Kolumne

Die Kleinen sind jetzt Freiwild

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Immer noch fast 170 politische Gemeinden im Kanton? Wie lästig! So träumt man in Zürich schon lange von weniger Gebietskörperschaften. Damit gäbe es auch weniger widerborstige Gemeinderäte, mit denen sich die kantonale Verwaltung tagtäglich herumschlagen muss.

Fusion heisst das Zauberwort. Und um den vielen kleinen ­Gemeinden die Selbstaufgabe schmackhaft zu machen, lockt der Kanton mit der einen Hand mit dem Zuckerbrot namens Entschuldungsbeitrag. Mit der anderen Hand zieht er die Daumenschrauben weiter an, bis den Kleinen das autonome Dasein langsam, aber sicher verleidet. Und trotzdem kann Zürich stets sagen: De jure wird keine Gemeinde zur Fusion gezwungen.

Dass es einfacher und effizienter ginge, zeigt der Umgang mit dem kleinen Jagdrevier Henggart.

Eine solche Behandlung der ­Gemeinden ist aber höchst komplex, langwierig und beschwerlich. Und sie kann hässliche Nebenwirkungen haben. Dann nämlich, wenn sich eine Gemeinde gekauft fühlt und trotzig Nein sagt zu einer Fusion. Dass es auch viel einfacher und effizienter ginge, das zeigt der wenig zimperliche Umgang mit dem kleinen Jagdrevier Henggart: Die fünf Nachbarreviere haben sich zusammengetan und beim Kanton die Auflösung des Henggarter Reviers beantragt. Die umzingelte Beute wollen sie dann unter sich aufteilen.

Der Antrag der fünf Reviere sei ganz in seinem Sinn, lässt der Kanton verlauten, und stimmt der feindlichen Übernahme zu. Und das Gute: Er hat sich selber die Finger nicht blutig respektive schmutzig machen müssen – der Antrag auf Auflösung kam ja nicht von ihm. Setzt sich diese Art der Arbeitsteilung durch, werden die Kleinen zu Freiwild.

Volken im Flaachtal ist die kleinste Gemeinde im Kanton. Man stelle sich vor: Ihre fünf Nachbargemeinden Flaach, Berg und Buch am Irchel, Dorf sowie Andelfingen beantragen deren Auflösung. Denn zu klein sei die Gemeinde, das findet auch der Kanton. Volken protestiert, doch Zürich heisst den Antrag gut. Zum Dank kriegen die fünf Nachbarn ein Stück Volken. Und der Kanton ist wieder eine lästige Gemeinde los. Also, liebe Gemeinden: Gebt eure kleine Nachbargemeinde zum Abschuss frei – Zürich wird sich erkenntlich zeigen. (Der Landbote)

Erstellt: 28.04.2017, 14:53 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare