Kolumne

Allen Leuten Recht getan

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Es gibt Tage, da bliebe man lieber zu Hause. Draussen ist es erstens noch dunkel und zweitens nasskalt. Schön wär’s sich jetzt zurückzuziehen mit einem guten Buch unter eine Wolldecke und die Welt könnte draussen bleiben. Stattdessen machst du dich auf den Weg zur Arbeit, im Büro checkst du deine Mails und das Gefühl, besser zu Hause geblieben zu sein bestätigt sich. Dieser Tag hat es in sich und ein altes, wahres Sprichwort geht dir durch den Kopf: «Allen Leuten Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann!»

Es gibt sie, die Dauermeckerer und Miesmacher. Sie sind immer zur Stelle, wenn es etwas zu kritisieren gibt, ein Lob kommt selten über ihre Lippen oder über die Tastatur. Sie werfen dir ihre Kritik in einer Lieblosigkeit vor die Füsse, die zu denken gibt. Solche Menschen können einem das Leben ganz schön schwermachen. Und es hilft nicht zu denken: Kritik aus solchen Mündern sage mehr aus über die latente Unzufriedenheit der Absender, denn über das Kritisierte oder die Kritisierten. Trotzdem: Kritik trifft!

«Allen Leuten Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann!»

Sicher, es gibt die Immunisierten, die von sich so überzeugt sind, dass es fast schon wieder weh tut. Alles prallt an ihnen ab. Und es gibt die andern, die sich immer und überall in Frage stellen, ins Grübeln kommen oder am Boden zerstört an ihrem Selbst zweifeln. Dazwischen liegt, wie meist, die goldene Mitte. Kritik ist ein wichtiges Instrument zur Überprüfung von Gewohntem, zum Hinterfragen von Handlungen und es gehört zur menschlichen Reife mit angebrachter Kritik umgehen zu können.

Herzensbildung ist gefragt. Menschen, deren Wohlwollen spürbar ist, die in sich stehen, von solchen Menschen nehme ich Kritik sehr gerne an, denn sie bringt weiter. Sie eröffnet eine neue Sicht und spiegelt andere Blickwinkel. Echte Auseinandersetzung wird möglich und Entwicklung. Diese Menschen sind seltener geworden. Der raue Umgang miteinander gehört eher zur Tagesordnung. Nach dem Motto: Mir wird auch nichts geschenkt! Und so manche lieblose Kritik wächst letztlich aus der eigenen Unzulänglichkeit zu sich stehen zu können. Denn auch das ist eine Kunst und ein lebenslanger Übungsweg, sich selbst anzunehmen annehmen, sich zu freuen an den eigenen Stärken und mit dem Sperrigen in sich umgehen zu lernen. Meine Gedanken drehen weiter und ich stolpere über ein bekanntes Bibelwort: «Was siehst du den Splitter im Auge deines Nächsten, aber den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr!»

Wieder einmal auf den Punkt gebracht, Bruder Jesus. Ich gebe dem Tag eine zweite Chance.

Erstellt: 13.01.2017, 16:45 Uhr

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