Einmal Pfadi, immer Pfadi

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Als ich knapp achtjährig aus meinem ersten Pfingstlager heimkehrte, da trug ich meiner Mutter zu­folge immer noch dieselben Klamotten wie beim Lagerantritt drei Tage zuvor. Das Kind habe man unter dem gleich grossen Rucksack eigentlich nicht ­gesehen und dieser sei vor der Haustür aus lauter Übermüdung langsam hin- und hergewankt. Aber da war es schon geschehen. Das Menschlein hatte sich nicht nach Kafka in einen Käfer, aber nach Pfadigründer Baden-Powell in ein Biendli verwandelt. Fortan war die Pfadi am Samstagnachmittag gesetzt. Die Wanderschuhe, vom Spielen ums Lagerfeuer leicht angeschmürzelt, standen bereit, die Hochwasserhose mit den Grasflecken lag über der Stuhllehne.

Heute noch lösen bestimmte Gerüche schlagartig Nostalgie aus: der Rauch eines Holzfeuers, frische Strohballen, Sommerhitze auf einem Zeltdach. Was im Rückblick nebst verklärter Romantik vor allem geblieben ist, sind die Lektionen fürs Leben. Angefangen bei praktischen, wie dass ich als Stadtpfadikind bereits mit zehn Jahren dank zahlreichen Schnitzeljagden sämtliche ÖV-Linien in der Stadt Zürich bis zur Endstation auswendig kannte. Oder dass ich heute bei Campingferien immer noch weiss, in welche Richtung der Eingang aufgebaut werden muss, damit es nicht dagegenregnet.

Abgesehen von Seilkunde, Militärblachen verknüpfen und Fotzel­schnitten für 25 Personen ­kochen (hässlich, aber lecker), lernte ich auch wirklich wichtige Dinge: Zusammenhalt, Sorge tragen zu Tier und Natur, auf die Schwächeren achten und gegen die Bösen kämpfen. Und auch wenn die Pfadiwelt sich manchmal gar schwarz-weiss präsentierte, so bin ich überzeugt, gibt sie einem doch wertvolle Leit­linien mit. Wenn ich dann lese, wie 800 Pfadis aus der Winterthurer Umgebung bald ins ­Regionallager aufbrechen, überkommts mich, und ich will nichts lieber als die stickige ­Büroluft hinter mir lassen und ins Pfadihemd schlüpfen. Allzeit bereit. (Der Landbote)

Erstellt: 22.07.2016, 13:48 Uhr

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