Kolumne

Bumann, der Allestester

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Normalerweise läuft es so: Ein Restaurant wirtschaftet sich bis knapp vor den Konkurs, dann ruft der Wirt um Hilfe. Und zwar nicht auf dem Dorfplatz, sondern beim Privatsender 3+. Einige Wochen später steht dann Sternekoch Daniel Bumann in seiner Küche und versucht, vor laufenden ­Kameras den Karren aus dem Dreck zu ziehen. In Dägerlen handhabte Stefan Leeman die Sache anders – um nicht zu sagen: geschickter. Er bestellte den Restauranttester bereits einige Wochen nach Eröffnung des Pastetlirestaurants Traube zu sich. Mit etwas Glück und präventiver Kursänderung besteht so die Chance, den Karren ums Sumpfloch herumzusteuern.

Gastroweisheiten lassen sich auch auf die Politik übertragen: Überfordert die Gäste/Wähler nicht mit einer zu grossen Karte!

Keine Pastetli, sondern den Natio­nalrat hat Jürg Stahl seit dieser Woche zu managen. Als Coach könnte man ihm gleichzu Beginn Bumann zur Seite stellen. Dieser flüstert ihm zwischendurch ein «Güet gmacht» ins Ohr und überträgt seine Gastroweisheiten auf die Politik. Überfordere die Gäste nicht mit einer zu grossen Karte etwa, was sich bestimmt auch über Traktanden und Nationalräte sagen lässt. Keine Fertigprodukte! Die Reden werden selbst geschrieben. Und wenn sich der Mann weiterhin so überaus bescheiden und zurückhaltend gibt, knufft ihn der Bumann mit dem Ellenbogen, schaut ernst und rät: «Meh Fitla zeigö!»

Wie wärs mit Bumann als Fusionsberater? Aus dem gescheiterten Versuch im Tösstal lässt sich vielleicht lernen: Zu viele Köche verderben den Brei. Das ist allerdings schwierig zu verbessern, wenn die Demokratie naturgemäss jedem Daher­gelaufenen einen Kochlöffelin die Hand drückt. Da nützt es dann auch nichts, wenn rein regionale Zutaten verwendet worden sind. In diesem Fall könnte Bumann höchstens auf Paul ­Bocuse zurückgreifen, der sagte: «Wenn der Koch einen Fehler macht, giesst er ein wenig Sauce darüber und sagt, es wäre ein neues Gericht.» Der Karren sitzt dann statt im Sumpf halt in der Sauce. (Der Landbote)

Erstellt: 02.12.2016, 12:16 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!