Kolumne

Das Lied von der kleinen Auflage

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Wer sich rar macht, ist mehr wert. Es ist nicht so, dass ich nach diesem Grundsatz erzogen worden wäre, aber manche Frauen praktizieren ihn. Männer übrigens auch. Denn es gilt das Prinzip: kleine Stückzahl = höherer Wert. Ein Eisvogel ist wertvoller als ein Spatz. Ein Waschbär sollte eigentlich wertvoller als ein Fuchs sein. Und der Biber entwertet sich gerade in der Region. Er hört überhaupt nicht mehr auf, sich zu vermehren und Spuren seiner Präsenz zu hinterlassen.

Auf dem Land leben weniger Menschen als in der Stadt. In ihren kleinen Dorfläden müssen sie mehr bezahlen als beim Grossverteiler, denn die Produkte müssen von verschiedenen Orten in geringeren Mengen angeliefert werden. Der Dorfbäcker backt weniger Brote und Kuchen, das rechtfertigt den höheren Preis. In der Wirtschaftstheorie spricht man von Skaleneffekten: Wenn ich mehr von einer Ware herstelle, kann ich effizienter arbeiten und das einzelne Stück günstiger anbieten.

Es ist nur recht und billig, dass für ein so einmaliges Endlager besonders hohe Ausgaben aufgeworfen würden – Skaleneffekt nennt man das in der Wirtschaftstheorie. 

Es war schon immer etwas teurer, einen erlesenen Geschmack zu haben, könnte man argumentieren. Das hat zur Folge, dass der Flaacher Spargel teurer ist als der badische. Das Girsbergerhaus-Holzmodel für lokalpatriotische Guetsli-Bäcker kostet satte 50 Franken, und das örtlich produzierte Kindergesangsheft 40 Franken, weil es mit einer Auflage von 50 Stück gedruckt wird. Aber für die Waren aus der Region zahlt man gerne ein paar Rappen mehr — zumal es ja einheimische Arbeitsplätze fördert.

Nun liegt auch noch der Opalinuston in bester Qualität in der Region: ruhig, ohne seismische Störungen. Da ist es nur recht und billig, dass für ein so einmaliges Endlager besonders hohe Ausgaben aufgeworfen würden. In die Milliarden werden die Kosten für die Tiefenlagerung des Schweizer Atommülls gehen. Ob ein derart wertvolles Endlager wirklich ins Weinland kommt, wird deshalb mit Spannung erwartet. (Der Landbote)

Erstellt: 22.12.2016, 14:59 Uhr

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