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Das dritte Geschlecht

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Als erstes europäisches Land will Deutschland ein drittes Geschlecht einführen, für Menschen, die sich nicht eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zuordnen. Für die Betroffenen sicher ein positiver Schritt. Sprachlich geht das Problem aber erst los: Wie das dritte Geschlecht heissen soll und wie die Betroffenen künftig anzusprechen sind, das ist noch ungeklärt. Einfach die bestehenden Worte koppeln, er*sie oder Frau*Herr, scheint nicht besonders elegant.

Dass ein drittes Geschlecht für einiges Kopfzerbrechen sorgen kann, wissen alle, die Deutsch als Fremdsprache lernen. Grammatische Geschlechter besitzt das Deutsche nämlich bereits heute drei: Maskulinum, Femininum und Neutrum. Für jedes Substantiv muss man mühsam auch sein Geschlecht lernen, denn die ­Endung oder der Menschen­verstand helfen selten weiter. Die Milch ist weiblich, der Saft männlich und das Glas, aus dem ich beides trinke, sächlich. Und bei vielen Wörtern ist sich die deutschsprachige Welt nicht ­einmal selbst einig. Für meinen ­Lebenspartner sind der Butter und das E-Mail weiblich. Mein Bruder sagt «das Laptop», ich «der Laptop». Beim Wort ­Joghurt sind laut Duden sogar alle drei Geschlechter zulässig.

Statt uns über die präzise ­Geschlechterbezeichnung den Kopf zu zerbrechen, sollten wir uns am Joghurt ein Beispiel nehmen: Joghurt hat Geschmack. Joghurt hat Kultur. Joghurt ist mal linksdrehend, mal rechtsdrehend und führt trotzdem ­selten zu Diskussionen. Das ­Joghurt kümmert sich nicht, welches ­Geschlecht wir ihm aufdrücken. Denn es weiss: Am Ende zählt nicht das Label, sondern was drinsteckt. (Landbote)

Erstellt: 16.11.2017, 08:40 Uhr

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