Kolumne

Der Schmelztiegel der Region

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im ländlichen Unterohringen vollzieht sich derzeit ein bemerkenswerter Wandel. Er könnte gar in ein neues Zeitalter münden.

Wo die Menschen noch gemächlich Volg-Märkli einkleben, taucht nun plötzlich ein Typus Mensch auf, der sozusagen am anderen Ende der sozialen Skala steht. Er fliegt von irgendwo her nach Seuzach respektive nach Kloten, trägt ein schickes Poloshirt, teure Lederschuhe und liest die Zeit von einer Rolex am Handgelenk ab. Er kommt hierher, um Polo zu spielen.

Zugegeben, da können die einheimischen Märklikleber mit den Kuckucksuhren an den Wänden nicht mithalten. Wollen sie aber auch nicht. Handkehrum würden sich die Rolex-Träger auch eher nicht in den Volg begeben wollen, um am Ende des Einkaufs das vollgeklebte Markenheftli für zehn Franken Rabatt aufs Fliessband zu legen.

So wird es kommen, wie es kommen muss: Unterohringen wird sich zum Country- und Westerndorf mit Cowboys und Cowgirls mausern.

Doch ob sie wollen oder nicht, die beiden Menschentypen werden sich nun vermehrt in Unterohringen begegnen. Und sie werden mit der Zeit automatisch irgendwie miteinander verschmelzen. Das ist jetzt nicht anzüglich gemeint.

Diese Verschmelzung hat wohl auf die Unterohringer eine nachhaltigere Wirkung als auf die an- und abreisenden Polospieler, die tags darauf schon in Genf, Mailand oder Düsseldorf weilen. Die Bewohner des Seuzacher Dorfteils aber sehen sich beim Passieren des Kreisels Wiesental sozusagen nonstop den mondänen Polo- und Countryclub an.

So wird es kommen, wie es kommen muss: Unterohringen wird sich zum Country- und Westerndorf mit Cowboys und Cowgirls mausern, einheimische und zugezogene. «After all» ist der Steuerfuss ja weltweit gesehen immer noch tief.

Auch das neue Villagepeople klebt Volg-Märkli, geht danach aber im eleganten Clubrestaurant essen und lässt den Abend im Saloon Wiesental ausklingen. Bis ein Blick auf die Rolex mahnt: Es ist Zeit fürs Bett. Schliesslich muss man ja morgen beim Polospiel wieder fit sein.

(Der Landbote)

Erstellt: 05.05.2017, 12:58 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare