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Befehl zum Aufrunden

Wieder einmal ist es das Geld, das eine Debatte so richtig anheizt: Der Direktor des Kantonsspitals Winterthur hat in zwei Interviews offen zugegeben, dass er – sagen wir es einmal so – bei Finanzgesuchen auf die Kredit­limite achtet. Ab 3 Millionen Franken müsste ein Antrag durch die Mühlen des Kantonsrats. Also sorgt man für Projekte in der handlichen Grösse von 2,9 Millionen. Der Aufschrei ist gross, der Rücktritt gefordert, der Skandal kurz vor der Abstimmung über die Umwandlung des KSW in eine AG perfekt.

Der Vorfall sollte nicht als Kavaliersdelikt abgetan werden. Dem Amt für Stadtverbesserung ist die Unsitte des Abrundens und Aufsplittens schon lange ein Dorn im Auge. Kosten werden auch anderswo als «teilgebunden» erklärt, Vorhaben tranchiert und etappiert, Ausbauten so lange teilergänzt, bis der Ursprungskredit gar nicht mehr erkennbar ist. Wer soll da noch den Überblick behalten?

Das Abrunden sollte per sofort auf dem ganzen Stadtgebiet verboten werden.

Was die öffentliche Hand kann, macht die Privatwirtschaft schon lange: Im Elektromarkt kostet das Epiliergerät 299.95, die Flasche Sprudelwein wird für 9.90 statt 14.50 angepriesen, die Uhr im Einkaufszentrum für 99.90, gezielt unter der Kredit­limite von 100 Franken.

Diesem Treiben gehört ein Ende gesetzt. Das Abrunden sollte per sofort auf dem ganzen Stadtgebiet verboten werden. Das gilt nicht nur für Kreditanträge, sondern auch fürs Epiliergerät, das ab sofort mit einer Aufrundungssteuer belegt wird.

Vorgemacht, wie das mit dem Aufrunden richtig funktioniert, haben es die Gegner der Energiestrategie im aktuellen Abstimmungskampf. Die vom Bundesrat errechneten Mehrkosten pro Haushalt und Jahr von 40 Franken haben sie auf 3200 Franken aufgerundet. Vorbildlich.

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