Kolumne

Essen auf Rädern

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Essen unterwegs, das hiess früher: ein Apfel im Rucksack. Auf weiteren Ausflügen auch mal ein Brot und ein Landjäger, das Sackmesser war ja immer auf Mann, damals. Heute wird der Stadtverbesserer von den eigenen Eltern darüber informiert, dass der Herd ruhig kalt bleiben könne, weil gerade ein Streetfood-Festival auf der Hardturmbrache stattfindet. Es nieselt? Dann halt in Winterthur bleiben, das Burger-Festival in der Halle 53 ist ja unter Dach. 10 000 Leute seien gekommen, sagen die Organisatoren. Bei der ersten Ausgabe notabene, und fast ohne Werbung. Für kaum etwas lässt sich die Bevölkerung derzeit so begeistern wie fürs Essen ausser Haus. Der Burger ist ganz nahe beim Bürger. Und dieser möchte sich eigentlich eher als König denn als Burgeois fühlen: Gönnerisch wählt er aus Dutzenden Anbietern aus, das Beste ist gerade gut genug für die verzärtelten Geschmacksknospen. Street Food ist wie Island: teuer, hochgejubelt und man darf es nicht doof oder langweilig finden, weil man sonst im Freundeskreis als Ignorant gilt. Nichts ist dem Schweizer so heilig wie die eigene Weltläufigkeit. Früher hat er seine Umwelt mit Dia-Abenden gequält, heute findet das auf Whatsapp und Facebook statt. Guck. Ich. Ich und mein Essen. Wasabi-Burger im schwarzen Brötchen, so crazy! Dem Stadtverbesserer wäre es lieber, seine Mitmenschen würden kreativ denken als kreativ essen. Ein simples Eingeklemmtes macht genauso glücklich wie der jüngste Superfood und man kommt nicht in Versuchung, die Mitmenschen mit Details zur Zusammensetzung zu langweilen. Und bald ist wieder Zeit für den originalen «Street Food»: Heisse Maroni. (Der Landbote)

Erstellt: 13.09.2017, 16:27 Uhr

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