Kolumne

Daumen hoch?

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Der Stadtverbesserer ist seit dieser Woche mit der Wirklichkeit der Gladiatoren des alten Rom konfrontiert. Was einst in der Arena über Leben und Tod entschied, feiert in der Gegenwart eine digitale Renaissance: die Macht des Daumens. Und auch hier und heute geht es um Existenzielles, um Tod und Leben des Sozial-Prestiges.

«Ist dieser Artikel lesenswert?» Diese Frage steht erstmals auf der «Landbote»-Homepage auch unter dem Stadtverbesserer. Ja oder Nein? Es ist ein Sekundenentscheid, gefällt aus einer diffusen Gefühlslage. Und die Grausamkeit der Wertung steht jener in der Arena in nichts nach.

Die Grausamkeit der Wertung steht jener in der Arena in nichts nach.

Angesichts der Komplexität einer Zeit, in der selbst ein Kioskroman fünfzig Schattierungen von Grau postuliert, ist die Tendenz, alles in Gefallen und Missfallen, in Weiss und Schwarz zu sortieren, natürlich nur schlüssig. Die sozialen Medien haben den Modus Operandi dazu vorgegeben. Bei Facebook darf in Gutmenschenmanier zwar nur «gelikt», «geherzt» und «gesmilt» werden. Ein «Post», der ohne Zuspruch bleibt, krepiert aber elendiglich auf der digitalen Bühne.

Die Herrschaft des Daumens ist umso grausamer, als sich der Zuspruch oft allein am sozialen Wert eines Themas orientiert. Gelikt wird nicht, was irritiert, vor den Kopf stösst, aufrüttelt, sondern was die Kernwerte der «peer group» bestätigt. Und Inhalt und Form werden erst recht nicht unterschieden. So entsteht die berüchtigte Bubble, die Informationsseifenblase, ein System aus Gefälligkeit und Bestätigung.

«Ist dieser Artikel lesenswert?» Mit dieser Frage steigt auch für den Stadtverbesserer und seine Kollegen der Reiz der Anbiederung. Dem gilt es zu widerstehen. Wenn kein Weg mehr daran vorbeiführt, die Stadt niederzubrennen und neu zu bauen, ganz so wie im alten Rom, dann wollen wir es Ihnen hier weiter offensagen. Machen Sie mit Ihrem Daumen, was Sie wollen! (Der Landbote)

Erstellt: 18.05.2017, 09:27 Uhr

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