Kolumne

Antizyklisch staut auch

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Das schlechte Wetter über ­Ostern hatte wenigstens diesen positiven Nebeneffekt: Man brauchte nicht weit zu laufen. Der Osterhase hatte nämlich dankenswerterweise die Nester unserer Kindernicht irgendwo weit verstreut im ­Garten zwischen Büschen, sondern für einmal schön regen­geschützt nahe am Haus platziert – offenbar aus Entgegenkommen für uns Hausbewohner. Oder könnte es vielleicht sein, dass der Osterhase auch selber nicht die passenden Schuhefür den nassen Rasen hatte und darum bei seiner Tour lieber «am Schärme» geblieben ist?

So oder so: Die Wege zur Schokolade waren kurz. Das war ­indes nicht bei allen der Fall. Wer Familie oder auch nur ein Ferienhäuschen im Tessin hat, für den gilt während der Ostertage ja bekanntlich: Nach dem Stau ist vor dem Stau. So warin den Zeitungen zu lesen, dass sich am Gründonnerstag vor dem Gotthard Richtung Süden der Verkehr bis auf 14 Kilometer staute – ein neuer Rekord, wie es hiess.

Für Tessinfahrer gilt während der Ostertage bekanntlich: Nach dem Stau ist vor dem Stau. 

Und am Ostermontag ging es in umgekehrter Richtung genau gleich weiter bzw. zurück. Wiederum durfte stundenlang warten, wer von Airolo nach Gösche­nen wollte. Glücklich, wer in seinem Auto einen Fernseher eingerichtet hat. Er ­konnte so schon auf Hin- oder Rückweg locker hintereinander «Ben Hur» und «Die zehn ­Gebote» schauen, derweil auf der Strasse ohnehin schon galt: «Quo vadis?»

Solche Verkehrsverhältnisse ­rufen natürlich auch jede ­Menge gute Tipps auf den Plan, zum Beispiel denjenigen, statt durch den Gotthardtunnel über die San-Bernardino-Route zu reisen. Entweder Warten im Stau oder Übelkeit in der Kurve – das nenne ich mal eine Alternative.

Freilich kamen wegen dem Tipp so viele Leute auf ­dieselbe Idee, dass sich über ­Ostern alsbald auch auf dem San Bernardino die Autos stauten. Das dürfte denn auch das Problem sein mit dem am häufigsten propagierten aller Tipps, nämlich antizyklisch loszufahren. Soll heissen: nicht am Feiertag selber, sondern sich ­davor oder danach auf den Weg machen. Nur fürchte ich, dass auch diese Taktik nur gerade so lange hält, bis nicht genügend Leute sie anwenden.

So wird sich in Zukunft der Verkehr dann halt einfach statt am Gründonnerstag am Grünmittwoch und statt am Ostermontag am Osterdienstag stauen. ­Irgendwann fährt man dann derart antizyklisch früh los, dass jene Automobilisten, die dem Osterverkehr ausweichen wollten, stattdessen in den Weihnachtsstau geraten. Ja wer weiss, vielleicht war der Stau von Ostern 2017 überhaupt nur deswegen so gross, weil da auch noch ­Leute antizyklisch unterwegs waren, die eigentlich für Ostern 2016 ins Tessin wollten?

(Der Landbote)

Erstellt: 19.04.2017, 11:30 Uhr

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