Kolumne

Achtung bei zu vielen Adjektiven

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Adjektive haben derzeit Hochkonjunktur, speziell in Winterthur. Denn hier steht nicht nur Weihnachten vor der Tür, sondern bald auch eine Ersatzwahl. Beide Ereignisse werfen ihre Adjektive voraus. Und bei Adjektiven, das wusste schon Hemingway, sind Vorsicht und Zurückhaltung geboten.

Denn Adjektive schummeln. Sie geben vor, Informationen zu liefern (das tun sie ja auch, wenn man an rot oder elfenbeinfarben, an rund oder elfeckig denkt). Aber allzu oft vermitteln sie keine verlässlichen Fakten, sondern versuchen sich gleichsam auf Samtpfoten einzuschmeicheln. Weihnachtsmarktvermarkter etwa versuchen, ihre beleuchteten Holzhütten in noch besserem Licht erstrahlen zu lassen mit einem Adjektiv vornedran: ­Romantisch sei das, zauberhaft oder weihnachtlich. Mit Verlaub: Das ist nur fantasielos und flau.

Bei Adjektiven, das wusste schon Hemingway, sind Vorsicht und Zurückhaltung geboten.


Besondere Vorsicht ist mit Blick auf den Februar angesagt, dann wird in Winterthur ein neuer Stadtrat oder eine neue Stadt­rätin gewählt. Schon jetzt beginnen sich die Kandidierenden anzupreisen – mit Adjektiven. Der SVP-Kandidat gibt sich «couragiert und differenziert». Die EVP setzt für ihre Kandidatin noch ein paar drauf: Sie sei (schreibt die Partei) engagiert, zielstrebig, effizient, integer, dynamisch und kompetent. Der GLP-Mann verspricht, konsens-, vernunfts- und lösungsorientiert zu sein. Bei der SP-Kandidatin und dem Grünen hat der Stadtverbesserer zwar weniger, aber noch immer gar viele Adjektive entdeckt.

Um den Gehalt des adjektivisch Versprochenen zu testen, stelle man sich das Gegenteil vor: einen Stadtrat, der nicht differenziert urteilt, sondern pauschal, der nicht zielstrebig ist, sondern ein lahmer Laueri, der nicht mit Vernunft regieren will, sondern völlig willkürlich. Dieser Schnelltest des Stadtverbesserers macht auf couragiert-kompetente Art deutlich, was von so zauberhaft wirksamen Adjektiven zu halten ist. (Der Landbote)

Erstellt: 01.12.2016, 11:02 Uhr

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