kann zwar bei der Geburt dabei sein, fühlt aber diese starke Mutter-Kind-Bindung nicht. Oftmals entsteht erst mit der Zeit eine innige Bindung zum Kind, durch Schlüsselmomente, bei denen es klick macht und sich ein Vater buchstäblich in das Kind verliebt.

«Die erste Erziehung ist am wichtigsten, und diese erste Erziehung gebührt unstreitig den Frauen. Wenn der Schöpfer der Natur gewollt hätte, dass sie den Männern zukäme, würde er ihnen Milch zur Ernährung der Kinder gegeben haben.»

Jean-Jacques Rousseau

Wenn die Mutterliebe nicht eintrifft

Was passiert, wenn die natürlichen Mechanismen der Liebe zum Kind versagen? Ungefähr 20 Prozent der Mütter von Neugeborenen zeigen verringerte Sensibilität gegenüber ihren Kindern. Ihre Reaktion in einer bestimmten Gehirnregion, welche eine besondere Rolle in der Verarbeitung von Emotionen spielt, fällt bei ihnen im Vergleich mit anderen Müttern beim Anblick ihres eigenen Kindes schwächer aus.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Studie der israelischen Soziologin Orna Donath. In ihrem Buch «Regretting Motherhood» beschreibt sie 23 Mütter, die es bereuen, je Kinder auf die Welt gesetzt zu haben. Sie sind nicht nur müde und genervt von der Verantwortung, sie haben offensichtlich keine innige Bindung zu ihren Kindern aufgebaut, da sie nachträglich auch ohne sie leben könnten und sogar lieber ohne sie leben würden. Für solche Mütter kann es schwierig sein, mit täglichen Stresssituationen umzugehen. Oder sie bemerken die Signale ihres Kindes einfach nicht ausreichend oder interpretieren sie falsch. Solchen Müttern muss man helfen, denn verringerte mütterliche Sensibilität kann verheerende Folgen haben: eine Mutter kann sich zutiefst unglücklich fühlen, depressiv werden oder in Extremfällen dem Kind auch etwas antun.

Nicht perfekt ist perfekt

Mütter, die überfordert sind mit der Situation, bürden sich manchmal auch zu viel auf. Es ist ok, nicht perfekt zu sein. Oder anders ausgedrückt: eine nicht perfekte Mutter ist perfekt. Weil sie authentisch ist. Der Psychoanalytiker Donald Winnicott hat vor Jahrzehnten die Theorie der „ausreichend guten Mutter“ aufgestellt, wonach es der Entwicklung eines Kindes förderlich ist, wenn eine Mutter nicht gleich sofort auf alle Wünsche des Kindes eingeht.

Das Kind lernt somit, mit Unzufriedenheit umzugehen, was wichtig ist. Kinder brauchen keine Super-Mütter, sondern die Gewissheit, in Geborgenheit aufzuwachsen. Ich gebe offen zu, dass basteln und lustige Gesichter aus Früchten schneiden überhaupt nicht mein Ding sind. Bin ich deswegen eine schlechte Mutter? Nein. Jeder liebt seine Kinder auf eine eigene, individuelle Art und das ist auch gut so.

Herzlichst, YoungMum (landbote.ch)

Erstellt: 30.11.2017, 14:53 Uhr

Über YoungMum

Silvia Makowski ist Mutter von zwei Töchtern, Bankangestellte und nebenbei freischaffende Texterin. Sie ist Verfasserin des Blogs «YoungMum.ch», in dem sie regelmässig über das Muttersein und den Familienalltag berichtet. Sie hat eine grosse Leidenschaft für Wörter, Sätze und Geschichten und lebt mit ihrer Familie im Raum Zürich.

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